Strommasten (Symbolbild)

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Bildrechte: pa/dpa/ Daniel Kubirski 
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    Kunden ohne Geld: Für Bayerns Energieversorger wird es eng

    Kunden ohne Geld: Für Bayerns Energieversorger wird es eng

    "Der Druck ist enorm": Bayerische Energieversorger warnen, dass immer mehr Kunden die Strom- und Gasrechnungen nicht mehr zahlen können. Für Stadtwerke könnte es daher bald eng werden. Augsburg und Nürnberg schlagen Alarm. Der Bund müsse handeln.

    Einkäufer bei den Augsburger Stadtwerken zu sein, das war bis vor wenigen Monaten ein Job, bei dem man nachts relativ ruhig schlafen konnte. Das ist nun anders: "Man muss sich mal in die Haut eines unserer Einkäufer versetzen", sagt Jürgen Fergg, der Pressesprecher der Augsburger Stadtwerke. "Bislang hat der pro Tag für ein bis zwei Millionen Euro eingekauft - wenn es hochkommt. Heute sind es 30 bis 40 Millionen Euro am Tag für Energie. Der Druck ist enorm."

    Denn egal, ob es um ein Unternehmen geht, das mit Strom versorgt werden will, oder ob es um die Grundversorgung der Haushalte geht: Bei jedem Vertragsabschluss muss sich der Einkäufer fragen, wie groß das Risiko ist, dass die Kunden den Strom oder das Gas am Ende nicht bezahlen können. "Das wird ein riesiges Problem", glaubt Fergg. Momentan könnten weniger als ein Prozent der Kunden die Rechnungen nicht mehr zahlen. "Wir gehen davon aus, dass es im Lauf des nächsten Jahres mit Sicherheit rund zehn Prozent werden. Das sind Ausfälle, die wir nicht mehr verkraften können."

    Bayerische Energieversorger fordern Rettungsschirm des Bundes

    Da sind sie in Augsburg nicht allein. Der Versorger im Allgäu arbeitet bereits intensiv mit den Sozialämtern und Beratungsstellen zusammen. Und in München und Nürnberg rechnet man mit mehr Zahlungsausfällen. "Dies könnte sehr schnell sehr hohen zusätzlichen Liquiditätsbedarf erfordern", schreibt der Nürnberger Energieversorger N-Ergie: "Daher ist es aus unserer Sicht dringend notwendig, dass die Bundesregierung unverzüglich einen finanziellen Rettungsschirm für Stadtwerke aufspannt." Auch die Stadtwerke Augsburg sehen den Bund in der Pflicht.

    Dieser Rettungsschirm soll helfen, den schlimmsten Fall zu verhindern: Dass ein kommunaler Energieversorger pleitegeht. Zwar rechnen die Versorger damit, dass zunächst die Kommunen einspringen würden. So wie in Leipzig, wo die Stadt bereits ein finanzielles Rettungsnetz für die Stadtwerke gespannt hat. "Jedoch können im derzeitigen Umfeld die erforderlichen Beträge sehr groß werden, die erforderlich sind, eine Insolvenz zu vermeiden", heißt es aus Nürnberg. Daher wäre der Bund nun gefordert, unterstreicht man auch in Augsburg.

    Kunden von Billig-Anbietern fordern die Grundversorger

    Noch profitieren die Stadtwerke von langfristigen Verträgen, die noch vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine abgeschlossen wurden - vor allem um die Grundversorgung abzudecken. Diese Grundversorgung war vielen früher zu teuer, weshalb sie zu Billigstrom-Anbietern wechselten. Doch diese Billig-Anbieter haben ihren Kunden inzwischen reihenweise gekündigt. Die Folge: Die kommunalen Versorger müssen als Grundversorger die gekündigten Kunden wieder aufnehmen.

    Das ist ein Grund, warum die Stadtwerke Augsburg aktuell an der Strombörse teuren Strom und teures Gas zukaufen müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass auch bei den Stadtwerken die günstigen älteren Verträge nach und nach auslaufen und die Stadtwerke dann Energie zu aktuellen Konditionen einkaufen müssen.

    Dies werden die Kunden zu spüren bekommen, sagt Augsburgs Stadtwerke-Sprecher: "Wir verlangen aktuell etwa zweieinhalb mal so viel wie vor etwa einem Jahr. Im Januar werden es wohl drei mal so viel sein. Und in der Folge vielleicht auch das Vierfache", so Fergg.

    Strom sparen und Abschlagszahlungen erhöhen

    Am besten würden all jene Versorger dastehen, die viel Energie aus erneuerbaren Quellen bezögen, erklärt Fergg. Die seien vergleichsweise unabhängig und würden teils sogar von ihrer Energiegewinnung profitieren. In Augsburg ist das jedoch nicht der Fall. Deshalb empfiehlt Fergg den Kundinnen und Kunden, Strom zu sparen, Geld wenn möglich beiseite zu legen und die Abschlagzahlungen zu erhöhen. "Damit am Ende nicht das böse Erwachen kommt und man die Nachzahlungen nicht mehr bezahlen kann."

    In der Regel müssen die Versorger ihre Preiserhöhungen sechs Wochen im Voraus bekannt geben. Frühestens im November könnte es also soweit sein. Dann wird es besonders kleine und mittlere Unternehmen treffen, glaubt der Sprecher der Allgäuer Überlandwerke: "Die haben oft nur kurzfristige Verträge und haben die stärksten Erhöhungen für das Jahr 2023 zu erwarten."

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