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Gartenarbeit ist wieder in: Viele Menschen haben die Corona-Zeit genutzt, um den Garten auf Vordermann zu bringen oder den Balkon zu begrünen. Die Augsburger Gartentherapeutin Tine Klink erklärt, warum Grün dem Menschen so gut tut.

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Garteln für die Seele – Wie eine Gartentherapeutin hilft

Gartenarbeit ist wieder in: Viele Menschen haben die Corona-Zeit genutzt, um den Garten auf Vordermann zu bringen oder den Balkon zu begrünen. Die Augsburger Gartentherapeutin Tine Klink erklärt, warum Grün dem Menschen so gut tut.

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Von
  • Barbara Leinfelder

"Das biblische Paradies - es war ein Garten - das sagt schon viel aus. Der Umgang mit Setzlingen und Samen, mit Kräutern, Gemüse und Blume, das alles erdet auch den modernen Menschen auf ganz urtümliche Art und Weise. Vielleicht ist das mit der wichtigste Grund, warum gerade während der Corona-Zeit bei vielen der Wunsch nach einem Stück Gartengrün wächst", sagt die Augsburger Gartentherapeutin Tine Klink.

Gartentherapie – was ist das?

Ein schmaler Kiesweg führt in das kleine grüne Paradies von Tine Klink. Hier hat die Augsburgerin mit den langen weizenblonden Haaren ihren Schrebergarten, gleich am Eingang streckt ein üppiger Borretschstrauch seine blauen Blüten in den Himmel, jede Menge Bienen und Hummeln tummeln sich darum herum. Hinter dem Tor zieht eine Amsel einen Wurm aus dem Boden, eine Zauneidechse verschwindet in einem Steinhaufen. Ein Garten muss Lebensraum sein, sagt die Gartentherapeutin. Wenn sich dort Tiere wohl fühlen, dann geht es auch dem Menschen gut. Ihr Ziel ist es, über die Arbeit im Garten Menschen zu helfen: Als Prävention oder Rehabilitation.

Hilfe für Schlaganfallpatienten und Demenzkranke

Das Spektrum der Gartentherapie ist vielfältig: Schlaganfallpatienten können am Hochbeet die Motorik der Finger verbessern, Demenzkranke reagieren oft auf besondere Düfte von Blumen oder Kräutern und die Arbeit im Garten lässt hypersensible Jugendliche zur Ruhe kommen, sagt Tine Klink.

Die Augsburgerin hat sich über eine einjährige Ausbildung zur Gartentherapeutin weitergebildet. Sie freut sich, dass im Garten oft das Unkonventionelle das Effektivste ist. Mit Menschen etwa, die depressiv sind oder sich wertlos fühlen, geht sie Unkraut zupfen: "Um ein Erfolgserlebnis zu schaffen. Ich kenn das von mir selbst: Wenn ich unglücklich bin, geh ich Giersch rausreißen, da sieht man sofort, was man geschafft hat. Und macht so eine Fläche frei für andere, neue Pflanzen".

Corona weckt die Sehnsucht nach dem Grün

Warum das Gärtnern wegen Corona auch bei Menschen mitten in der Stadt wieder im Kommen ist, sei für sie logisch, meint Tine Klink. Die Leute hätten entdeckt, wie sehr die Gartenarbeit beruhige, wie befriedigend es sei, in der Erde zu wühlen, gerade "mit dem ganzen Homeoffice vor dem Laptop". So ein grüner Garten rühre aber auch etwas Altes, Tiefes im Menschen an, sagt Klink: "Das ist was ganz Ursprüngliches, aus der Zeit, als man sich das Essen noch mit den eigenen Händen erarbeiten musste".

Düfte – der Schlüssel zur Seele des Menschen

Bei ihrer Arbeit setzt die Gartentherapeutin ganz besonders gern auf Duftpflanzen, denn Düfte sind der Schlüssel zur Seele eines Menschen, sagt sie. Der Geruchssinn sei das, was im Alter als Letztes schwinde. Klink nutzt daher gern beispielsweise Pflanzen wie die Schokoladen-Iris oder die Zitronenmelisse bei der Arbeit mit Geriatriepatienten.

Platz ist auf dem kleinsten Balkon der der Fensterbank

Wer selbst gärtnern will, dem rät Tine Klink dazu, erst einmal zu Kräutern zu greifen. Für Oregano, Thymian, Rosmarin oder Ringelblume reiche ein sonniger Balkon oder eine Fensterbank. Wenn die Kräuter blühen dürfen, werden sie laut der Gartenexpertin zudem zur gern besuchten Futterpflanze von Insekten. Die Gartentherapeutin freut sich, dass das Interesse am Garteln wächst. Denn so ein Garten könne auch den modernen Menschen noch viel lehren: "Man lernt Geduld zu haben und Demut vor der Natur und den Wundern, vor diesen verrückten Insekten, vor dem Aufwand, den ein Tier betreibt, um sich fortzupflanzen - vor der Schönheit der Natur einfach".

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