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Bildrechte: picture alliance / Andreas Arnold/dpa | Andreas Arnold

Die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus bereitet der bayerischen Regierung Sorgen.

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Gefährdet Delta-Variante weitere Lockerungen in Bayern?

In Bayern gibt es vorerst keine weiteren Corona-Lockerungen - auch wegen der ansteckenderen Delta-Variante. Zwar sind die Zahlen in Bayern noch sehr niedrig, die Staatsregierung warnt trotzdem vor einer Ausbreitung. Daran gibt es auch Kritik.

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Von
  • Petr Jerabek
  • Maximilian Heim

Die Corona-Zahlen in Bayern sinken weiter - neue Lockerungen der Schutzmaßnahmen sind vorerst aber nicht geplant. Das bayerische Kabinett verständigte sich heute lediglich darauf, dass Schülerinnen und Schüler auf dem Pausenhof die Maske abnehmen dürfen, andere Beschlüsse gab es aber nicht.

Trotz der sehr positiven Entwicklung sei die Pandemie noch immer nicht vorbei, betonte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) nach der Kabinettsitzung in München - und verwies in diesem Zusammenhang auch auf deutliche Warnungen von Experten vor der Delta-Variante, die zuerst in Indien entdeckt worden war. An der Sitzung des bayerischen Ministerrats hatten auch zwei Virologen teilgenommen.

Delta-Variante: Bislang nur wenige Fälle in Bayern

Herrmann erläuterte, es gebe derzeit 132 bestätigte Fälle der Delta-Variante in Bayern. In bestimmten Laboren sei aber ein "deutlicher Anstieg von zwei Prozent vor einiger Zeit auf mittlerweile über zehn Prozent" registriert worden, sagte der Staatskanzleichef, ohne das näher zu erläutern.

Laut der aktuellen Tabelle des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) meldeten die bayerischen Gesundheitsämter bisher insgesamt 145 Fälle der Delta-Variante im Freistaat. Zum Vergleich: Von der zuerst in Großbritannien festgestellten Alpha-Variante (B.1.1.7) sind es bislang mehr als 132.000.

Nachgewiesener Delta-Anteil: 0,03 bis 0,62 Prozent pro Woche

Eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums erläuterte auf BR-Nachfrage, seit Mitte April liege der Anteil der Delta-Variante (B.1.617.2) in Bayern bei 0,03 bis 0,62 Prozent pro Woche. Um die Delta-Variante nachzuweisen braucht es laut der Sprecherin das "aufwändigere Verfahren mittels Ganzgenomsequenzierung". Dieses könnten nicht alle Labore durchführen. Daher könne es zu einem "zeitlichen Verzug und Untererfassung der letzten zwei bis drei Wochen" kommen.

Die meisten Delta-Fälle wurden laut der LGL-Tabelle bisher mit 44 in der Stadt München festgestellt, gefolgt von Kitzingen mit 21. In allen anderen bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten ist die Zahl bisher einstellig.

Herrmann: Mutation wird sich auch in Bayern ausbreiten

Die Staatsregierung sieht dennoch Grund zur Vorsicht. "Es geht nicht um Alarmismus. Es geht nur darum, mit Realismus diese Entwicklung, die wirklich sehr positiv ist momentan, weiterhin im Blick zu behalten", sagte Herrmann. Er verwies darauf, dass sich die Delta-Variante in Großbritannien bereits so weit ausgebreitet habe, "dass man sie dort als dominierend bezeichnet". Die Inzidenz dort sei innerhalb von vier Wochen von 20 auf 70 gestiegen, obwohl 60 Prozent der Bevölkerung bereits doppelt geimpft seien. Diese Problematik dürfe "man nicht verkennen".

Die Delta-Variante sei deutlich ansteckender und führe auch zu mehr Krankenhausaufenthalten als andere Corona-Mutationen, sagte Herrmann. "Wir wissen alle: Stärker infektiöse, gefährlichere Varianten sind die, die am Ende immer überbleiben." Es sei daher damit zu rechnen, dass sich diese Mutation auch in Bayern stärker durchsetzen werde.

Auch vor diesem Hintergrund müssten Hygiene-, Abstandsregeln und Maskenpflicht beibehalten werden. "Wir brauchen das weiterhin, um die Entwicklung im Griff zu behalten." Auch nach Meinung von Experten sei bei den nächsten Öffnungsschritten Vorsicht geboten. Es gelte, "nicht in Hektik zu verfallen", sondern "Schritt für Schritt die Lage zu beobachten".

FDP: Viren werden immer mutieren

Nach Meinung des bayerischen FDP-Fraktionschefs Martin Hagen müssen Mutationen natürlich im Auge behalten werden. "Aber Viren mutieren, Viren werden immer mutieren", sagte er bei BR24LIve. "Und die Wissenschaftler sagen auch: Corona wird nicht verschwinden, sondern es wird ein endemisches Virus, mit dem wir lernen müssen zu leben." Es werde wahrscheinlich immer wieder saisonal auftauchen und möglicherweise von Jahr zu Jahr in einer neuen Variante auftauchen – genau wie die Influenza.

Dies könne aber doch nicht dazu führen, dass Grundrechtseinschränkungen für die Bürger zu einem Dauerzustand würden. Die Grundrechtseinschränkungen seien einzig begründet gewesen mit der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems. Diese Überlastung sei jetzt abgewendet. Daher "müssen wir auch wieder zu mehr Eigenverantwortung kommen", forderte der FDP-Politiker.

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