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Gedenkbuch für die Euthanasie-Opfer in Kaufbeuren | BR24

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Zwischen 1940 und 1945 wurden in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren Tausende geistig und körperlich behinderte Menschen zum Opfer der Euthanasie der Nazis. An sie und ihre Leidensgeschichte soll nun ein Gedenkbuch erinnern.

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Gedenkbuch für die Euthanasie-Opfer in Kaufbeuren

Zwischen 1940 und 1945 wurden in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren Tausende geistig und körperlich behinderte Menschen zum Opfer der Euthanasie der Nazis. An sie und ihre Leidensgeschichte soll nun ein Gedenkbuch erinnern.

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Von
  • Rupert Waldmüller
  • Veronika Scheidl

Im Archiv des Kaufbeurer Bezirkskrankenhauses wurde es am Freitag vorgestellt: Das Gedenkbuch für die Opfer der "Euthanasie" der Nazis in Kaufbeuren. Mindestens 2.650 geistig und körperlich behinderte Menschen fanden in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee zwischen 1940 und 1945 den Tod. An die aus Kaufbeuren stammenden Opfer soll das Buch erinnern.

Arbeitsgruppe wertet Patientenakten aus

Die Schicksale und Leidenswege von 21 Patienten hat eine Arbeitsgruppe, bestehend aus dem früheren ärztlichen Direktor des Bezirkskrankenhauses Michael von Cranach, der Leiterin des Kaufbeurer Stadtmuseums Petra Weber und der wissenschaftlichen Betreuerin des historischen Archivs des BKH Petra Schweizer-Martinschek, erforscht. Gemeinsam haben sie nach Angehörigen der Euthanasie-Opfer gesucht und Patientenakten ausgewertet.

Einblick in die dunkle Geschichte der NS-Zeit

In dem Gedenkbuch werden nun die Opfer erstmals alle namentlich genannt und ihre Lebens- und Leidensgeschichten erzählt. Außerdem gibt das Werk einen Einblick in die Zusammenhänge und die dunkle Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren während der NS-Zeit.

Gedenkbuch würdigt die Euthanasie-Opfer

Mit dem Gedenkbuch wollen die Autoren die aus Kaufbeuren stammenden Opfer der Euthanasie würdigen und ins kollektive Gedächtnis der Stadt zurückholen. Das Projekt ist entstanden im Zusammenhang mit der Ausstellung "Kaufbeuren unterm Hakenkreuz", bei der sich das Stadtmuseum intensiv mit der NS-Zeit in Kaufbeuren auseinandergesetzt hat.

Tausende behinderte Menschen wurden getötet

Mindestens 2.650 Patienten wurden in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren zum Opfer der Euthanasie der Nazis: Die geistig und körperlich behinderten Menschen wurden in Vernichtungsanstalten deportiert, in der Klinik mit Medikamenten getötet oder starben an der von Ärzten verordneten "Hungerkost".

Euthanasie war lange ein Tabu-Thema

Jahrzehntelang wurde dieses dunkle Kapitel der Geschichte des heutigen Bezirkskrankenhauses totgeschwiegen. Erst in den 1980er Jahren begann unter dem damaligen ärztlichen Direktor Michael von Cranach die Aufarbeitung der Verbrechen während der Nazizeit.

In den Familien der Opfer wurde das Thema häufig tabuisiert. Deshalb trägt das neue Gedenkbuch den Titel "Später wurde in der Familie darüber nicht gesprochen". Herausgeber des Werks sind der Bezirk Schwaben, die Bezirkskliniken Schwaben und die Stadt Kaufbeuren.

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