Hier wird der Gedenkstein einmal stehen: Vor der Kirche in Garching. Auch hier hat Pfarrer Peter H. schweren sexuellen Missbrauch begangen.
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Hier wird der Gedenkstein einmal stehen: Vor der Kirche in Garching. Auch hier hat Pfarrer Peter H. schweren sexuellen Missbrauch begangen.

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    Gedenkstein für Missbrauchsopfer wandert durch Pfarrgemeinden

    Gedenkstein für Missbrauchsopfer wandert durch Pfarrgemeinden

    Immer wieder missbrauchte Pfarrer Peter H. Buben und die katholische Kirche versetzte ihn auf andere Posten. Ein Betroffener hat nun einen Gedenkstein gestaltet. Dieser soll durch die Pfarrgemeinden wandern, in denen Peter H. viel Leid anrichtete.

    "Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter", steht auf dem Gedenkstein, den Markus Elstner entworfen hat und der am Donnerstagabend in Bottrop vor der Sankt Cyriakus Kirche von Bürgermeister Klaus Strehl enthüllt wird. Der Gedenkstein, der bewusst wie ein Grabstein gestaltet ist, soll ein Mahnmal sein gegen Machtmissbrauch und Vertuschung in der katholischen Kirche, sagt Markus Elstner, der auch Mitglied im Betroffenenbeirat des Bistums Essen ist. "Er soll aber auch für die Betroffenen stehen, die ihr Schweigen noch nicht gebrochen haben, aus Scham, aus Rücksicht auf ihre Familien oder sogar auf die Kirche", so Elstner. Konkret erinnert der Gedenkstein an die Kinder und Jugendlichen, an denen sich der katholische Pfarrer H. vergangen hat.

    Fall Peter H.: Gutachten wirft Papst Benedikt Fehlverhalten vor

    Der Fall H. sorgte in der katholischen Kirche deutschlandweit für besondere Aufmerksamkeit. Denn das Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München und Freising legte im Januar 2022 offen, dass der damalige Kardinal Joseph Ratzinger und spätere Papst Benedikt den Pfarrer und Sexualstraftäter im Erzbistum München und Freising aufgenommen und ihn in einer Pfarrei eingesetzt hatte. Er selbst bestreitet, dass er über die pädophile Neigung H.s informiert war.

    Der Umgang mit Pfarrer H. steht mittlerweile beispielhaft für den Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchstätern: Die Übergriffe an mindestens 29 Buben wurden jahrzehntelang gedeckt, obwohl die Pädophilie des Priesters seit Ende der 70er Jahre im Bistum Essen aktenkundig war. Statt ihn zu suspendieren schickte die Essener Bistumsleitung H. 1980 zur Therapie nach München. Von dort aus wurde H. quer durch Oberbayern versetzt.

    1986 verurteilt ihn das Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellen Missbrauchs von zehn minderjährigen Buben. Erneut wird Pfarrer H. versetzt, dieses Mal nach Garching an der Alz. Als 2010 dann zahlreiche Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche öffentlich werden, sorgt auch der Fall H. für Entrüstung.

    Gedenkstein wandert an Missbrauchsorte – auch in Bayern

    Markus Elstner und Wilfried Fesselmann sind zwei Betroffene von sexuellem Missbrauch durch H. während seiner Zeit in Bottrop im Bistum Essen. Nun haben sie einen Gedenkstein gestaltet, der aber nicht dort bleiben wird. "Die Idee ist, den Gedenkstein von Bottrop aus weiter zu versetzen, so wie die katholische Kirche Priester einfach weiter versetzt hat, obwohl sie Missbrauchstäter waren", sagte Elstner dem BR. Von Bottrop aus wird der Stein eine Reise durch die Republik antreten und alle vier Wochen weiter wandern, an alle Tatorte von H., zunächst nach Essen, dann in eine Pfarrei nach München, von dort aus nach Grafing in Oberbayern, weiter nach Garching an der Alz und schließlich nach Bad Tölz.

    "Mit der Aktion wollen wir die Aufarbeitung in den einzelnen Pfarreien weiter vorantreiben und das Thema Missbrauch wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken", so Elstner. "Das Münchner Missbrauchsgutachten hat gezeigt, dass jetzt die Kirche am Zug ist und wirklich etwas ändern muss im Umgang mit Betroffenen." An der Einweihung des Denkmals am Donnerstagnachmittag nehmen auch Vertreter des Bistums Essen, unter anderem die Präventionsbeauftragte Dorothé Möllenberg teil.

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