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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

Sondersendung zum Gedenktag des 5. Jahrestages des OEZ-Attentats. Es kommentiert Andreas Bachmann.

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Fünf Jahre nach OEZ-Attentat: München gedenkt der Opfer

Vor fünf Jahren erschoss ein Attentäter neun junge Menschen aus rassistischen Motiven. Heute fand am Mahnmal für die Opfer am Münchner Einkaufszentrum OEZ eine Gedenkveranstaltung statt. Die bewegendsten Worte kamen von einer Angehörigen.

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Von
  • Susanne Hagenmaier

Auf den Tag genau fünf Jahre ist es her, als ein Anschlag am Münchner Einkaufszentrum OEZ die Stadt erschütterte. Ein 18-Jähriger erschoss neun junge Menschen aus rassistischen Motiven. Am Tatort steht heute ein Mahnmal für die Opfer, dort fand heute die Gedenkfeier statt. Mit Abstand und Masken versammelten sich unter anderem Politikerinnen und Politiker, Vertreter von Kirche, Polizei und Rettungskräften sowie Überlebende des Anschlags und Angehörige der Opfer.

OB Reiter: "Menschenverachtende Beweggründe"

Erster Redner auf der Bühne war Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. Er sprach die Überlebenden und Angehörigen direkt an: "Ich sehe Ihre Gesichter, ich sehe den Schmerz und die Traurigkeit, die Sie jeden Tag begleiten muss." Auch fünf Jahre danach falle es schwer, Worte zu finden für das, was geschehen sei. Reiter verlas die Namen aller neun Menschen, die bei dem Anschlag ums Leben gekommen waren, und sprach von "menschenverachtenden Beweggründen" des Täters. Er betonte aber auch: "Zwar war er ein Einzeltäter. Aber er war nicht der einzige Täter, der aus diesen Motiven handelte."

Ministerpräsident Söder: "Rassismus wächst wie ein Tumor"

Nach dem Oberbürgermeister betrat Ministerpräsident Markus Söder die Rednerbühne. Er sagte über die Opfer: "Sie haben nichts verbrochen. Sie haben nichts provoziert. Sie waren nur zur falschen Zeit am falschen Ort und zufällig ins kranke Weltbild des Täters passend." Er erinnerte an die stundenlange Unsicherheit und Panik, die sich nach den Schüssen am OEZ in der ganzen Stadt verbreitet hatte: "Für uns alle ist das ein Tag, der sich ins Gedächtnis eingebrannt hat." Immer wieder versicherte er den Angehörigen und Überlebenden: "Sie sind nicht allein."

Söder erinnerte auch an die Verantwortung von Politik und Gesellschaft, gegen die rassistische Haltung vorzugehen, die hinter diesem wie auch anderen Attentaten stand. "Rassismus wächst wie ein Tumor in unserer Gesellschaft. Er muss entschieden bekämpft werden."

Angehörige: "Ich hätte gern mit meinem Enkel getauscht"

Die bewegendste Rede hielt Gisela Kollmann. Ihr Enkel Guiliano war eins der Opfer. "Ich spreche heute zum ersten Mal", sagte sie und hatte Mühe, ihre Tränen zurückzuhalten. Sie kämpfte sichtlich um jedes Wort, immer wieder brach ihr die Stimme. Sie berichtete, nahezu täglich das Grab ihres Enkels zu besuchen. Öffentliche Verkehrsmittel könne sie seit dem Attentat nicht mehr nutzen, laute Geräusche und große Menschenmengen machten ihr Angst. "Mir wurde ein Stück aus meinem Herzen herausgerissen, es ist ein tiefer Schmerz, der mir den Atem nimmt. Ich hätte gern mit meinem Enkel getauscht. Ich habe mein Leben schon gelebt. Er hatte seins noch vor sich."

Weitere Gedenkveranstaltung wird live übertragen

Als Gisela Kollmann die Bühne verließ, erhoben sich die Zuschauerinnen und Zuschauer und applaudierten. Anschließend versammelten sich die Politikerinnen und Politiker zur Kranzniederlegung am Mahnmal.

Von 17 bis 19 Uhr – also zur Zeit des Amoklaufs – findet eine weitere Gedenkveranstaltung des Bezirksausschusses Moosach und der Initiative "Wir alle sind Moosach" statt. Daran werden auch Alt-Oberbürgermeister Christian Ude und Familien der Opfer teilnehmen. Um 18.04 Uhr wird eine Schweigeminute eingelegt. Der BR überträgt auch diese Veranstaltung - zum Livestream geht es hier.

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Fünf Jahre nach dem Anschlag im Olympia-Einkaufzentrum ist in München der Opfer gedacht worden. Auf der Veranstaltung sprachen unter anderem Oberbürgermeister Reiter, Ministerpräsident Söder und Angehörige von Opfern.

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