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Schausteller wären jetzt eigentlich kurz vor dem Start in die Saison. Doch daraus wird nichts. Schon im zweiten Jahr hintereinander. Was macht das mit einer Familie, die seit Jahrhunderten auf den Festen dieser Welt zu Hause ist?

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Schausteller-Familie klagt: Selbst nach Krieg mehr Perspektive

Der langsame Weg aus dem Lockdown bietet Schaustellern keine Perspektive und keine Konzepte. Die Enttäuschung in der Branche ist daher groß. In dem ganzen Regelwerk kommen wir nicht einmal vor, klagt die Schaustellerfamilie Drliczek aus Fürth.

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Von
  • Frank Strerath

Die Ergebnisse der Ministerkonferenz sind aus Sicht der Schaustellerfamilie Drliczek aus Fürth ernüchternd. "Unsere Großeltern, die Generation, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder anfing, sagt, damals hatten sie mehr Perspektiven als wir heute. Sie konnten damals wenigsten wieder loslegen", sagt Alexandra Drliczek. Die Pandemie ist die größte Herausforderung für die Schaustellerfamilie seit Jahrzehnten.

Seit 170 Jahren unterwegs

Die Drliczeks betreiben das Riesenrad auf der Fürther Michaeliskirchweih und das Kettenkarussell Volare. Norbert und Michael Drliczek führen zwei Familienunternehmen. Die Familie ihrer Mutter, die Michels, haben in Fürth das erste Riesenrad aufgestellt. Die väterliche Linie stammt aus Böhmen und fand in Franken einen neue Heimat. Sie blicken auf mindestens sieben Generationen von Schaustellern zurück. Waren unterwegs mit einer Tier-Menagerie mit Schlangen, mit Fotografierstube und Fahrgeschäften. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts stellten sie das erste Riesenrad in Fürth auf. Die Drliczeks sind sozusagen eine kleine Schausteller-Dynastie.

© Familie Drliczek, Fürth
Bildrechte: Familie Drliczek, Fürth

Fotografie-Salon der Familie Drliczek.

Familientradition in Gefahr

Ob die Familie dieses Jahr noch auf die Märkte kann, steht in den Sternen. Aktuell zehren die Familienmitglieder von ihren Rücklagen. Anderen Schaustellern geht derweil trotz Staatshilfen die Luft aus. Bei den Drliczeks sollte die Schaustellerei auch in der nächsten Generation weitergehen. Sohn Kai schloss 2017 sein Studium der Sportökonomie ab, entschied sich dann aber für den Familienbetrieb. Deshalb investierten die Drliczeks noch einmal eine Million Euro ins Geschäft und kauften das Kettenkarussell Volare. Die Bank unterstützte die Pläne und zog mit. Zwei Jahre lang lief das Geschäft gut, der bunt leuchtende Drehturm war schnell ein Hingucker auf den Volksfesten.

© Familie Drliczek, Fürth
Bildrechte: Familie Drliczek, Fürth

Das bunte Riesenrad "Volare" haben die Drliczeks vor zwei Jahren angeschafft.

Vollbremsung wegen Lockdown

Doch dann kam die Pandemie und der erste Lockdown, dann der nächste. Der Frust sitzt tief, vor allem bei Kai Drliczek. Er sagt, er sei mehrmals von der Politik enttäuscht worden, und doch gibt es bisher keine Lösung für den Schaustellerbetrieb. Erst kamen die Masken, dann die Tests, und nun sollen die Impfungen einen Ausweg aufzeigen.

"Das nagt an einem. Hätte man vielleicht doch etwas anderes machen sollen? Ich will eigentlich gar nichts anderes machen, will ja meinen Beruf und die Tradition fortsetzen. Aber es geht einfach nicht, und es gibt auch gar keinen Ausblick, dass das irgendwann wieder gehen würde oder wann es gehen würde, und das macht einen einfach fertig." Kai Drliczek, Schausteller

Mittlerweile zerrt die Zwangspause an den Nerven. Viele Schausteller stehen vor dem Bankrott – trotz Staatshilfen.

Fahrgeschäfte ruhen im Lager

In der Lagerhalle in Fürth stehen Laster und Tieflader vollgepackt mit Einzelteilen der Fahrgeschäfte, neben ihnen der Familienwohnwagen. Normalerweise ist dieser für ein halbes Jahr das fahrende Zuhause der Drliczeks. Im Winter warteten sie ihre Fahrgeräte, doch jetzt ist einfach nichts mehr zu tun. Was ihnen bleibt, ist Hoffnung auf die nächste Ministerpräsidenten-Konferenz in drei Wochen und dass Impfungen endlich einen Durchbruch bringen. Nichts wünscht sich die Schaustellerfamilie mehr, als dass das Warten endlich ein Ende hat und sie mit Riesenrad und Volare endlich wieder Menschen fliegen lassen können.

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