Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Drei Jahre nach OEZ-Attentat weiter Streit ums Motiv | BR24

© BR

Vor drei Jahren schoss ein 18-Jähriger am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) um sich, ermordete neun Menschen und versetzte eine ganze Stadt in Panik, bevor er sich selbst erschoss. Mit einer Kranzniederlegung erinnert die Stadt an das Attentat.

5
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Drei Jahre nach OEZ-Attentat weiter Streit ums Motiv

Vor drei Jahren schoss ein 18-Jähriger am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) um sich, ermordete neun Menschen und versetzte eine ganze Stadt in Panik, bevor er sich selbst erschoss. Mit einer Kranzniederlegung erinnert die Stadt an das Attentat.

5
Per Mail sharen
Teilen

Die Stadt München erinnert mit einer Kranzniederlegung am Tatort und einem stillen Gedenken offiziell an das Attentat und die Opfer. Um 18 Uhr gibt es vor dem OEZ außerdem eine privat organisierte Gedenkfeier.

Tauziehen um die politische Einordnung der Tat

Derweil geht das Tauziehen um die politische Einordnung der Tat weiter. Acht Jugendliche und eine 45-Jährige Mutter starben durch die Schüsse des Attentäters. Alle Opfer hatten Migrationshintergrund. Zwar hatte der Täter selbst iranische Wurzeln, er hatte sich jedoch im Vorfeld mehrfach rassistisch geäußert, sich als Arier bezeichnet und war mit Hakenkreuzschmierereien und Hitlergruß aufgefallen.

Tat am Jahrestag des rechtsextremistischen Anschlags von Anders Breivik

Noch am Tattag hatte er auf seinem Computer eine Datei angelegt mit dem Namen: "Ich werde jetzt jeden Deutschen Türken auslöschen egal wer." Auch das Datum seiner Tat war bewusst gewählt: Der fünfte Jahrestag der Anschläge des norwegischen Rechtsextremisten Anders Breivik, der 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen ermordete.

Staatsanwaltschaft spricht von Mobbing als Hauptmotiv

Trotzdem wird das Münchner OEZ-Attentat bis heute offiziell nicht als politisch motivierter Anschlag gewertet. Laut Staatsregierung und Staatsanwaltschaft hat die extrem rechte Einstellung des Täters zwar eine Rolle gespielt, sein Hauptmotiv sei jedoch Mobbing gewesen. Drei von der Stadt München beauftragte Gutachter sind dagegen zu dem Ergebnis gekommen, dass die extrem rechte Gesinnung des Täters ausschlaggebend für den Anschlag war.

Rassistische Gewaltfantasien des Täters

Vergangenes Jahr wurde zudem bekannt, dass der Attentäter kurz vor seiner Tat über das Internet rassistische Gewaltfantasien mit einem 21-Jährigen US-Amerikaner ausgetauscht hatte. Dieser ermordete im Dezember 2017 selbst zwei junge mexikanische Studierende. Angesichts dieser neuen Erkenntnisse forderte die Landtags-SPD vor mehr als einem Jahr von der Staatsregierung eine Neueinschätzung des OEZ-Attentats.

Bericht des Innenministeriums steht noch aus

Der Bericht des Innenministeriums war eigentlich für Anfang Juli erwartet worden. Wie das Ministerium auf Anfrage des BR mitteilte, ist die Stellungnahme noch in Arbeit, steht aber kurz vor dem Abschluss. Anlässlich des 3. Jahrestages des Anschlags fordern auch die Landtags-Grünen, den Anschlag als rassistisch motiviert anzuerkennen und als politisch motivierte Kriminalität von rechts in die Kriminalstatistik aufzunehmen.

"Der Täter und damit der Amoklauf waren rechtextremistisch und rassistisch motiviert." Katharina Schulze, Fraktions-Vorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag

Eine korrekte Einordnung solcher Taten sei ebenso wichtig für die Hinterbliebenen wie auch für die Öffentlichkeit, damit die richtigen Konsequenzen für die Zukunft gezogen werden können, so die Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag.

© BR

Am 22. Juli 2016 ermordete der 18-Jährige Schüler David S., acht Jugendliche und eine 45 Jahre alte Mutter, bevor er sich selbst das leben nahm. Auch drei Jahre nach der Tat ist die Trauer noch groß.