Frieden, Klima, Ernährung: G7-Protest in Garmisch-Partenkirchen

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G7-Protest in Garmisch laut Polizei "weitgehend friedlich"

G7-Protest in Garmisch laut Polizei "weitgehend friedlich"

Beim Protestzug in Garmisch-Partenkirchen gegen das G7-Treffen demonstrierten nach Polizeiangaben am Sonntag rund 900 Personen. Ein Aktivist wurde festgenommen und verletzt, ein Polizist war danach nicht mehr dienstfähig.

Die Kritiker des G7-Gipfels sind am Sonntagnachmittag friedlich in einem großen Protestzug durch Garmisch-Partenkirchen gelaufen. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf rund 800 bis 900, die Organisatoren sprachen hingegen von 2.000. Die Kundgebung wurde von einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften begleitet.

Insgesamt friedliche Stimmung

Die BR24-Reporterinnen und -Reporter berichten von friedlicher und recht lockerer Stimmung auf der Demo. Im Vorfeld des Protestzuges seien entlang der Straßen gefühlt mehr Polizisten zu sehen gewesen als Demonstrierende. Auch viele Familien mit Kindern waren mit dabei. Auch viele Schaulustige aus der Marktgemeinde und der Umgebung hatten sich an der Demonstrationsstrecke eingefunden. Es sei "erfreulich", dass die Teilnehmenden sich nahezu ausschließlich friedlich verhalten hätten, resümiert die Polizei, und die Einsatzkräfte in "nur sehr wenigen Fällen einschreiten musste".

Polizei auf Tuchfühlung mit dem Schwarzen Block

Auch eine Gruppe des sogenannten "Schwarzen Blocks" befand sich unter den Protestierenden. Hier wurde es im Laufe des Protestzugs immer wieder lauter, es stieg bunter Qualm auf und kurzzeitig war die Stimmung gereizt. Die Polizei kritisierte in ihrer Bilanz, dass Personen aus dem "Schwarzen Block" gegen Versammlungsauflagen verstoßen hätten, indem sie Seitentransparente verknoteten und vereinzelt Rauchtöpfe zündeten. Dadurch sei auch der ursprünglich für 13 Uhr geplante Start des Protestzugs verzögert worden. Sechs Personen wurden angezeigt, weil sie gegen das Vermummungsverbot verstoßen haben sollen. Als eine junge Frau und ihr minderjähriger Begleiter bei der Maßnahme Kreislaufprobleme beklagten, seien diese vom Rettungsdienst versorgt worden.

Eine Festnahme

Ein 38-jähriger Mann aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen wurde festgenommen, nachdem er die Versammlung bereits verlassen hatte. Laut Polizei war er deutlich alkoholisiert und hatte die Einsatzkräfte vorher mehrfach beleidigt. Bei der Festnahme soll der 38-Jährige massiven Widerstand geleistet haben. Ein Polizeibeamter wurde dabei so verletzt, dass er anschließend nicht mehr dienstfähig war. Der Mann habe Beamte wiederholt beleidigt und bei seiner Festnahme massiv Widerstand geleistet, teilte die Polizei mit. Dabei sei er auch leicht verletzt worden. Die Beamten kündigten weitere Ermittlungen an.

Der sogenannte Schwarze Block im Protestzug.

Bildrechte: BR/ Martin Breitkopf

Kritik am G7-Format mit unterschiedlichen Schwerpunkten

Inhaltlich legte das Organisationsteam des Protests den Fokus auf mehrere Themen, darunter Frieden, Klimagerechtigkeit, eine global gerechtere Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährungssouveränität.

Demonstrant Günter Haaß aus Oberau, der mit dem Fahrrad zu der Kundgebung gekommen war, war der Ansicht, "dass es sinnvoller gewesen wäre, diesen Gipfel online zu veranstalten, weil da hätte man so viel CO2 einsparen können". Dies gelte nicht nur für die aus aller Welt angereisten Politiker, sondern auch für die vielen Polizisten.

Lisa Poettinger, Sprecherin des Bündnisses Stop G7 Elmau, machte klar, dass es um einen generellen Protest gegen die Idee der G7-Treffen gehe. Die Veranstaltung solle nicht nur woanders stattfinden, es sei ein "imperialistischer Zusammenschluss". Die G7 seien diejenigen, "die am meisten für die Klimazerstörung verantwortlich sind".

Einige der nach Garmisch-Partenkirchen gereisten Demonstranten solidarisierten sich auch speziell mit der von Russland angegriffenen Ukraine. Bei einer Parallelveranstaltung zu dem G7-Protest wurden schwere Waffen für die Ukraine gefordert. "Wenn der letzte ukrainische Soldat fällt, wird Putin zu Ihnen kommen", stand auf einem Banner.

Greenpeace-Aktion auf Deutschlands höchstem Berg

Die Jugendorganisation von Greenpeace legte am Zugspitzplatt, also dort wo sich auch der Gletscher der Zugspitze befindet, ein Banner aus und formte zwei "Menschenbilder" auf einem Schneefeld, ein Windrad und ein Peace-Zeichen.

Zuvor hatten die Aktivistinnen und Aktivisten am Gipfelkreuz der Zugspitze ein Banner ausgerollt. Darauf war zu lesen: "G7: Exit Fossils. Enter Peace". Man wolle damit ein "Botschaft von der Spitze an die Spitze senden. Damit die dort was Vernünftiges entscheiden", wie eine Teilnehmerin sagte. Wegen der Aktion waren auch mehrere Polizeieinheiten und die Bergwacht am Gipfel.

Viele Aktionen rund um den Protestzug

Die Entwicklungsorganisation ONE blies bei einer Protestaktion im historischen Zentrum von Garmisch-Partenkirchen den G7-Staaten "den Marsch". Nach einer kurzen Rede begann eine Hornspielerin den Marsch, umringt von Demonstrierenden mit Masken mit Gesichtern der G7 Staats- und Regierungschefs. ONE fordert die G7-Staaten auf, Antworten auf globale Krisen wie Pandemien, Klima und Hunger zu finden. Am Samstag projizierten sie diese Forderungen bereits auf die Skisprungschanze von Garmisch-Partenkirchen

In Mittenwald demonstrierten 150 Menschen gegen den Bürgerkrieg in Nordäthiopien, laut Polizei überwiegend Angehörige der Volksgruppe der Tigray. Sie fordern von den G7-Staaten, den Genozid an den Tigray zu stoppen.

Mobilisierung geringer als 2015

Aus München waren sieben von der Polizei begleiteten Reisebusse mit Demonstranten in Garmisch-Partenkirchen angekommen. Organisator Franz Haslbeck hatte zunächst noch damit gerechnet, dass die Zahl der Teilnehmenden auf bis zu 2.000 ansteigen würde, räumte allerdings ein: "Es ist auf jeden Fall weniger Mobilisierung zu erkennen als vor sieben Jahren." Im Jahr 2015 hatten sich in der Marktgemeinde rund 3.600 Menschen dem Protestzug angeschlossen.

Demonstranten in Garmisch-Partenkirchen schwenken Fahnen und halten Plakate hoch.

Bildrechte: picture alliance/dpa | Daniel Vogl

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