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Am 23. April 1516 wurde das Reinheitsgebot verkündet - der Tag steht deshalb im Zeichen des Bieres. Doch die Corona-Krise macht der Branche zu schaffen. In Oberfranken sind die Brauer daher kreativ geworden -mal als Gemeinschaft, mal im Alleingang.

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Gaststätten geschlossen: Brauer bleiben auf ihrem Bier sitzen

Eigentlich ist der Tag des Bieres ein Feiertag für die Brauer in Bayern. Zum Feiern ist ihnen dieses Jahr wegen Corona aber nicht zumute. Der Bierabsatz ist massiv eingebrochen. Die Hoffnung der gesamten Branche richtet sich auf die Außengastronomie.

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Von
  • Richard Padberg

"Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern eine Minute vor zwölf", sagt Georg Rittmayer, Brauer in Hallerndorf im Landkreis Forchheim und Präsident der Privaten Brauereien in Bayern. Er sagt das am Tag des Bieres, dem 23. April, und meint damit die schlechte Lage der Brauer in Bayern. Rund 650 Brauereien gibt es im Freistaat, 450 davon sind in seinem Verband organsiert. Die Probleme sind in allen Regionen im Freistaat gleich. Noch immer sind Gasthöfe und Biergärten wegen Corona geschlossen, viele Volksfeste und Feiern wurden schon abgesagt. Das bedeutet: Vor allem kleinere und mittelgroße Brauereien können kein Fassbier verkaufen, das sonst den größten Teil der Einnahmen bringt.

Flaschenbierverkauf für Brauer weniger rentabel als Fassbierverkauf

Zwar verkaufen viele Brauereien auch Flaschenbier, wirklich rentabel ist das für sie aber nicht. Fassbier bringt mehr Geld in die Kassen. Größere Brauereien, die mehr Bier über den Handel verkaufen, kommen glimpflicher durch die Krise, heißt es von Lothar Ebbertz, dem Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds. Je kleiner die Brauerei, desto wichtiger sei der Absatzweg Gastronomie. Im vergangenen Jahr konnte die heimische Brauwirtschaft mehr als 100 Millionen Maß Bier weniger verkaufen als im Jahr davor. 2021 habe sich der Abwärtstrend sogar noch beschleunigt, so Geschäftsführer Ebbertz.

Brauer hoffen auf Öffnung der Außengastronomie

Die einzige Hoffnung für die Brauer in Bayern ist die schnellstmögliche Öffnung der Außengastronomie mit erprobten Hygienekonzepten. Da sind sich beide Verbandschefs einig. Es gebe keinen vernünftigen Grund, unter Einhaltung notwendiger Abstände und anderer Hygienemaßnahmen der Außengastronomie weiterhin jede Öffnungsperspektive zu verweigern, so Ebbertz. Sollte die Politik in Bund und Land die Brauereien weiter daran hindern, die überlebenswichtigen Umsätze im Gastgewerbe zu generieren, müsse die Politik die Umsatzeinbußen passgenau entschädigen, fordert der Hauptgeschäftsführer des Brauerbunds.

Noch kein Brauereisterben, aber finanzielle Reserven aufgebraucht

Bislang gibt es in Bayern noch kein durch Corona verschuldetes Brauereisterben, heißt es von Ebbertz. Noch nicht. Denn die Reserven vieler Brauereien in Bayern neigen sich dem Ende zu.

Besonders Betriebe, die vor der Pandemie investiert oder neugebaut hätten und jetzt kaum Umsätze machten, könnten ins Wackeln geraten, sagt Georg Rittmayer.

"Ich nehme mehr und mehr Signale auf, dass alteingesessenen Brauereien, die schon den 30-jähirgen Krieg und die Pest überstanden haben, jetzt die Luft ausgeht." Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer Bayerischer Brauerbund.

Viele Bayern entdecken die Brauereien vor Ort neu

Bei allem Anlass zur Klage in der derzeitigen Situation gebe es auch positive Signale, so Ebbertz. Viele Menschen in Bayern entdeckten ihre Brauereien vor Ort neu und kauften dort ihr Bier für zuhause. Die Brauerei werde als Teil lokaler Identität und wertvolles Stück Heimat wahrgenommen. Ebbertz wünscht sich, dass dieser Trend die Krise überdauert.

Internet-Hype um regionales Bier aus Oberfranken

Den Trend zu regionalem Bier erlebt die Metzgerbräu aus Uetzing im Landkreis Lichtenfels momentan jeden Tag. In einer Facebook-Gruppe über fränkisches Bier mit fast 25.000 Mitgliedern ist die kleine Brauerei in den vergangenen Monaten zum heimlichen Star geworden. Bier-Fans fahren zum Teil hunderte Kilometer weit, um das Lager in der Ein-Liter-Bügelverschlussflasche zu kaufen. Zeitweise wurde das Bier schon knapp. Doch die Stammkunden und die neuen Fans wissen, gutes Bier braucht seine Zeit.

© Auf einer Tafel ist das Reinheitsgebot zu lesen, am unteren Ende ein Siegel mit Unterschrift.
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Eigentlich ist der Tag des Bieres ein Feiertag für die Brauer in Bayern. Zum Feiern ist ihnen dieses Jahr wegen Corona aber nicht zumute. Der Bierabsatz ist massiv eingebrochen.

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