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SKF in Schweinfurt schaltet das riesige beleuchtete Logo am Verwaltungs-Hochhaus nachts aus.

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    Für Klimaschutz: SKF Schweinfurt schaltet Leucht-Logo nachts aus

    SKF in Schweinfurt will ein Zeichen für den Klimaschutz setzen – und schaltet das riesige beleuchtete Logo am Verwaltungs-Hochhaus nachts aus. Die drei blauen Buchstaben gehören seit Jahren zum Stadtbild. Deshalb stößt das Vorhaben auch auf Kritik.

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    Von
    • Christiane Scherm

    Wer auf der A70 an Schweinfurt vorbeifährt, der sieht es kilometerweit, das blaue SKF-Leucht-Logo am Hochhaus. 13 Stockwerke und knapp 50 Meter ist das Verwaltungs-Gebäude hoch. Einzelne Fenster der Glasfront sind blau beleuchtet, die anderen bleiben dunkel – so entstehen die drei Buchstaben. Seit den 1960er-Jahren gehören sie zum Stadtbild von Schweinfurt dazu. Doch das ändert sich bald.

    Leucht-Reklame wird nachts ausgeschaltet

    "Voraussichtlich ab dem 30. Mai machen wir die blaue Beleuchtung in der Zeit zwischen 23.00 Uhr abends und 5.00 Uhr morgens aus. Damit passen wir uns an den Bio-Rhythmus der Menschen und an die Natur an", sagte SKF-Arbeitsdirektor am Standort Schweinfurt Harald Speck gegenüber BR24.

    SKF will Licht-Verschmutzung reduzieren

    Als Hintergrund nannte er das Bayerische Emissionsschutz-Gesetz und das Volksbegehren zum Artenschutz im Jahr 2019. "Es soll vermieden werden, die Natur durch Licht-Verschmutzung zu stören. Auch wenn unser Hochhaus kein öffentliches Gebäude ist, werden wir die Beleuchtung nachts ausschalten", so Speck weiter.

    Blaue Licht-Farbe problematisch für Insekten

    Im Jahr 2014 wurde das Gebäude bereits energetisch saniert und die Beleuchtung wurde auf energiesparende LED-Lampen umgestellt. Doch gerade die Licht-Farbe ist problematisch: Insekten werden vor allem von blauem und weißem Licht angezogen. Sie schwirren so lange um das Licht herum, bis sie sterben. Deshalb ist das neue Licht-Konzept nicht nur ein Zeichen in Sachen Energie sparen – sondern auch in Sachen Insektenschutz, betont Speck.

    Licht aus, Strom gespart

    Das Ziel des schwedischen Wälzlager-Herstellers SKF: Bis 2030 komplett klimaneutral werden. Mit dem Abschalten der Beleuchtung spart das schwedische Unternehmen pro Jahr 20.000 Kilowatt-Stunden Strom – das entspricht der Menge, die fünf Privat-Haushalte brauchen.

    Viele Mitarbeiter kritisieren das neue Licht-Konzept

    Dieses neue Licht-Konzept kommt allerdings bei den 4.000 Mitarbeitern am Hauptsitz in Schweinfurt nicht überall gut an. "Ich finde die Idee nicht gut. Da müsste man in Schweinfurt jede Straßenlaterne ausschalten und die Stadt verdunkeln. Klimaschutz und Umweltschutz ist wichtig, aber man muss da Grenzen ziehen", sagte Christine Gebhardt-Golub vom Empfang im Hochhaus dem BR. Auch in einer internen Facebook-Gruppe von SKF wird das Thema aktuell heiß diskutiert.

    Schweinfurter: "Das Logo ist ein Stück Heimat"

    Für die Schweinfurter Bevölkerung könnte es ebenfalls ein Aufreger werden. Die drei blauen Buchstaben gehören bereits seit den 1960er-Jahren zum Stadtbild dazu und viele Menschen haben eine emotionale Bindung dazu. "Wenn man an der Autobahn an Schweinfurt vorbeifährt, sieht man das Logo. Das ist ein Stück Heimat für mich. Wenigstens ist SKF noch als Groß-Industrie erhalten geblieben", so ein Schweinfurter. "Ich bin damit aufgewachsen und sogar ein bisschen stolz darauf. Schweinfurt ist ja eigentlich ein Kaff. Mit Sachs, Kugelfischer und SKF hat sich die Stadt einen Namen gemacht", so ein weiterer Passant.

    Auch Kritik am leuchtenden Logo aus der Bevölkerung

    Aber es gibt auch kritische Stimmen: "Eigentlich gefällt es mir. Aber es verbraucht viel Energie. Man könnte es zurückfahren oder es ganz weglassen", so die Meinung einer Schweinfurterin. Die Geschäftsführung von SKF hat sich auf Kritik eingestellt, wenn die Beleuchtung in der Nacht aus ist. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit sogar Anrufe von Leuten bekommen, wenn das Logo wegen Wartungsarbeiten kurzzeitig ausgeschaltet war, berichtet Arbeitsdirektor Harald Speck.

    SKF: Klimaschutz ernst nehmen

    "Diese Emotionalität und diese Bindung unserer Belegschaft und in der Öffentlichkeit – das war keine einfache Diskussion. Aber wir haben uns für dieses neue Beleuchtungs-Konzept entschieden. Für uns ist das ein Prüfstein: Nehmen wir Klimaschutz und Artenvielfalt ernst oder nicht", so Speck.

    Hintergrund: Werbe-Idee wird zum Markenzeichen

    Die drei beleuchteten Buchstaben S, K und F an der Glasfront des Hochhauses in der Gunnar-Wester-Straße stehen für "Svenska Kugellagerfabriken", also schwedische Kugellager-Fabrik. Sie waren die Idee eines Werbe-Fachmanns. "Diese Maßnahme hat sich gehalten und im Lauf der Zeit zu einem Wahrzeichen entwickelt. Jeder Mitarbeiter weltweit kennt das Hochhaus", so Harald Speck. Als das Gebäude 2014 saniert wurde, stand die Beleuchtung auf dem Prüfstand. Das Unternehmen hat sich dafür entschieden – aber die Lampen gegen LEDs ausgetauscht.

    Früher blaue Rollos, heute moderne LED-Bänder

    Zuvor wurden die Rollos an den Fenstern angestrahlt. "In den betroffenen Büros mussten die Mitarbeiter abends nach Feierabend die blauen Rollos herunterziehen. Wenn man das nicht gemacht hat, hatte man früh einen Zettel mit einer Erinnerung auf dem Schreibtisch liegen", berichtet Speck – der vor Jahren ebenfalls schon ermahnt wurde. Inzwischen sind an den Fenstern blaue LED-Bänder angebracht, die über einen Sensor gesteuert werden. Dieser orientiert sich an der Dämmerung.

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