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Wer aktuell auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen ist, muss viel Geduld und noch mehr Geld einplanen.

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Gebrauchtwagen-Markt unter Druck

Gebrauchtwagen-Markt unter Druck

Wer aktuell auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen ist, muss Geduld und deutlich mehr Geld mitbringen. Während der Corona-Pandemie wurden weniger Neuwagen gekauft, die nun wiederum auf dem Gebrauchtwagen-Markt fehlen.

Wer aktuell auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen ist, muss Geduld und deutlich mehr Geld mitbringen – und offen für Alterativen sein. Die anhaltenden Lieferkettenprobleme in der Automobilindustrie sorgen bundesweit für den Mangel an Gebrauchtfahrzeugen. Auch in Franken sind Gebrauchtwagen gerade ein knappes Gut.

Deutlich weniger Gebrauchtwagen

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat der Verkauf von Autos an private Halter nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes drastisch abgenommen. Die Zahl der sogenannten Besitzumschreibungen – also der Verkauf eines Autos an einen privaten Halter – belief sich im Jahr 2020 auf 6,66 Millionen Wagen, sank im Jahr 2021 auf 6,31 Millionen Autos und rutschte von Januar bis Oktober dieses Jahres auf 4,68 Millionen ab.

Im Schnitt fehlten damit seit Jahresbeginn monatlich mehr als 58.000 Gebrauchtwagen auf dem deutschen Markt.

Gebrauchte Autos sind bis zu 20 Prozent teurer

Das spürten die Suchenden vor allem im Geldbeutel, so Wolfgang Lieberth, Verkehrsexperte beim ADAC-Nordbayern. Die Preiserhöhungen lägen zwischen zehn und 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020. Wunschmodelle seien sehr schwer zu finden.

Der Verkehrsexperte empfiehlt im BR24-Interview, nach einem Modell einer anderen Baureihe oder Klasse zu schauen: Man werde vielleicht eher fündig, wenn die Suche auch auf weniger beliebte Autos ausgeweitet werde, so Lieberth. Außerdem bekäme der Käufer dieses noch zu einem vernünftigen Preis.

Gebrauchte Autos werden älter

Die aktuell verfügbaren Gebrauchtwagen sind laut dem neuesten TÜV Süd-Report deutlich älter: im Schnitt über zehn Jahre - und mit mehr Mängeln. Gründe hierfür lägen einerseits in der insgesamt verbesserten Sicherheit und Langlebigkeit der Gebrauchten. Die nun wieder zunehmenden Mängel nicht nur der Verschleißteile, seien während des Lockdowns der vergangenen Jahre bei den Routinechecks in den Werkstätten nicht entdeckt worden, geht aus dem Report weiter hervor.

Die alten Gebrauchten dieser Kategorie landen oft bei kleinen, sogenannten "Kiesplatz"-Händlern, wie etwa im Nürnberger Süden. Hier sollte man jedoch niemals alleine den Kauf eines Gebrauchten wagen, vier Augen sähen mehr als zwei, empfiehlt ADAC-Verkehrsexperte Lieberth. Idealerweise habe der Interessent den achtseitigen Gebrauchtwagen-Check des Automobil-Clubs dabei, um sich schon vor Ort ein Bild vom Zustand des Gebrauchten zu machen.

Weniger Neuwagen heißt weniger Gebrauchte

Aber auch seriöse Händler müssen sich inzwischen nach der Decke strecken, um ihre Kunden bedienen zu können. Leasingrückläufer sind beispielsweise das Kerngeschäft von Autohaus Pieper in Nürnberg. Diese Gebrauchten seien Mangelware, schildert der kaufmännische Leiter, Manuel Richter. Aufgrund der Lieferkrise von Chips und Elektronikteilen werden weniger Neufahrzeuge hergestellt, weshalb viele Autofahrer länger in ihren Leasingverträgen verblieben. Dadurch kämen aber auch weniger Leasing- oder Gebrauchtfahrzeuge auf den Markt.

Die Lage sei aktuell sehr angespannt, so Richter. Sein Haus habe den Anspruch, Fahrzeuge bis zu einem Alter von maximal fünf Jahren und einer Laufleistung deutlich unter 100.000 Kilometer anzubieten. Um den Bedarf abzudecken, müsse er der Kundschaft, vor allem Vielfahrern, nun auch Fahrzeuge mit mehr Kilometern auf dem Tacho anbieten, und Fahrzeugtypen, die nicht ganz so gängig seien. Nach Richters Einschätzung werde sich der Gebrauchtwagenmarkt erst langsam erholen, nachdem der Neuwagenabsatz wieder angestiegen ist.

💡 Stichwort: Gebrauchtwagen-Check

Egal ob DEKRA, TÜV oder eine Werkstatt des Vertrauens – ein Gebrauchtwagen-Check macht Sinn, wenn man sich im Grunde schon für das Fahrzeug entschieden hat und von privat oder einem kleinen "Kiesplatz"-Händler kaufen möchte. Beim ADAC kostet der Service rund 100 Euro und dauert gut eine Stunde. So werde, erklärt der Prüfer Florian Kretschmer im BR24-Interview, auf dem Motor eine Sichtprüfung durchgeführt, etwa ob Marderspuren zu sehen sind. Außerdem werden alle notwendigen Flüssigkeiten, wie etwa die Bremsflüssigkeit, geprüft.

Danach nimmt Kretschmer die Karosserie unter die Lupe: Von außen und von innen wird der Gebrauchte auf Unfallschäden, Dellen und Kratzer untersucht. Die Lackdichte spiele dabei eine große Rolle, so der ADAC-Prüfer. Auch das Untere des Wagens wird inspiziert: Achse, Stoßdämpfer, Bremsenprüfung, sichtbare Defekte, Undichtigkeiten – die Liste ist lang.

Der Fehlerspeicher werde ebenfalls ausgelesen, damit dem Käufer nicht alte und nicht behobene Schäden untergejubelt werden können, so der Autospezialist. Die Probefahrt ist der Abschluss der Gebrauchtwagen-Prüfung, da höre er genau hin, ob der Motor beim Fahren Geräusche macht, die nicht sein sollten.

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