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Am Schloss in Jettingen-Scheppach findet heute eine Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Gedacht wird auch Graf von Stauffenberg, der nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 hingerichtet wurde.

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Gedenkfeier für Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Am Schloss in Jettingen-Scheppach findet eine Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Gedacht wird auch Graf von Stauffenberg, der nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 hingerichtet wurde.

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Von
  • Matthias Lauer
  • Joseph Weidl

Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist als wichtigste Person im militärischen Widerstand gegen Adolf Hitler in die Geschichte eingegangen. Der Ort der Gedenkfeier hat für Jettingen-Scheppach im Landkreis Günzburg eine besondere Bedeutung: Denn auf Schloss Jettingen wurde Claus Schenk Graf von Stauffenberg im November 1907 geboren.

Widerstandskämpfer gelingt militärische Karriere

Die älteren Brüder von Claus Schenk Graf von Stauffenberg wählen die Politik und Wissenschaft als Berufsfelder, Claus entscheidet sich für die Offizierslaufbahn in den Fußstapfen des Urgroßvaters August von Gneisenau. Die Brüder wurden in den Idealen der "alten Eliten" und zugleich nach den christlichen Grundsätzen der Nächstenliebe und Bescheidenheit erzogen.

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Gedenkstein in Bamberg

Offizier mit enger familiärer Bindung

Gegenüber seiner Frau Nina äußert Claus von Stauffenberg einmal, er betrachte es als die Gnade seines Lebens, "den besten Freund in meinem Bruder Berthold gefunden zu haben und dem größten Mann meiner Zeit (Stefan George) verbunden zu sein." In dem Dichter Stefan George, zu dessen Zirkel Stauffenberg seit den frühen 20er Jahren gehörte, fand er den Propheten eines "neuen Reiches" (so Georges letztes Buch), gebildet von einer geistig-seelischen Elite.

Anfangs war er Hitler ergeben

Hatte Stauffenberg noch 1932 für Hitler statt für Hindenburg als Reichspräsident plädiert, änderte sich seine Einstellung schrittweise, spätestens jedoch seit 1938. Nach dem Blitzsieg über Frankreich 1940 sagte Stauffenberg über seinen obersten Dienstherrn: "Der Vater dieses Mannes war kein Kleinbürger. Der Vater dieses Mannes ist der Krieg." Eine ungewöhnliche Erkenntnis für einen Militär, noch dazu nach einem überaus gelungenen Feldzug.

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Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Stauffenberg will Zusammenarbeit statt Unterdrückung

Stauffenbergs Kritik an Hitler zielte in zwei Richtungen: Er bemängelte die in seinen Augen dilettantische und verantwortungslose militärische Führung des Krieges durch Hitler und er lehnte die Besatzungspolitik in der Sowjetunion ab, die auf Unterdrückung statt auf Kooperation mit der Bevölkerung setzte. Auch die moralische Verstrickung als Täter belastete den sensiblen Stauffenberg, der im April 1943 bei einem Tieffliegerangriff in Afrika das linke Auge, die rechte Hand und zwei Finger der linken Hand verlor. Nach seiner Genesung wurde Stauffenberg neben Henning von Tresckow zur treibenden Kraft des militärischen Widerstands.

Offizier mit Schuldgefühlen

Die ersten Andeutungen, dass etwas unternommen werden müsse, machte er gegenüber seiner Frau Nina im Frühjahr 1943, als er nach einer schweren Verwundung im Lazarett genas. In den folgenden 15 Monaten steigerten sich die Überlegungen zur Gewissheit: "Es ist Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen“ – das wohl bekannteste Zitat von Claus Graf Schenk von Stauffenberg umreißt den Konflikt, in dem sich der Oberst im Generalstab (so sein letzter Dienstgrad) befand und über den er sich durch seine Tat hinwegsetzte.

