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Fünf Jahre nach Brand: Flüchtlinge in Vorra gut integriert | BR24

© BR/Karin Goeckel

Fünf Jahre nach dem Brandanschlag in Vorra ist Normalität eingekehrt.

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Fünf Jahre nach Brand: Flüchtlinge in Vorra gut integriert

Ein Brandanschlag auf eine Asylunterkunft bringt vor fünf Jahren das Dorf Vorra in die Schlagzeilen. Zunächst werden die Täter im rechten Milieu gesucht, später gerät eine Baufirma ins Visier. Heute sind aus Flüchtlingen Nachbarn geworden.

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Es ist die Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 2014. In Vorra, einem Dorf mit 1.200 Einwohnern im Landkreis Nürnberger Land, brennt der ehemalige Gasthof zur Goldenen Krone. Die Flammen schlagen aus dem Dachstuhl. Das Gebäude ist gerade frisch saniert, ein paar Tage später sollen Flüchtlinge einziehen. An einem Nebengebäude entdeckt ein Feuerwehrmann während der Löscharbeiten rechtsradikale Schmierereien. "Kein Asylat in Vorra" hat jemand mit roter Farbe an die Wand gesprüht, daneben ein Hakenkreuz.

Kamerateams suchen Vorra heim

Am Morgen danach wird das kleine Dorf von Journalisten und Kamerateams heimgesucht. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lässt sich mit dem Hubschrauber nach Vorra fliegen, verurteilt die "schändliche Tat". Die Bilder der zerstörten Häuser und der rechtsradikalen Schmierereien sind in der Tagesschau zu sehen, sie schaffen es auf die Titelblätter aller großen Zeitungen, selbst der "New York Times". Wochenlang ist Vorra immer wieder in den Schlagzeilen.

Ausnahmezustand nach Brandanschlag in Vorra

An diese Zeit denkt Björn Schukat, der evangelische Pfarrer von Vorra, mit Schaudern zurück. In der Brandnacht riecht er beim Zubettgehen den Rauch, schaut aus dem Fenster und sieht die Flammen. Kurz darauf trifft die Feuerwehr ein. Am Tag danach dann ist Vorra im Ausnahmezustand.

"Das war ein unangenehmes Gefühl, auch in der Belagerung, die wir hier teilweise hatten, die uns manchen Alltag auch erschwert hat, und zwar nicht nur über Tage hinweg, sondern über Wochen hinweg." Björn Schukat, Pfarrer

Der Verdacht, jemand aus dem Ort könnte das Feuer gelegt haben, lastet zunächst schwer auf den Menschen in Vorra. Die Hinweise auf einen rechtsradikalen Hintergrund schrecken sie besonders auf. Keiner kann sich das so recht vorstellen – zehn Tage vor dem Brand hatte es einen Tag der offenen Tür in der neuen Asylbewerberunterkunft gegeben. Viele Menschen erklären sich damals bereit, den Flüchtlingen, die hier unterkommen sollen, zu helfen. Im Nachbarort Affalter klappt die Hilfe schon gut.

Zahl der Flüchtlingshelfer verdoppelt sich

Deshalb sind die Menschen in Vorra schon bald überzeugt: Der Brandstifter ist keiner von uns. Wie um das zu beweisen, melden sich noch weitere Freiwillige. Der Kreis der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer wächst auf mehr als das Doppelte an. Zeitweise kommen zwei Helfer auf einen Flüchtling.

"Wir haben sehr schnell gemerkt, dass diese Anschläge nichts mit unserem Dorf zu tun haben. Dafür ist das Dorf zu klein, dafür kennt man sich zu gut, und das war ein sehr sehr gutes Gefühl." Björn Schukat, Pfarrer.

Vorra heute: Das Miteinander klappt

Am ehemaligen Gasthaus zur Goldenen Krone gleich neben der Kirche erinnert heute, fünf Jahre danach, nichts mehr an den Brandanschlag. Das Gebäude ist wieder saniert, ebenso wie die beiden Nebengebäude. Hier wohnen Flüchtlinge, so wie von Anfang an geplant. Das Miteinander klappt gut, erzählt Pfarrer Schukat. Zwar gebe es auch hier skeptische Stimmen und die Zahl der Helfer sei wieder geschrumpft, aber die Bereitschaft zu helfen sei noch immer groß. Und als ob sie seine Aussagen unterstreichen wollte, kommt eine syrische Frau aus dem Haus und schenkt Pfarrer Schukat einen Teller voll Gebäck.

Flüchtlingsfamilien gut integriert

Inzwischen haben viele der Flüchtlinge eigene Wohnungen bezogen. Ihre Kinder gehen zur Schule und in den Sportverein. Auf der Straße grüßt man sich. Jedes Jahr im Herbst wird unter dem Motto "Zwiebelkuchen trifft Falafel" gemeinsam ein großes Fest gefeiert. Aus Fremden sind Nachbarn geworden. Also alles gut? Nicht ganz.

Brandanschlag von Vorra bleibt ungesühnt

Ein bisschen unzufrieden sind die Menschen in Vorra, dass es keinen Schuldigen für den Brandanschlag gibt. Sie hätten es gern gesehen, dass jemand verurteilt wird. Zwar erhebt die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth im Sommer 2016 Anklage gegen zwei Mitarbeiter der Baufirma, die die Sanierungen in den Unterkünften durchgeführt hat. Doch das Landgericht Nürnberg-Fürth und das Oberlandesgericht Nürnberg lehnen es ab, die Verhandlung zu eröffnen. Die Beweise reichten nicht für eine Verurteilung, heißt es. So bleibt der Brandanschlag von Vorra bis heute ungesühnt.