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Gamer-Zitat: Herrmann und Söder widersprechen Seehofer | BR24

© pa/dpa/Matthias Balk

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (re.) und Ministerpräsident Markus Söder im Januar 2019 in der Staatskanzlei

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Gamer-Zitat: Herrmann und Söder widersprechen Seehofer

Bundesinnenminister Seehofer will die Gaming-Szene nach dem rechtsextremistisch motivierten Anschlag von Halle mehr in den Blick nehmen. Sein bayerischer Amtskollege Herrmann und Ministerpräsident Söder warnen nun hingegen vor Pauschalurteilen.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) haben sich skeptisch über die umstrittene Einschätzung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zur Gamer-Szene geäußert. "Wir haben keinerlei Erkenntnisse, dass die Gamer-Szene stärker rechtsradikal unterwandert wäre, als wir das in unserer Gesamtgesellschaft feststellen", erklärte Herrmann am Rande einer CSU-Vorstandssitzung am Montag in München. Herrmann betonte aber auch, dass man jedem konkreten Hinweis nachgehen müsse.

Als Konsequenz aus dem rechtsextremistisch motivierten Terroranschlag von Halle kritisierte Herrmann die Rechtssprechung von Gerichten. Zu häufig würden volksverhetzende Äußerungen mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung hingenommen. "Wir dürfen da nicht mehr zu großzügig sein", sagte Herrmann.

Auch Söder äußert sich positiv über Gamer-Szene

CSU-Chef Söder warnte mit Blick auf Seehofers Gamer-Zitat ebenfalls vor pauschalen Verurteilungen. Er sprach von "vielen, vielen jungen Leuten", die großartige Sachen machten. Zudem sei die Gamer-Szene "ein wichtiger Wirtschaftszweig".

Nach dem Anschlag von Halle hatte Seehofer davor gewarnt, dass Rechtsextreme Gaming-Plattformen für ihre Zwecke missbrauchen. In einem ARD-Interview hatte Seehofer zunächst erklärt: "Das Problem ist sehr hoch. Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamer-Szene." Auch Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer nannte Teile der Szene eine Plattform für Rechtsextremisten, "um sich zu vernetzen und um sich gegenseitig in ihrem Hass zu bestärken, zu messen und zu motivieren. Alles vom Sofa zu Hause aus".

JU: "Gamer fördern statt verfolgen"

Politiker von Grünen, SPD und FDP hatten diese Einschätzungen kritisiert, ebenso viele Nutzer der sozialen Medien. Tenor: Seehofers Aussage greife zu kurz und lenke von den eigentlichen Problemen des Rechtsextremismus ab. Aber auch bei der Union gab es Unmut, schon vor den heutigen Äußerungen von Herrmann und Söder. Die Junge Union verabschiedete bei ihrem Jahrestreffen am Wochenende sogar einen Antrag zur Förderung der Computerspielbranche durch den Bund - und schrieb dazu: "Gamer fördern statt verfolgen".

Der rechtsextreme Attentäter von Halle, der in der vergangenen Woche zwei Menschen erschossen hat, war in der Gamer-Szene unterwegs. Vor dem Terroranschlag hatte er einen Ablaufplan veröffentlicht, der wie die verschriftlichte Version eines Computerspiels wirkt. Die Bluttat selbst hatte er über eine Helmkamera live im Internet übertragen.

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Die Gamerszene sei nicht stärker rechtsradikal unterwandert als die Gesamtgesellschaft, meint Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).