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Fünf Jahre Bad Aibling: "Ich denke jeden Tag an das Zugunglück" | BR24

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Fünf Jahre nach dem Zugunglück von Bad Aibling

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Fünf Jahre Bad Aibling: "Ich denke jeden Tag an das Zugunglück"

Vor fünf Jahren prallten am 9. Februar zwischen Bad Aibling und Kolbermoor zwei Regionalzüge frontal zusammen. Zwölf Menschen starben – auch zwei Kollegen des Feuerwehrmanns Stefan Hofmeister. Schwer traumatisiert, kämpfte er sich zurück ins Leben.

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Von
  • Martin Binder

Am fünften Jahrestag des Zugunglücks von Bad Aibling mit zwölf Toten und fast 90 Verletzten haben zum Zeitpunkt des Unglücks um 6.47 Uhr die Glocken geläutet. Bei einer kurzen Andacht erinnerten Vertreter aus Politik, Bahnverkehr und örtlichen Kirchen am Mahnmal an die Opfer – wegen der Corona-Bestimmungen in einem sehr kleinen Kreis.

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Gedenken an Zugunglück von Bad Aibling: Mit Glöckenläuten und Blumen soll fünf Jahre nach dem Unglück an die zwölf Toten und fast 90 Verletzten erinnert werden.

Zugunglück: Zwölf Tote, 89 teils schwer verletzte Menschen

Vor fünf Jahren waren auf der eingleisigen Bahnstrecke zwischen Bad Aibling und Kolbermoor im Landkreis Rosenheim zwei Personenzüge frontal zusammengestoßen. Zwölf Menschen starben, 89 wurden zum Teil schwer verletzt.

Der zuständige Fahrdienstleiter hatte beide Züge gleichzeitig auf die Strecke geschickt, er war – wie später beim Prozess festgestellt wurde – durch ein Spiel auf seinem Handy abgelenkt. Die Erinnerungen an das Unglück belasten viele Menschen noch immer. Auch einen Feuerwehrmann aus Bad Aibling. Zwei seiner Arbeitskollegen sind unter den Toten.

Bad Aibling: Feuerwehrmann trauert um zwei Kollegen

Langsam geht Stefan Hofmeister auf das kleine, schlichte Holzkreuz an der Unfallstelle zu. Bleibt stehen, schaut auf das Gleis, versunken in Gedanken. Nach dem Unglück ist der 43-Jährige jetzt zum ersten Mal wieder dort.

"Das ist sehr ergreifend. Ich hätte nicht gedacht, dass das nach fünf Jahren immer noch so präsent ist. Die Narben, die spürt man. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht an das Zugunglück denke." Stefan Hofmeister, Freiwillige Feuerwehr Bad Aibling

Rettung nach Zugunglück: Verzweifelte Rufe nach den Toten

Am 9. Februar 2016 war der Feuerwehrmann an der Unfallstelle im Einsatz. Als er die beiden ineinander verkeilten und zum Teil völlig zerstörten Züge sieht, fallen ihm zwei Arbeitskollegen ein, die in einem der Waggons gewesen sein müssten.

Hofmeister versucht, die Gedanken an die Kollegen zu verdrängen. Er macht seine Arbeit, holt Verletzte aus dem Zug, hilft, wo er gebraucht wird. Doch zwischendrin schaut er immer wieder, ob er nicht die Kollegen sieht, ruft deren Namen.

Später erfährt er, dass beide nicht überlebt haben. Der Unfall betrifft jetzt auch ihn persönlich, die schützende professionelle Distanz ist durchbrochen.

Schwer traumatisiert – Unglücksort "aufräumen" als Therapie

Wolfram Höfler war damals Kommandant der Bad Aiblinger Feuerwehr und Einsatzleiter bei dem Zugunglück. Er hat danach einige seiner traumatisierten Kollegen betreut, auch Stefan Hofmeister:

"Stefan hatte das Problem, dass er plötzlich kein Unbeteiligter mehr war, er war mittendrin, kannte die Leute und hatte damit irre zu kämpfen." Wolfram Höfler, beim Unglück Kommandant der Bad Aiblinger Feuerwehr

Hofmeister braucht lange, um die Situation zu verarbeiten. Er hilft noch Tage nach dem Unglück mit, um die zerstörten Züge "aufzuräumen", wie er sagt, eine Art Therapie für ihn. Dann wird er krankgeschrieben. Immer wieder kommen die Erinnerungen an die Kollegen, mit denen er viele Jahre zusammengearbeitet hatte. Einer saß ihm im Büro direkt gegenüber.

Feuerwehrler schützt sich: Bei Zugunglücken bleibt er fern

Schon während des Einsatzes werden die Retter von besonders geschulten Kollegen an der Unfallstelle betreut. Diese PSNV, die psychosoziale Notfallversorgung, setzt sich noch wochenlang fort. Stefan Hofmeister helfen auch viele Gespräche mit Feuerwehrkameraden, Arbeitskollegen und der Familie. Ihm geht es heute wieder gut. Die Erinnerungen werden ihn das ganze Leben begleiten, aber sie verblassen, sagt er. Bei der Feuerwehr ist er nach wie vor aktiv und fährt Einsätze – bis auf eine Ausnahme:

"In den letzten fünf Jahren hatten wir einige Zugunfälle, auch mit Personenschaden. Da bin ich nicht mitgefahren. Das kann ich nicht mehr, das lasse ich an mich nicht mehr heran." Stefan Hofmeister
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Hofmeister war seit dem Unglück nie mehr an der Unfallstelle. Erstmals zum 5. Jahrtag ist er wieder zur stillen Erinnerung dorthin gekommen.

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