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Gaffer-Schreck Pfeiffer mahnt: "Das ist kein Spiel da draußen" | BR24

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In München äußerte sich heute erstmals der Polizist, der nach einem Unfall gaffende LKW- und PKW-Fahrer aufforderte, sich den Toten anzusehen. Die Polizeigewerkschaft will nun die Popularität nutzen, um noch härter gegen Gaffer vorgehen zu können.

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Gaffer-Schreck Pfeiffer mahnt: "Das ist kein Spiel da draußen"

Diese Aktion machte ihn zum Social-Media-Helden: Der Polizist Stefan Pfeiffer fragte Schaulustige nach einem tödlichen Unfall, ob sie die Leiche sehen wollen. Jetzt äußerte er sich zum Gaffer-Problem – und zum Hype um seine Person.

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110 Verkehrstote hat Stefan Pfeiffer bislang gesehen in seinem Job. Hautnah ist er immer wieder dabei, wenn das Schicksal gnadenlos zuschlägt. Umso mehr schockiert es ihn, wenn diese Schicksalsschläge für vorbeifahrende Autofahrer Unterhaltung sind. Wenn sie ihre Handys zücken, die Toten und Verletzten filmen und die Helfer, die versuchen, Leben zu retten.

Nach einem tödlichen Lkw-Unfall auf der A6 bei Nürnberg platzte Pfeiffer vor einer Woche der Kragen. "Sie wollen tote Menschen sehen? Fotos machen? (...) Schämen sollten Sie sich", sagte der 54-Jährige zu den Gaffern.

Das Video von Pfeiffers Aktion, das ein Polizeikollege aufgenommen hat, erreichte Zehntausende Menschen im Fernsehen und im Internet, nicht nur deutschland-, sondern weltweit. In den Social-Media-Kanälen wurde der Clip sogar im Iran und der Türkei geteilt.

Der Medienhype sei regelrecht über ihn hereingebrochen, habe ihn sogar "etwas geschockt", sagt Pfeiffer, der seit 35 Jahren Polizist ist und seit über elf Jahren bei der Autobahnpolizei - inzwischen Leiter der Verkehrspolizei Feucht.

© News5

Nach einem tödlichen Unfall auf der A6 zwischen Roth und dem Kreuz Nürnberg-Süd hat die Polizei mehrere Gaffer zur Rede gestellt - und mit der Leiche des getöteten Lkw-Fahrers konfrontiert.

Pfeiffer erhofft sich Umdenken bei potenziellen Gaffern

"Wenn wir durch diese Situation letzte Woche - die so nicht geplant war - erreichen, dass Menschen sich Gedanken darüber machen 'wie weit gehen wir beim Filmen vom tragischen Ereignissen', dann wäre aus meiner persönlichen Sicht schon sehr viel getan." Stefan Pfeiffer, Polizist

Pfeiffer bedankt sich für die vielen positiven Reaktionen auf das Video und hofft, dass mehr Menschen es schaffen, in gewissen Situationen ihre Neugier zu zügeln. Allerdings sagt er auch, derartige Aktionen seien eigentlich nichts Neues.

"Wir haben so etwas schon häufiger gemacht. Wir holen Leute, die Schaulust zeigen, immer wieder raus aus dem Schutzraum Auto und konfrontieren sie mit der Anzeige, der Sanktion." Die Reaktion sei immer die gleiche: Wenn die Leute derart den Spiegel vorgehalten bekämen, dann seien sie meist sehr peinlich berührt. "Wir haben noch niemanden erlebt, dem das nicht hochgradig unangenehm war."

Mahnung an Gaffer: "Das ist bittere Realität"

An alle Autofahrer, die Zeuge eines Unfalls werden, appelliert er, an die Opfer und ihre Angehörigen zu denken, bevor sie das Handy zücken. An so einer Unfalllage hingen Schicksale, es gebe Menschen, die um die Getöteten weinen.

"Macht Euch klar: Das ist kein Spiel da draußen. Das ist bittere Realität." Stefan Pfeiffer, Polizist

Pfeiffer wünscht sich Ende des Personenkults

Der Polizist, der in der Oberpfalz lebt, wünscht sich aber auch, dass das Thema "Gaffer" wieder von seiner Person unabhängig und versachlicht wird. Er wolle sich gerne wieder ins Privatleben zurückziehen und "als normaler Polizist arbeiten".

Polizeigewerkschaft fordert: Gaffern das Handy abnehmen

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) will Pfeiffers unverhofften Ruhm jetzt nutzen, um ihren Forderungen nach einem härterem Vorgehen gegen Gaffer mehr Nachdruck zu verleihen. Das Handy als "Tatwerkzeug" solle Autofahrern weggenommen werden, die schwere Unfälle filmen oder fotografieren. "Das würde einen nachhaltigen Eindruck auf die Täter und potenzielle Nachahmer haben", sagt der bayerische Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Nachtigall.

Außerdem müsse das Fotografieren von Toten unter Strafe gestellt werden. Bislang könne laut Paragraf 201a des Strafgesetzbuches nur das Ablichten von lebenden Unfallopfern bestraft werden. Es sei aber wichtig, "dass auch Verstorbene geschützt werden". Die Gewerkschaft forderte, einen entsprechenden Gesetzentwurf, der schon 2018 in den Bundesrat eingebracht worden sei, in die Tat umzusetzen.

Stefan Pfeiffer betont, sein Ziel sei es, die Diskussion zu versachlichen. Einen "Personenkult" um ihn selbst solle es nicht geben. Der Pressereferent der DPolG, Markus Haiß, fügt scherzhaft hinzu, man solle Pfeiffer "nicht zur Greta Thunberg des Kampfes gegen Gaffer" machen.

(mit Material von dpa)