Hitler hat nach dem Attentat nur Schrammen

"Diese Detonation war so, als ob eine 15 cm Granate eingeschlagen habe: Da kann kaum noch jemand am Leben sein" – diese Einschätzung Claus von Stauffenbergs erwies sich als falsch. Obwohl der Besprechungsraum in der "Wolfsschanze", einem der Führerhauptquartiere bei Rastenburg (im heutigen Polen), völlig verwüstet wurde und vier der 24 Anwesenden tödlich verletzt wurden, überlebte Hitler mit nur ein paar Schrammen.

Besprechung mit Mussolini rettet Hitler

Wie schon bei vielen Attentatsversuchen davor, kam der Zufall dem Diktator zu Hilfe. Wegen eines Termins mit Mussolini am Nachmittag ließ Hitler den Besprechungstermin eine halbe Stunde vorverlegen. Da die chemischen Zünder der zwei Ein-Kilogramm-Sprengstoffladungen nur zehn Minuten Spielraum bis zur Explosion gaben, drängte die Zeit. Stauffenberg gibt vor, das Hemd wechseln zu müssen und kann – behindert durch die fehlende Hand – nur einen Zünder scharfmachen. Die zweite Sprengladung nimmt er aus der Tasche. Stauffenberg platziert die Aktentasche in Hitlers Nähe und verlässt unter einem Vorwand den Raum. Kurz vor der Detonation stellt ein Besprechungsteilnehmer die Tasche unter die Vertikalabstützung des schweren Eichentisches, der die Wucht der Explosion stark hemmt, während die Druckwelle durch die geöffneten Fenster entweichen kann.

Chaos nach gescheitertem Anschlag

Stauffenberg gelingt es, aus der Wolfsschanze zu entkommen. Er ist überzeugt von Hitlers Tod und fliegt nach Berlin. Im Berliner Bendlerblock, der Zentrale des politischen Widerstandes, gehen währenddessen unklare und widersprüchliche Meldungen ein: Ist der Anschlag geglückt? Was ist mit Stauffenberg? Lebt Hitler? Wichtige Zeit verrinnt, während alle Beteiligten unsicher sind und sich abwartend oder unüberlegt verhalten. Die geplanten Sofortmaßnahmen kommen nicht zustande. Nach stundenlangen Diskussionen, fehlgeleiteten Telegrammen, chaotischen Telefonaten und sogar Schusswechseln erkennt der in das Attentat eingeweihte Generaloberst Friedrich Fromm die Ausweglosigkeit, schwenkt um und lässt fünf der sechs Hauptakteure - darunter auch Stauffenberg - kurz nach Mitternacht erschießen.

Terror und Verhaftungen

Der Umsturzversuch gilt als letzte große innenpolitische Zäsur des NS-Regimes. Ihm folgt eine Terrorwelle: Bis Mitte September werden 55 Offiziere des Heeres aus der Wehrmacht ausgestoßen (die Voraussetzung dafür, sie vor den Volksgerichtshof zu stellen) und weitere 29 entlassen. 89 Menschen, die mit dem missglückten Attentat in Verbindung gebracht werden, werden im Verlauf des nächsten Jahres ermordet. Nachdem sich das Regime zunächst brüstete, die Drahtzieher dingfest gemacht zu haben, verliefen die Verhaftungen später diskreter: schließlich war es ja angeblich nur "eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich verbrecherischer, dummer Offiziere", die laut Hitlers Radiobotschaft aus der Attentatsnacht den Anschlag verübt hatte.

Tochter Stauffenbergs wird im Gefängnis geboren

Die Angehörigen der Widerstandskämpfer werden in Sippenhaftung genommen, die Kinder in Heime entführt. Nina von Stauffenberg bringt im Januar 1945 ihre Tochter Konstanze in Haft zur Welt.

Jettingen-Scheppach gedenkt dem großen Helden

In der Gemeinde Jettingen-Scheppach wird das Andenken an Stauffenberg hochgehalten – anlässlich seines 75. Todestages vor zwei Jahren gab es einen Staatsempfang. Beim Gedenkakt am Dienstagabend (20.07.) um 18 Uhr darf wegen Corona nur eine begrenzte Personenzahl teilnehmen. Als einer der Gäste wird Stauffenbergs Sohn Franz Schenk Graf von Stauffenberg mit seiner Familie teilnehmen.

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