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Für Radfahrer ist Bayern ein gefährliches Pflaster | BR24

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70 Tote Radfahrer in einem Jahr: Eine traurige Bilanz für Bayern. Eine Ursache ist die schlechte Infrastruktur mit zu engen oder gar nicht vorhandenen Radwegen. Der Fahrrad-Verband ADFC fordert ein Gesetz - die Chancen dafür steigen nach der Wahl.

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Für Radfahrer ist Bayern ein gefährliches Pflaster

70 Tote Radfahrer in einem Jahr: Eine traurige Bilanz für Bayern. Eine Ursache ist die schlechte Infrastruktur mit zu engen oder gar nicht vorhandenen Radwegen. Der Fahrrad-Verband ADFC fordert ein Gesetz - die Chancen dafür steigen nach der Wahl.

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Weil Städte im Stau ersticken, steigen Pendler um aufs Rad. Zumindest so lange das Wetter hält und der Weg nicht zu weit ist. Doch die Radfahrer leben gefährlich, vor allem im Nahkampf mit den Autofahrern.

"Also es wird rausgeschrien und geschimpft. Und ich bin wirklich ein defensiver Fahrer. Die fahren hinten ganz dicht auf und dann schießen sie an dir vorbei." Stefan Scheirle, Rad-Pendler in München

Einen schweren Unfall hatte der Berufspendler, der jeden Tag 22 Kilometer fährt, auch schon. Wurzeln auf einem schlecht gepflegten und stark befahrenen Radweg wurden ihm zum Verhängnis.

Programm bis 2025: Bayern will Radverkehr verdoppeln

So gesehen ist das Radverkehrsprogramm Bayern 2025 ein wichtiger politischer Akzent. Das Wegenetz für Radfahrer soll stark ausgebaut werden, so dass die Menschen in Bayern 20 Prozent aller Wege mit dem Rad zurücklegen – das wäre eine Verdoppelung zum heutigen Stand.

Der Haken: Es gibt viele Ideen, aber wenig Konkretes. Der Fahrrad-Verband ADFC zweifelt daran, dass bis 2025 viel erreicht wird.

"Momentan ist es so: Jeder Kommune ist es selbst überlassen, ob und wie sie den Radverkehr fördert. Also es hängt dann von der Kassenlage natürlich ab und vom jeweiligen politischen Willen. Aber es gibt keinen Druck." Bernadette Felsch, ADFC Bayern

Kritik: Zehnmal so viel Geld für den Autoverkehr

Statt eines unverbindlichen Radverkehrsprogramms fordert der ADFC ein Fahrrad-Gesetz für Bayern und eine Verdoppelung der Investitionen. Derzeit gibt der Freistaat für den Autoverkehr fast zehnmal so viel aus wie für den Radverkehr. Der ADFC setzt dabei auf die Unterstützung der Freien Wähler, die im Wahlkampf Sympathie für ein eigenes Gesetz gezeigt hatten und als möglicher Regierungspartner der CSU auch die Umsetzung vorantreiben könnten.

Klar ist schon heute: Das geplante Radwegenetz wird bis 2025 nicht fertig sein, sondern nur auf dem Papier stehen. Die zuständige Referatsleiterin im bayerischen Verkehrsministerium Amelie Ganslmeier sagt, es müsse erst ausgehandelt werden, wo genau Wege gebraucht werden und wer dafür zuständig sei – Freistaat oder Kommunen.

Vorgabe: Autoverkehr soll nicht beeinträchtigt werden

Dazu kommt, dass im Radverkehrsprogramm Bayern 2025 explizit steht, dass es „keine restriktiven Maßnahmen geben soll, die beispielsweise die Nutzung des Pkw erschweren“.

Als Vorbild gilt Schwaben mit seinen gut ausgebauten Strecken über die Schwäbische Alb und Augsburgs Potential als Fahrradstadt, wie das Verkehrsministerium betont.

"Augsburg hat den Vorteil: Es ist noch keine Millionenstadt. Und es ist flach." Amelie Ganslmeier, Referatsleiterin Verkehrsministerium

Augsburg: Vorbild oder Negativbeispiel?

Der ADFC in Augsburg sieht die Realität ganz anders. Acht tote Radfahrer innerhalb von zwei Jahren und viele chaotische Verkehrsknotenpunkte - nach den Worten von Arne Schäffler hat sich in den vergangenen Jahren nicht viel verbessert.

"An der Stelle ist ein großes Defizit zwischen dem Soll, dem projizierten und kommunizierten Bild, und der Realität." Arne Schäffler, ADFC Augsburg

Radler und Fußgänger teilen sich viele Wege. Hinzu kommen Trambahnen, Busse und jede Menge Autos. Immer wieder werden Radler vom Weg abgedrängt und Parkplätze sind so dicht an den Radwegen, dass Unfälle wegen unachtsam aufgerissener Türen passieren.

In Augsburg ist im Kleinen das passiert, was auch die Radwegvernetzung auf bayerischer Ebene so erschwert: Man hat von Anfang an beschlossen, dass der Autoverkehr auf keinen Fall eingeschränkt werden soll.