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Die Geburtshelferkröte ist stark vom Aussterben bedroht. In Bayern kommt sie nur noch in der Rhön vor. Um die letzten Amphibien zu schützen, werden sie im Landkreis Rhön-Grabfeld gesucht und gezählt.

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Für den Artenschutz in Bayern: Zählung von Geburtshelferkröten

Die Geburtshelferkröte kommt in Bayern nur noch in der Rhön vor. Damit sie im Freistaat nicht ausstirbt, wird einiges dafür unternommen. Dazu gehören eine Zählung dieser seltenen Amphibienart und noch mehr.

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Von
  • Ralph Wege

Larissa Renninger und Jürgen Thein laufen in Gummistiefeln durch einen Steinbruch im Landkreis Rhön-Grabfeld. Es ist 22.00 Uhr. Die Nacht ist hereingebrochen und sie benutzen Taschenlampen. Das Ziel ihrer Suche ist es, Geburtshelferkröten zu zählen. So wollen sie herausfinden, ob sich die Population dieser Krötenart im Vergleich zum Vorjahr verändert hat.

Geburtshelferköten nach Gehör suchen

Normalerweise hätten die beiden kaum eine Chance, die scheuen Tiere zu finden. Doch im Juli können sie nach ihrem Gehör gehen. Denn in dieser Zeit versuchen die Männchen mit ihrem typischen Ruf die Weibchen anzulocken. Der Lockruf ist ein flöten- oder glockenartiges "üh", das in wenigen Sekunden Abstand wiederholt wird. Unter einem Stein kommt das Rufen hervor. Larissa Renninger und Jürgen Thein drehen den flachen Brocken um und finden das Männchen. Den Fundort trägt der Biologe Jürgen Thein in eine Karte des Steinbruchs ein.

Aussterben der Geburtshelferkröten verhindern

Larissa Renninger ist eine sogenannte Biodiversitätsberaterin im Landkreis Rhön-Grabfeld. Somit ist sie auch für den Schutz der Geburtshelferkröte zuständig. "Um das Aussterben der Geburtshelferkröte in der Rhön zu verhindern, können wir weitere Tümpel anlegen und weitere Gewässer, die auch im Sommer nicht austrocknen", sagt sie. Außerdem können Steinhaufen aufgeschüttet werden, sodass die Geburtshelferkröte Versteckmöglichkeiten an Land findet. "Darüber hinaus wollen wir Hänge von Büschen befreien, damit der Boden besser besonnt wird." Denn die Geburtshelferkröte brauche einen warm-feuchten Lebensraum, so Larissa Renninger.

Die Geburtshelferkröte hilft bei der Geburt

Die Geburtshelferkröte verdankt ihren Namen einer Besonderheit, die nur diese Amphibienart in Deutschland hat. Nach der Paarung übergibt das Weibchen dem Männchen die Laichschnur. Das Männchen wickelt diese um seine Hinterbeine. Für circa drei Wochen trägt es dann die Laichschnur mit sich herum. Schließlich geht das Männchen in ein Gewässer. Dort schlüpfen die Larven aus den Eiern. Somit hilft das Männchen seinem Nachwuchs bei der Geburt.

Zahl der Geburtshelferkröten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen

Nach einer Stunde ist die Zählung im Steinbruch zu Ende. Larissa Renninger und Jürgen Thein haben 15 rufende Männchen registriert. In den letzten Wochen hat Jürgen Thein an insgesamt sieben verschiedenen Stellen in der Region Geburtshelferkröten gezählt. Er kam auf über 30 rufende Männchen an den Standorten. Letztes Jahr waren es nur 25. "Über das Ergebnis freue ich mich. Es ist ein gutes Zeichen für die Geburtshelferkröte in der Rhön", erklärt der Biologe. "Wenn ich diese über 30 rufenden Männchen hochrechne, können wir davon ausgehen, dass wir 300 bis 350 Männchen und Weibchen in der Rhön haben", ergänzt Jürgen Thein.

Krötenzählung für das Bayerische Landesamtes für Umwelt

Die Krötenzählung erfolgt im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LFU). Wie Sebastian Vogel vom LFU mitteilte, haben sich sowohl die Bundesrepublik als auch der Freistaat Bayern dazu verpflichtet, die Artenvielfalt zu schützen. Dabei unterscheide das LFU nicht zwischen "wertvollen oder weniger wertvollen" Arten. Für das Landesamt seien alle Arten gleich. "Wenn wir die Geburtshelferkröte hier vor Ort in der Rhön verlieren, dann ist die Art in ganz Bayern ausgestorben", sagt Sebastian Vogel. "Es wäre schade, wenn wir diese Art den nachfolgenden Generationen nicht mehr zeigen können."

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Ein Geburtshelferkrötenmännchen trägt eine Laichschnur.

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