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Gedenken an NS-Opfer: Demnig verlegt 32 Stolpersteine in München | BR24

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Der Künstler Gunther Demnig verlegte zusammen mit der Initiative Stolpersteine für München e.V. 32 mit gravierten Messingplatten versehene Pflastersteine. Seit 1992 gedenkt Demnig so während der Nazi Herrschaft deportierten und ermordeten Menschen.

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Gedenken an NS-Opfer: Demnig verlegt 32 Stolpersteine in München

Der Künstler Gunther Demnig verlegte zusammen mit der Initiative Stolpersteine für München e.V. 32 mit gravierten Messingplatten versehene Pflastersteine. Seit 1992 gedenkt Demnig so während der Nazi-Herrschaft deportierten und ermordeten Menschen.

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Als Margareta Flygt ein Kind war, da hat sie es als Deutsche in Schweden nicht immer leicht gehabt.

"In Schweden ist man oft als Deutsche als Nazi angesehen worden, als ich klein war. Es war viel leichter, einen jüdischen Verwandten zu haben wie Toni Braun." Margareta Flygt

Später begann sie sich mit seiner Geschichte zu beschäftigen. Toni Braun war der Cousin ihrer Mutter, 1940 vergast von den Nazis, weil er psychisch krank war. Eine Zeitlang hatte er in München gelebt, und als jetzt für ihn ein Stolperstein verlegt wurde, ist Margaretha Flygt extra aus Malmö angereist.

"Das freut mich natürlich sehr! Und ich finde, wichtig ist auch, die Stolpersteine als Mahnung zu haben, damit wir uns daran erinnern, wie wir miteinander heute umgehen - nicht nur, was einmal war. Aber auch die Menschen nicht nur als anonyme Masse zu sehen, sondern dass jeder einen eigenen Namen hat. Ich würde mir wünschen, dass alle Opfer in München einen Stolperstein bekommen würden." Margareta Flygt

Gunter Demnig hat 32 Stoplersteine in München verlegt

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber heute hat München zumindest 32 neue Stolpersteine bekommen. Alle persönlich verlegt von Künstler Gunter Demnig. Sieben Stunden lang ist er mit einem Transporter durch München gefahren, hat immer wieder Hammer, Mörtel, Maurerkelle und sonstiges Werkzeug ausgeladen, normale Steine aus dem Boden gehebelt, Stolpersteine eingesetzt. Wieder einmal. Aber Routine wird so etwas nie, sagt Gunter Demnig.

"Das Einsetzen selber, das kann ich zur Not im Dunklen, aber was dahinter steht, ist immer wieder anders. Es ist oftmals immer wieder nochmals eine Beklemmung - und vor allem, wenn es Familienschicksale sind. Wenn man dann liest, die Mutter mit ihren beiden Töchtern - in Auschwitz angekommen - sofort ins Gas. Die beiden Männer mussten noch arbeiten, bis sie eben vernichtet durch Arbeit waren." Gunter Demnig

Israelitische Kultusgemeinde und Stadtrat lehnten Stolpersteine ab

Auf jedem der Steine ist eine goldene Messingplatte mit Inschrift – Name, Geburtstage, Todestag. Und alle sind auf privatem Grund verlegt. Denn: Die Aktion ist in München durchaus umstritten. Die Israelitische Kultusgemeinde und der Stadtrat lehnen sie ab. Mit Stolpersteinen werde der Opfer im Straßendreck gedacht, so die Kritik, Und: man trample gewissermaßen auf den Namen herum. In München gibt es deshalb alternativ Wandtafeln und Stelen geben. Demnig kann die Diskussion nicht nachvollziehen.

"Denn es sind doch sehr, sehr viele Angehörige, die einfach sagen: Wir möchten diese Steine. Weil für die haben die Steine die Bedeutung, wenn man den Stein lesen will, muss man eine Verbeugung vor dem Opfer machen." Gunter Demnig

In der Münchner Watherstraße meldeten sich die Hausbesitzer von selbst

Auf Privatgrund gibt es inzwischen 90 Stolpersteine. Immer öfter melden sich Hauseigentümer von selbst. So wie in der Waltherstraße. Dort haben Nanette Neuburger, Karl Levi, Lieselotte Levi und Else Levi gelebt, bis sie deportiert wurden, wie Sophie von Boeckmann heute weiß.

Wir wissen alle, dass die jüdischen Mitbürger deportiert wurden. Aber wenn man dann genau weiß, der hat im zweiten Stock gewohnt - die Familie hat hier gelebt, das macht schon betroffen. Also wir waren schon sehr bedrückt." Sophie von Boeckmann

Stolpersteine erzählen die Geschichte der Häuser und Bewohner

Als heute die Stolpersteine verlegt wurden, kamen auch Nachbarn von gegenüber – auch sie wollen jetzt mehr über die Geschichte ihres Hauses und der Bewohner herausfinden. Und auch der Einsatz der Initiative „Stolpersteine für München“ geht weiter.

"Ich werde mich den Rest meines hoffentlich langen Lebens dafür einsetzen, dass es die Stolpersteine auch weiterhin in München gibt, wo es mittlerweile 90 gibt, an 28 Standorten." Terry Swartzberg
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Der Künstler Gunter Deming verlegt auf privatem Grund in München 32 neue Stolpersteine. Wir begleiten ihn und erzählen, warum den Eigentümern die Stolpersteine auf ihrem Grund wichtig sind. Auf öffentlichem Boden sind sie ja in München verboten.