BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR 2021
Bildrechte: BR/ Veronika Scheidl

Der Verband Deutscher Garten-Center fordert, dass Gärtnereien und Gartencenter zum 1. März wieder öffnen dürfen. Eine Online-Petition soll Druck auf die Politik machen - denn für die Betriebe ist die anstehende Frühlingssaison überlebenswichtig.

8
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Gärtnereien und Gartencenter fordern früheres Ende des Lockdowns

Der Verband Deutscher Garten-Center fordert, dass Gärtnereien und Gartencenter zum 1. März wieder öffnen dürfen. Eine Online-Petition soll Druck auf die Politik machen – denn für die Betriebe ist die anstehende Frühlingssaison überlebenswichtig.

8
Per Mail sharen
Von
  • Veronika Scheidl

Andrea Schlegel-Keller blickt sich in ihrem Blumen- und Gärtnereigeschäft direkt am Augsburger Nordfriedhof um – statt frischer Blumen steht hier jetzt nur noch Deko. Denn seit 16. Dezember darf kein Kunde mehr den Laden betreten, Blumen zu präsentieren ist deswegen sinnlos. "Es ist sehr deprimierend, weil ich auf die Kundschaft angewiesen bin. Unsere Kunden sind unser Leben. Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig. Und das ist im Augenblick extrem schwierig", sagt Schlegel-Keller.

Bestellungen per Telefon und über Lieferdienst

Bestellungen sind bei ihr nur noch telefonisch möglich. Die Stammkunden nutzen das, aber die Laufkundschaft ist komplett weggebrochen. Immerhin kooperiert die Gärtnerin schon länger mit zwei Online- Lieferdiensten. Gerade packt Schlegel-Keller eine Online-Bestellung ein, einen bunten Blumenstrauß. "Es sind heute zehn Stück. Das ist in Ordnung, ein guter Durchschnitt für einen Tag, wenn sich der Straußpreis in einer gewissen Höhe bewegt, zwischen 20 bis 30 Euro", sagt die Gärtnerin.

Lockdown zwingt Mitarbeitende in Kurzarbeit

Trotzdem muss Andrea Schlegel-Keller mehr als 60 Prozent Umsatzeinbußen verkraften. Zehn Mitarbeiterinnen arbeiten normalerweise in ihrem Laden, doch sie alle sind in Kurzarbeit. Eingesetzt werden sie spontan und nach Bedarf. Heute packen drei Kolleginnen mit an, denn es gibt etwas mehr zu tun: Blumensträuße binden, Blumengestecke für eine Bestattung herrichten, denn Schlegels Laden kümmert sich auch um Trauerfloristik und Grabpflege.

Online-Petition fordert Öffnung von Gärtnereien

Überbrückungshilfen bekommt sie nicht, sagt Gärtnerin Schlegel-Keller. Und hofft sehr darauf, dass eine Online-Petition, die der Verband Deutscher Garten-Center initiiert hat, etwas bewegen kann und Druck auf die Politik ausübt.

Die Petition will erreichen, dass Gartencenter, Gartenfachmärkte, Gärtnereien, Baumschulen und Pflanzenproduktionsbetriebe wieder öffnen dürfen, spätestens zum 1. März. Denn, so die Begründung: diese Betriebe seien systemrelevant, da Gemüsepflanzen, Kräuter, Obstgehölze und Sämereien verkauft werden. Und Pflanzen seien "lebende Ware" – davon musste in den vergangenen Wochen auch vieles weg geworfen werden, wie schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020.

© BR/ Veronika Scheidl
Bildrechte: BR/ Veronika Scheidl

Das Gartencenter Wörner in Neusäß bei Augsburg wäre normalerweise voller Pflanzen.

Kundeneinbrüche im Gartencenter

Auch im Wörner Gartencenter in Neusäß bei Augsburg hofft man auf eine Öffnung zum 1. März. Bis zu 200 Kunden täglich decken sich hier normalerweise mit Pflanzen oder Gartenbedarf ein. Jetzt rufen höchstens zehn Kunden am Tag an, sagt Betriebsleiter Thomas Haag. "Wirtschaftlich ist es natürlich so, dass Januar und Februar unsere schwächsten Umsatzmonate sind. Aber irgendwo werden die liquiden Mittel halt jetzt sehr, sehr dünn. Und wenn wir das Frühjahrsgeschäft verlieren, dann geht es uns richtig schlecht."

Web-Shop kann Umsatzeinbußen nicht auffangen

Der Großteil der 60 Mitarbeiter ist laut Haag in Kurzarbeit – und irgendwie hält sich das Gartencenter gerade noch über Wasser. Notgedrungen will man demnächst auch einen Web-Shop anbieten – doch retten wird er das Geschäft nicht, sagt Haag.

Darum setzt auch er seine Hoffnungen auf eine baldige Öffnung und unterstützt die Petition: "Wenn wir uns zusammenschließen und mit Stärke auftreten, glaube ich, dass wir als landwirtschaftlicher Betrieb, als Gärtnerinnen und Gärtner, als Gartencenter durchaus etwas bewegen können", sagt der Betriebsleiter.

Pflanzen werden weggeworfen

Das Gartencenter Wörner produziert unter anderem Frühlingsblüher wie Primeln, viele von ihnen blühen gerade in voller Pracht – doch verkauft werden können sie nicht und müssen deswegen bald weggeworfen werden.

Bereits im Dezember zu Beginn des Lockdowns mussten Pflanzen-Kulturen entsorgt werden, erzählt Betriebsleiter Haag, über die vergangenen Wochen seien weitere etlichen Pflanzen dazugekommen. Der Schaden: "Ein mittlerer fünfstelliger Betrag. Und je nachdem, wie lange sich der Lockdown noch hinzieht, werden wir sehr schnell dann bei einem sechsstelligen Betrag sein", sagt Haag.

Er wünscht sich von der Politik endlich eine Perspektive und Rahmenbedingungen, sodass die Gartencenter bald wieder öffnen können. Denn man wolle beweisen, dass das erarbeitete Hygienekonzept mit Abstand halten, wenig Kunden auf der Verkaufsfläche und Einbahnstraßen-Regelung funktioniert.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!