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Fürstenstein: Geplantes Mahnmal für KZ-Opfer sorgt für Ärger | BR24

© Bayern 1

Ein in Fürstenstein geplantes Mahnmal sorgt für Zündstoff: Damit sollte an die 800 KZ-Häftlinge erinnert werden, die 1945 in Nammering starben. Einige Bürger sind gegen das Mahnmal, ein Facebook-Eintrag eines AfD-Politikers verursacht Ärger.

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Fürstenstein: Geplantes Mahnmal für KZ-Opfer sorgt für Ärger

Ein in Fürstenstein geplantes Mahnmal sorgt für Zündstoff: Damit sollte an die 800 KZ-Häftlinge erinnert werden, die 1945 in Nammering starben. Einige Bürger sind gegen das Mahnmal, ein Facebook-Eintrag eines AfD-Politikers verursacht Ärger.

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Ein in Fürstenstein (Lkr. Passau) geplantes Mahnmal sorgt für Zündstoff. Der Künstler Reinhard Mader wollte mit einem spektakulären Kunstwerk an knapp 800 KZ-Häftlinge erinnern, die im April 1945 in Nammering zu Tode gekommen sind. Nachdem sich einige Bürger gegen das Mahnmal ausgesprochen hatten, gab der Künstler das Projekt auf. Zudem hat der Facebook-Eintrag eines AfD-Politikers Ärger verursacht.

Die 794 Granitstelen mit Glasaugen seien als Zeichen des Friedens, der Versöhnung und als würdiges Denkmal gedacht gewesen, habe aber stattdessen Zwiespalt hervorgerufen, so der Künstler des geplanten Mahnmals, Reinhard Mader, im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Mahnmal erinnern Bürger an "Monstersäulen"

Nammeringer Bürger hatten die Granitstelen unter anderem als "Monstersäulen" und "gruselig" kritisiert.

"So ein Denkmal muss Gänsehaut verursachen. Eine steinerne Gedenktafel reicht da sicher nicht aus." Künstler Reinhard Mader

Bürgermeister Stephan Gawlik (CSU) bedauert die Entwicklung.

"Die Granitstelen wären ein interessanter Ansatz gewesen, brauchen aber die Zustimmung in der ganzen Gemeinde. Ein Mahnmal in der Dimension wird es sicher nicht mehr geben." Bürgermeister Stephan Gawlik
© Reinhard Mader

794 Granitstelen sollen mit Glasaugen versehen werden - die Bürger finden das Kunstwerk "gruselig"

Facebook-Post eines AfD-Abgeordneten sorgt für Empörung

Es gibt auch ein politisches Nachspiel: Toni Schuberl, Landtagsabgeordneter der Grünen, empört sich über einen Facebook-Eintrag des AfD-Abgeordneten Ralf Stadler. Stadler hatte in einem Eintrag geschrieben:

"Man muss die Vergangenheit auch mal ruhen lassen. Nicht jeder Vorfall der Geschichte bedarf eines Mahnmals." Ralf Stadler auf Facebook

Die Haltung der Bürger gegen das Kunstwerk bezeichnete Stadler als "vorbildlich". Schuberl erklärte dazu, die Nammeringer hätten es nicht verdient, dass ihre berechtigte Diskussion über die Art und Weise des Gedenkens von einem Rechtsradikalen instrumentalisiert werde.

"Wer nach der Vogelschiss-Debatte in der AfD das größte Naziverbrechen Niederbayerns mit 794 Ermordeten als einen normalen Vorfall in der Geschichte verharmlost und jegliches Gedenken hierfür ablehnt, tut dies vorsätzlich." Grünen-Landtagsabgeordneter Toni Schuberl

Der Künstler Reinhard Mader selbst sagte zu dem umstrittenen Post: "Da fehlen mir die Worte. Unglaublich."

Facebookeintrag gelöscht, um Fehlinterpretationen zu vermeiden

Den umstrittenen Post hat Stadler wieder gelöscht, um Missverständnissen und gezielten Fehlinterpretationen vorzubeugen, so der Afd-Politiker in einer Mitteilung an den Bayerischen Rundfunk. Er habe lediglich darauf hingewiesen, dass sich die Bürger gegen ein überdimensioniertes Kunstobjekt an dieser Stelle ausgesprochen hätten.

"Ich habe mich nicht gegen das Gedenken an den KZ-Transport und die unfassbaren Verbrechen von damals ausgesprochen. Es ist gut und richtig, dass es bereits ein Mahnmal gibt. Aus meiner Sicht reicht dieses auch aus und offenbar sieht das ein Großteil der Bevölkerung genauso." AfD-Abgeordneter Ralf Stadler