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Gedrückte Adventsstimmung in Nürnberg | BR24

© BR/Tobias Burkert

Schaufenster in der Nürnberger Innenstadt

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    Gedrückte Adventsstimmung in Nürnberg

    Kein Christkindlesmarkt, kein Glühwein-Plausch in der Altstadt: Nur wenige Menschen besuchten am ersten Advent die Nürnberger Innenstadt. Vorweihnachtliche Gefühle kamen bei den meisten nicht auf.

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    Von
    • Tobias Burkert

    Zugegeben: Das Bild hat etwas, wenn der Anlass nicht so traurig wäre. Die Sonnenstrahlen tauchen den Nürnberger Hauptmarkt in weiches, fast goldenes Licht am Mittag, die Buden der Wochenmarkthändel stehen verlassen auf dem Platz, hier und da ein kleiner Christbaum mit bunten Kugeln dran, weihnachtliche Girlanden an Holzstäben säumen den seitlichen Eingangsbereich, es wäre kalt genug für vorweihnachtliche Gefühle, wäre nicht alles abgesagt. Normalerweise würden jetzt tausende Besucher den Nürnberger Christkindlesmarkt an diesem ersten Advent aufsuchen, nach ersten Geschenken stöbern, sich eine Tasse Glühwein gönnen. Stattdessen sind kaum Menschen auf dem Platz, vor dem schönen Brunnen eine Traube italienischer Gäste, beschäftigt mit Selfies schießen, zwei Kinder drehen am Goldenen Ring, was sie sich wünschen? Sie wollen es nicht verraten! Vielleicht dennoch ein schönes Weihnachtsfest 2020.

    Einfach traurig

    Die wenigen Menschen, die wir rund um den Hauptmarkt nach ihren Eindrücken dieses ersten Advents fragen, ähneln sich in ihren Antworten: Die meisten sind traurig, dass Corona die Vorweihnachtszeit in Nürnberg so gravierend verändert. Selbst die vielen Japaner mit den Selfie-Sticks vermisse man, sagt eine Nürnbergerin, die mit ihrem Mann jeden Tag in der Altstadt spazieren geht. Ein Radfahrer im Sportdress erkennt das Bemühen der Stadt, ein wenig Weihnachtstimmung mit Lichtern und Bäumen herzustellen, empfindet es aber eigentlich mehr als „Provisorium“. „Da müssen wir jetzt durch“, so die Meinung eines älteren Herrn vor dem Nürnberger Rathaus, er genieße die Sonne, vorweihnachtliche Gefühle aber seien hier fehl am Platz.

    Flaute in der Bäckerei

    „Entschuldigen Sie meine Wortwahl, es ist heute einfach beschissen“, so das Fazit einer altgedienten Verkäuferin in einer Bäckerei unterhalb des Albrecht-Dürer-Platzes. Normalerweise würde die Tür hier beständig auf und zu gehen am 1. Advent, viele internationale Gäste reichten sich die Klinke in die Hand, stattdessen sind heute am Mittag noch nicht mal alle Brötchen verkauft. Es fehle der vorweihnachtliche Trubel, aber das werde die kommenden Wochen sicher nicht viel besser werden.

    Weihnachtsinseln als Trostpflaster

    Einige Händler, die normalweise einen Stand auf dem Christkindlesmarkt hätten, verkaufen ihre Ware jetzt quasi dezentral in der Innenstadt verteilt. Vergleichbar zum Vorjahr laufe das Geschäft allerdings eher schleppend an, sagt Rainer Nusselt, Lebkuchenbäcker aus Nürnberg, es fehle einfach die Kaufkraft. Trotzdem sein man froh, mit dem Strand wenigstens ein bisschen für Weihnachtsstimmung sorgen zu können.

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