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Gedenkort soll an NS-Medizinverbrechen in Erlangen erinnern | BR24

© BR/ Michael Reiner

Die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt in Erlangen

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Gedenkort soll an NS-Medizinverbrechen in Erlangen erinnern

Die ehemalige Heil- und Plegeanstalt in Erlangen soll zum Gedenkort werden. 2.500 psychisch kranke Menschen sind in der Nazi-Zeit dort ums Leben gekommen. Von dem Gebäude soll nun mehr erhalten bleiben als geplant.

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Ursprünglich sollte die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt in Erlangen komplett abgerissen werden, um Platz für ein Max-Planck-Zentrum zu machen. Nach Protesten gab es die Zusage, dass zumindest ein kleiner Teil erhalten bleiben soll. Nun die gute Nachricht: Ein viel größerer Teil als bisher geplant wird stehen bleiben. Das geht aus dem Konzept für einen Gedenkort hervor, der an die Medizinverbrechen erinnern soll, die dort während der Nazizeit verübt wurden. Es sollen der Mittelbau und Teile der Gebäudeflügel erhalten werden, sagte Jörg Skriebeleit. Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg hat das Konzept zusammen mit einem Kollegen erarbeitet.

Psychisch Kranke systematisch getötet

Im Untergeschoss der beiden Gebäudeflügel waren die sogenannten "Hungerstationen" untergebracht. Ein Opferort, so Skriebeleit. Hier wurden psychisch kranke Frauen und Männer systematisch durch Nahrungsentzug getötet. Im Mittelbau residierten die Ärzte und Klinikleiter, die Täter. Ursprünglich war vorgesehen, dass lediglich ein kleiner Rest des 170 Meter langen Gebäudes erhalten werden sollte.

Gedenkort beleuchtet Geschichte der Anstalt

Der Gedenkort müsse auch die Geschichte der im Volksmund "Hupfla" genannten Anstalt vor 1933 und nach 1945 berücksichtigen, sagte Skriebeleit. Denn die Erlanger "Hupfla" war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine fortschrittliche psychiatrische Klinik gewesen. Zudem müsse auch der Umgang der Erlanger Stadtgesellschaft nach dem Krieg mit den Medizinverbrechen in der "Hupfla" abgebildet werden. Die Ausstellung solle auf einer Fläche von rund 2100 Quadratmetern all diese Aspekte beleuchten.

Finanzielle Unterstützung vom Freistaat

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte an, dass der Freistaat das Projekt finanziell unterstützen wird. Heinrich Iro, Chef der Erlanger Uniklinik, begrüßte den nun gefundenen Kompromiss. Zum einen sei er ein klares Bekenntnis zur Erinnerung an die Geschichte der "Hupfla". Zum anderen stehe er der aktuellen Entwicklung der Uniklinik nicht im Weg. Denn er lasse ausreichend Platz für den Bau hochmoderner Forschungseinrichtungen.

Abrissarbeiten starten im Juni

Die hitzige öffentliche Debatte um den Abriss der "Hupfla" war entstanden, weil ein Max-Planck-Zentrum für Medizin und Physik sowie mehrere Forschungszentren der Universität auf dem Gelände gebaut werden sollen und der alte Bau im Weg stand. Die Abrissarbeiten an den Teilen, die nicht erhalten werden, sollen im Juni beginnen.

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Die ehemalige Heil- und Plegeanstalt in Erlangen soll zum Gedenkort werden. 2.500 psychisch kranke Menschen sind in der Nazi-Zeit dort ums Leben gekommen. Von dem Gebäude soll nun mehr erhalten bleiben als geplant.

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