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Wohnungslos in München | BR24

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Immer Menschen in München, darunter 1.700 Kinder, sind wohnungslos. Bei ihren Recherchen hat Birgit Grundner festgestellt: Es kann jeden treffen.

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Wohnungslos in München

Wer die 55-jährige Irén im modischen Rock und mit akkuratem Kurzhaarschnitt sieht, käme nie auf die Idee, dass sie keine Wohnung hat. Jeden Tag muss sie schauen, dass sie ein Bett bekommt. Wie Irén sind immer mehr Menschen wohnungslos.

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Irén stammt aus Ungarn und hat einen festen Job als Putzhilfe in einem Münchner Hotel. Aber für eigene vier Wände reicht ihr Lohn nicht. Ab 17 Uhr darf sie in die Bayernkaserne im Münchner Norden, am nächsten Morgen spätestens um 8.45 Uhr muss sie wieder gehen. Ihre Habseligkeiten verwahrt Irén tagsüber in einem Spind am Hauptbahnhof. Das ist teuer. So aber ging es den ganzen Winter über. Und auch jetzt im Frühling und Sommer wird ein Zimmer mit 12 Betten und einer Gemeinschaftsdusche wohl Iréns Ersatz für eine Privatunterkunft sein.

Kälteschutzprogramm ausgeweitet

Das sogenannte Kälteschutzprogramm der Stadt München in der ehemaligen Bayernkaserne, das bislang nur in den Wintermonaten galt, wird erstmalig in der wärmeren Jahreszeit fortgesetzt. Vorerst als Pilotprojekt. Für Irén ist das ein Glück. Denn im vergangenen Sommer ging es ihr viel schlechter, weiß Sozialarbeiterin Katalin Toth, die in der Beratungsstelle des evangelischen Hilfswerks "Schillerstraße 35" wohnungslose Menschen wie die Ungarin berät: "Auf der Straße hat sie übernachtet, im Schlafsack auf einer Isomatte, und ist jeden Tag aufgestanden und hat sich geduscht an einer der Stellen, wo man sich als Wohnungsloser in München saubermachen kann. Dann ist sie zur Arbeit."

1.700 Kinder in München wohnungslos

Ralf Horschmann vom "Münchner Netzwerk Wohnungslosenhilfe" beobachtet, dass das Schicksal der hart arbeitenden Putzkraft Irén angesichts der Münchner Mietpreise längst kein Einzelfall mehr ist: "Das ist eine grundsätzliche Tendenz, die daran zu erkennen ist, dass wir bei 9.000 angekommen sind - davon 1.700 Kinder, die in München wohnungslos sind." Wegen der hohen Mieten trifft Wohnungslosigkeit aber nicht nur arme Zuwanderer, sondern zunehmend auch deutsche Frauen und Männer aus "der Mitte der Gesellschaft", weiß Horschmann.

Alkohol - im Männerwohnheim total tabu

Angebote der "Wohnungslosenhilfe" können immer nur eine Übergangslösung sein. Zum Beispiel ein Platz im Männerwohnheim an der Pilgersheimer Straße. Dort gibt es eine feste Hausordnung, Alkohol ist absolutes Tabu. Dafür haben die Männer etwas Privatheit, sagt der stellvertretende Leiter Hans-Peter Tilliss: "Zwei Schränke, die man absperren kann mit Vorhängeschlössern. Die Schösser haben die Leute selbst dabei. Man kriegt hier frische Bettwäsche und man behält immer dasselbe Bett, man muss sich nur einmal am Tag melden."

179 Betten für fünf Euro pro Nacht

Einer der Männer, die übernachtet haben, kommt gerade über den Gang. Auch ihm sieht man seine schwierige Lage nicht an, er ist äußerlich gepflegt und vor allem froh, dass er nicht auf einer Parkbank oder unter einer Brücke schlafen muss. "Ich war im Krankenstand und hab mich da nicht neu aufstellen können, und hab halt vorübergehend Unterschlupf gesucht. Aber es ist sehr sauber und gepflegt."