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© Hansruedi Weyrich
Bildrechte: Hansruedi Weyrich

Der Bartgeier hat eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern.

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    Für Ramsau: Zoo-Bartgeier sollen fremdes Küken großziehen

    Im Nürnberger Tiergarten gab es bisher keinen Nachwuchs für die Auswilderung im Nationalpark Berchtesgaden. Doch nun soll das Bartgeier-Pärchen ein fremdes Küken aufziehen. Ein Kunststoffei aus dem 3-D-Drucker hält das Vogelpaar in Brutstimmung.

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    Von
    • Theresa Krinninger
    • Christoph Dicke

    Ein Ei ist zerbrochen, beim anderen war der winzige Bartgeier nicht lebensfähig. Bisher hat das Bartgeier-Brutpaar im Nürnberger Zoo keine eigenen Küken großgezogen. Doch das Pärchen soll nun ein Küken aus einem anderen Zoo aufziehen. Dafür bebrütet es in der Zwischenzeit ein künstliches Ei aus dem 3-D-Drucker - eine vorgetäuschte "Schwangerschaft" sozusagen, damit es das später wie frisch geschlüpft wirkende, fremde Küken aufzieht. Ziel: die Auswilderung als Jungtier im Klausbachtal bei Ramsau, nordwestlich vom Watzmann.

    Nur ein Küken kommt durch

    Bartgeier legen in der Regel zwei Eier. Doch das Küken, das als erstes schlüpft, tötet das zweite, indem es das Tier aus dem Nest drängt, das Futter wegschnappt oder auf sein Geschwister einhackt. Denn die Bedingungen in freier Wildbahn sind so extrem, dass die Eltern nur ein Küken durchbringen können. Der sogenannte Kainismus, wenn also das ältere Tier sein Geschwisterchen tötet, kommt bei Bartgeiern nicht nur in der Natur, sondern auch in der Gefangenschaft von Zoos und Zuchtstationen vor.

    Um das zu verhindern, wird eines der zwei in einem anderen Zoo ausgebrüteten Küken dem Nürnberger Paar untergejubelt. "Plötzlich hat das Pärchen statt dem Kunststoff-Ei ein kleines Küken im Nest und ziehen es dann auf", sagt der Biologe Toni Wegscheider vom Auswilderungs-Projekt im Nationalpark Berchtesgaden. Es ist eine bewährte Methode in der Nachzucht.

    Überraschend geringer Bruterfolg

    Im Nürnberger Zoo ist das nun eine Vorsorgemaßnahme, denn die Nachzucht sei diese Brutsaison überraschend schlecht gelaufen. "Es sind einige Küken gestorben, einige erfahrene alte Paare sind ausgefallen und junge Paare, die zum ersten Mal brüten, hatten keinen Bruterfolg", sagt Toni Wegscheider.

    Mehr als 40 Zoos am Aufzuchtproramm beteiligt

    Es sei noch offen, ob die Projektmitarbeiter vom Landesbund für Vogelschutz in Berchtesgaden dieses Jahr noch Jungvögel bekommen. "Wir sind aber optimistisch, dass es klappt", sagt Wegscheider. Er hofft auch auf andere Jungtiere aus dem Aufzuchtprogramm. Insgesamt sind vierzig europäische Zoos beteiligt.

    Erstes Auswilderungsprojekt in Deutschland

    Im Juni sollen zwei bis drei Jungvögel in einer Felsnische im Klausbachtal bei Ramsau nordwestlich vom Watzmann selbstständig fliegen lernen. Da die Brutsaison bald vorbei ist, wird es sich in den nächsten Tagen zeigen, ob die einst ausgerotteten Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden bald ihre ersten Flugversuche starten. Damit würden die imposanten Greifvögel mit knapp drei Metern Spannweite erstmals wieder in Deutschland ausgewildert.

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