Grundschülerinnen sitzen an einem Tisch in einem Kinderhort und malen und basteln.

Grundschulkinder haben ab dem Schuljahr 2026/27 stufenweise einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Uwe Anspach
    >

    Ganztagsbetreuung: Kann Bayern das stemmen?

    Ganztagsbetreuung: Kann Bayern das stemmen?

    Ab 2026 hat jeder, der eingeschult wird, ein Recht auf Ganztagsbetreuung. Das haben Bund und Länder für die Grundschulen beschlossen. Bayern war bislang schon hinterher. Dabei sind neue Plätze nicht die größte Herausforderung in den kommenden Jahren.

    Wenn es um Ganztagsplätze geht, dann hinkt Bayern hinterher. Rund 55 Prozent der Schüler nutzten laut Kultusministerium im vergangenen Schuljahr eine Form der Ganztagsbetreuung - obwohl die Nachfrage höher ist. Zum Vergleich: In Thüringen, Hamburg und Sachsen sind es zwischen 80 und mehr als 90 Prozent. Wie eine Studie des Deutschen Jugendinstituts zeigt, lag der Bedarf in Bayern auch 2018 schon deutlich höher - bei fast 70 Prozent.

    Ab 2026 Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

    Das hat zur Folge, dass Bayern jetzt aufholen muss. Bundestag und Bundesrat haben beschlossen, dass jeder, der ab 2026 eingeschult wird, einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung hat. Das soll unter anderem Bildung gerechter und Familie und Beruf leichter vereinbar machen.

    Für viele Eltern ist es inzwischen ohne Ganztagsangebot kaum möglich, weiter zu arbeiten – wie zum Beispiel für Simone Völkl. Sie ist Mitglied im Elternbeirat der Grundschule Fahrenzhausen und fordert mehr ausgebildetes Fachpersonal. "Ohne die Mittagsbetreuung könnten mein Mann und ich nicht arbeiten, wenn die Kinder teilweise um viertel nach elf oder um viertel nach zwölf Unterrichtsende haben."

    Angebote reichen derzeit bei weitem nicht aus

    Die Ganztagsbetreuung ihrer Grundschule ist schon jetzt ausgelastet. Rund 75 Prozent aller Schüler dort nutzen sie. Die Schulleitung muss sogar über einen Aufnahmestopp nachdenken. Mit dem Rechtsanspruch müssten laut Schulleiterin Monika Rottenfußer zusätzlich Räume in der Gemeinde genutzt werden. "Wir kriegen sie nicht alle unter. Wir sind jetzt schon an der Grenze. Da muss dringend etwas Neues gebaut werden."

    Fahrenzhausen ist nur eines von vielen Beispielen. Ähnlich ist es in Nürnberg. Auch in der Großstadt ist das Ganztagsangebot heiß begehrt. Hier sind laut Familienamt ebenfalls rund 75 Prozent der Grundschüler im Ganztag. Die Stadt hat ihr Angebot seit 2002 vervierfacht.

    Ministerium rechnet 2026 mit 80 Prozent der Schulkinder

    Trotzdem plant das bayerische Familienministerium ab 2026 nur mit einem Bedarf für 80 Prozent der Schüler, obwohl theoretisch jeder einen Anspruch hätte. Da in den kommenden Jahren die Schülerzahlen weiter wachsen, muss Bayern voraussichtlich mehr als 200.000 neue Plätze schaffen.

    Kritik: Es fehlt das Personal, um die Pläne umzusetzen

    Doch das scheint nicht das einzige Problem zu sein. Gemeindetagspräsident Uwe Brandl von der CSU kritisiert den Bund scharf. "Man verspricht etwas, das man nicht einhalten kann", sagt Brandl. Er moniert fehlendes Fachpersonal, das etwa bei den Hausaufgaben helfen kann. Dazu brauche es pädagogischen Hintergrund. Doch bereits jetzt klafft eine Lücke auf dem Arbeitsmarkt. "Es fehlen allein für die Startphase bundesweit 60.000 Personalstellen", so Gemeindetagspräsident Brandl.

    Ähnlich äußerten sich zuletzt auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband und der Sozialverband AWO, der selbst Ganztagsangebote für bayerische Schüler umsetzt.

    Um den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung bis 2026 zu erfüllen, nennt das bayerische Familienministerium die Bewältigung des Fachkräftemangel als Hauptaufgabe. Allein für das Personal geht das Ministerium von Kosten in Höhe von 787 Millionen Euro aus. Insgesamt werde in den kommenden Jahren mit einem Gesamtbedarf von 1,8 Milliarden Euro gerechnet.

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!