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Bildrechte: Max Hofstetter / BR

Wegen Corona fallen die Theatervorstellungen aus. Vielen Tourneetheatern fehlen daher die Gastspiele. Der Kunstausschuss des Bayerischen Landtags beriet heute über mögliche Hilfen.

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Gastspiel ohne Förderung? Die prekäre Lage der Tourneetheater

Sie sind für mittlere Städte das Rückgrat des kulturellen Lebens: die bayerischen Tourneetheater. Sie bringen Inszenierungen in Städte, die sich kein eigenes Theater leisten können. Mit ihrer Lage in Corona-Zeiten hat sich der Landtag beschäftigt.

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Von
  • Jochen Eichner

Die bayerischen Tourneetheater bringen oft preisgekrönte Inszenierungen in Städte, die sich kein eigenes Ensemble leisten können - und sind so das kulturelle Rückgrat kleinerer Städte und Gemeinden. Bislang gab es allerdings kaum staatliche Förderung für sie.

Absagen und keine Einnahmen

Wenn der Theatermacher und Chef des Münchner A-Gon-Theaters, Stefan Zimmermann, auf seinen Tourneeplan schaut, sieht er vor allem eines: die Absagen der vergangenen Monate. Er fürchtet nicht nur um die Zukunft seiner Branche, sondern auch um die Zukunft der Kultur, gerade im ländlichen Raum – schließlich sind viele Theater in mittelgroßen Städten auf die bayerischen Tourneetheater angewiesen. Es gebe eine große Störung, eine große Krise, sagt Zimmermann, der auch Vorsitzender des Theaterverbandes "die Theaterinitiative" ist.

Krisenförderung: Tourneetheater zunächst ausgenommen

Deswegen hat er kurz nach Beginn der Corona-Krise Kontakt zur bayerischen Politik aufgenommen. Denn: staatliche Krisen-Förderung des Freistaates aus dem sogenannten Spielstättenprogramm gab es zwar für Clubbetreiber, Soloselbstständige oder feste Theater. Aber eben nicht für die Theaterensembles, die keine eigene Bühne haben und Woche für Woche durch Bayern ziehen, um in Schweinfurt, Kempten oder Unterhaching Tschechow zu spielen oder Theateraufführungen für Kinder und Jugendliche anzubieten. Zimmermann sagt, die kulturelle Versorgung, die er und seine Kolleginnen und Kollegen leisteten, rücke nun mehr in den Fokus. Allerdings beginne die kulturelle Verarmung bereits. Auch Zimmermanns preisgekrönte eigene Theaterkompagnie A-Gon bekam Anfangs kein Geld vom Freistaat.

Kultur unter dem Radar

Lange Zeit sind die bayerischen Tourneetheater unter dem Radar geflogen, heißt es auch aus dem Bayerischen Kunstministerium – bis zum Beginn der Pandemie. Nun ist auch der Staatsregierung klar: dieser Bereich der bayerischen Kulturlandschaft ist von den Theaterschließungen – vor allem im ländlichen Raum - besonders betroffen.

Fördergelder seit November - aber nicht für alle

Seit November können die bayerischen Gastspieltheater nun Fördergelder des Freistaats aus dem Spielstättenprogramm beantragen. Der Vorsitzende des Wissenschaft- und Kunstausschusses im Bayerischen Landtag, der CSU-Politiker Robert Brannekämper, zeigt sich erleichtert, dass die Staatsregierung die Förderregeln für Gastspieltheater nun noch flexibler gestalten will – auch auf Druck des Kulturausschusses. Er warnte, es wäre fatal, sollten die Tourneetheater, die seit weit über einem Jahr keine Einnahmen erzielten, ihre Finanzmittel völlig aufbrauchen müssen: "Hier würde eine bleibende Lücke im Kulturbereich entstehen", so der CSU-Politiker.

Regelungen werden angepasst

Denn bislang fielen einige bayerische Tourneetheater trotz der Bemühungen des Kulturausschusses durch das Förderraster – Theatermacher gingen bisher leer aus, wenn sie nicht nachweisen konnten, im Jahr vor der Pandemie mindestens 24 Aufführungen auf bayerische Bühnen gebracht zu haben. Diese Regelung soll nun angepasst werden, sagt Brannekämper.

Theaterlandschaft wird sich massiv verändern

Die Grüne Kulturexpertin Susanne Kurz sieht bei der Förderung der bayerischen Theaterszene – gerade im ländlichen Raum – aber weiter Defizite. Die Theaterlandschaft in Bayern werde sich durch die Pandemie massiv verändern. Das betreffe Tourneetheater, aber auch Spielstätten vor Ort sowie freie Theatermacher: "Ich glaube, dass viele viele Kommunen ihre Angebote im Bereich darstellendes Spiel verlieren werden, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern für immer", so Kurz.

Theatermacher bald mit eigener Bühne

Theatermacher Stefan Zimmermann macht weiter – natürlich hofft er darauf, möglichst bald wieder eines seiner Stücke auf einer Bühne in Bayern spielen zu können. Und derzeit arbeitet er noch an einem weiteren Projekt – im historischen Stemmerhof in München eröffnet er ein eigenes Theater. Dann hätte seine Theaterkompagnie auch eine eigene Bühne. Im Herbst soll es losgehen.

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