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Geburtstag einer friedlichen Revolution in Mödlareuth | BR24

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Am Tag der Deutschen Einheit haben Tausende Menschen das Dorf Mödlareuth besucht. Bis zur Wiedervereinigung verlief die Mauer mitten durch den Ortskern. Familien und Freunde wurde Jahrzehnt getrennt. Die Amerikaner nannten den Ort "Little Berlin".

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Geburtstag einer friedlichen Revolution in Mödlareuth

Noch vor 30 Jahren stand im 50-Einwohner-Dorf Mödlareuth eine meterhohe Mauer, heute ist es ein Symbol für die deutsche Teilung und Wiedervereinigung. Jedes Jahr pilgern Menschen am 3. Oktober hierher, um sich daran zu erinnern.

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Der Tannbach ist nur 20 oder 30 Zentimeter breit – und doch trennte dieser unscheinbare Bach jahrzehntelang nicht nur Familien und Freunde in Mödlareuth, sondern ganz Deutschland. Er teilte Europa in zwei Blöcke. Denn entlang des Bachs stand eine meterhohe Mauer, die das Dorf, das genau entlang der Grenze zwischen Bayern und Thüringen steht, trennte.

Erinnerungen am Originalschauplatz

Reste der Grenzmauer stehen in dem kleinen bayerisch-thüringischen Dorf Mödlareuth bei Hof immer noch. Und zwar ganz bewusst am Originalschauplatz, als Herzstück des bundesweit einzigartigen Deutsch-Deutschen Museums. Zum Einheits-Feiertag reisen bewusst viele aus Ost und West ins kleine Dorf.

"Ich hab's ja quasi als junger Mensch miterlebt, dass Deutschland geteilt war. Und dann die Grenzöffnung, die ganzen Anlagen. Das ist schon irgendwie ein merkwürdiges Gefühl." Besucher in Mödlareuth

Ein Ort für Familien

Auffallend viele Familien sind da. "Dass die Kinder wissen, was eigentlich mal gewesen ist und dass sie heute die Freiheit genießen können", sagt eine Besucherin. Ob zehn Jahre alt oder 31: Die jungen Leute, die im vereinten Deutschland aufgewachsen sind, stehen mit ungläubigen Augen vor den umfangreichen Grenzanlagen. Sie bilden das Herzstück des Deutsch-Deutschen Museums in Mödlareuth.

Aufräumen mit der Stasi-Zeit

Die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen bietet immer am 3. Oktober einen kostenlosen Beratungstag im Museum. Damit bietet sich in Mödlareuth als einziger Ort in Bayern regelmäßig die Gelegenheit, ganz unkompliziert Akteneinsicht zu beantragen. Und das nutzen immer mehr Menschen aus Thüringen, Sachsen und auch Bayern, so Caren Masuput von der Außenstelle Gera.

"Also ich hatte heute wirklich mehrere sitzen, die gesagt haben: Ich hab's schon so lange vorgehabt, heute mach ich's – nach 30 Jahren." Caren Masuput, Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen

Neubau für die Vergangenheit

Der Einheits-Feiertag ist einer der besucherstärksten Tage des Deutsch-Deutschen Museums. Nun soll am Rande des 50-Einwohner-Dorfs ein Neubau entstehen.

"Wir hatten Anfang der 90er-Jahre begonnen mit 20.000 bis 30.000 Besuchern jährlich. Mittlerweile haben wir durchschnittlich 70.000 bis 80.000 Besucher. Bei runden Jahrestagen kann es schon Richtung 90.000 bis 100.000 Besucher gehen. Und die ganze museale Infrastruktur muss darauf geändert werden." Robert Lebegern, Museumsleiter

Wahlkampf in Mödlareuth

Die Kulisse des geschichtsträchtigen Dorfs nutzen auch die Parteien. Schätzungsweise 150 Zuhörer waren es bei der AfD Thüringen mit Fraktionschef Björn Höcke. Wenige Meter weiter beim traditionellen Deutschlandfest von CSU und CDU waren es mehrere Tausend. Hauptrednerin war CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Und sie sieht noch Herausforderungen.

"Vor uns liegt das Thema Einheit. Deutschland ist ein sehr vielfältiges Land, aber es gibt uns vor allen Dingen die Aufgabe, dass Menschen – egal wo sie wohnen – die gleiche Lebensqualität haben." Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Parteichefin

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nickt und betont aber auch das Positive.

"Bei all den Problemen, die es vielleicht noch gibt, sollten wir stolz und dankbar sein. Dankbar über eine friedliche Revolution, wie es sie nirgendwo sonst auf der Welt gegeben hat. Und auch auf die ungemeinen Fortschritte, die es gegeben hat. Ich glaube schon, dass es den Menschen heute viel viel besser geht, als woanders auf der Welt oder als es vor zehn oder 20 Jahren war." Markus Söder (CSU), Bayerns Ministerpräsident

Höcke in Mödlareuth

Auch die AfD war zum Tag der Deutschen Einheit in Mödlareuth vertreten. Der thüringische Spitzenkandidat Björn Höcke hielt vor ca. 150 Anhängern eine Rede, in der er seine Sicht der Wende und Wiedervereinigung darlegte. Deutschland heute bezeichnete er als "demokratisch verfassten Gesinnungsstaat" mit unter anderem "politischer Justiz", "Internetzensur"und "halbstaatlichem Antifa-Terror".

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Der Tannbach ist nur 20, 30 Zentimeter breit - und doch trennte dieser unscheinbare Bach jahrzehntelang nicht nur Familien und Freunde in Mödlareuth, sondern ganz Deutschland. Reste der Grenzmauer stehen heute noch hier und erinnern an damals.