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Der Anteil weiblicher Führungskräfte in Bayern ist gestiegen. Doch die Chancenungleichheit besteht.

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    Führungsjobs in der Verwaltung: Für Mütter bleibt es schwierig

    Teilzeit arbeiten, Frau sein, Kinder haben: Das ist die ungünstigste Kombination für die Chance auf eine Führungsposition im Öffentlichen Dienst. Um noch bestehende Chancenungleichheiten zu beseitigen, könnte ein Gesetz geändert werden.

    Von
    Jasmin BrockJasmin Brock
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    Teilzeit oder Vollzeit? Kinder: ja oder nein? Je nachdem, wie man diese Fragen beantwortet, ändert sich die Chance, in Bayern im öffentlichen Dienst eine Führungsposition zu ergattern. Die Wahrscheinlichkeit ändert sich auch, je nachdem, ob man ein Mann oder eine Frau ist. Den Zusammenhang zwischen diesen und weiteren Faktoren untersucht der neue Gleichstellungsbericht der bayerischen Staatsregierung.

    Dieser Bericht widmet sich Verwaltung und öffentlichem Dienst – also der Gleichstellung in Ämtern, Rathäusern, Lehrerzimmern oder bei der Polizei. Damit wird überprüft, inwiefern das bayerische Gleichstellungsgesetz (BayGlG) in der Praxis umgesetzt wird.

    Mehr Frauen in Führungspositionen – aber noch unterrepräsentiert

    "Die Analyse bescheinigt uns, dass wir vorankommen, aber es ist noch nicht alles so, wie wir uns das wünschen würden", sagte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) bei der Vorstellung des Berichts.

    Ein wichtiges Ergebnis: In der Verwaltung von Kommunen und dem Freistaat ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen gestiegen – auf rund 45 Prozent. 2014 waren es noch 37 Prozent. Es könnten und sollten laut Gleichstellungsbericht aber rund 60 Prozent sein – wenn man berücksichtigt, wie viele qualifizierte Frauen potenziell zur Verfügung ständen.

    "Wir arbeiten nicht mit starren Quoten, sondern mit Vergleichsgruppen", so Christiane Nischler-Leibl, Leiterin der Abteilung "Frauenpolitik, Gleichstellung und Prävention" im Sozialministerium. Gleichzeitig sei der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in den letzten Jahren gesunken – von 317 auf durchschnittlich 234 Euro.

    Lohnlücke von rund 230 Euro

    Nach wie vor verdienen Frauen pro Monat also trotzdem noch weniger als ihre männlichen Kollegen im öffentlichen Dienst: der sogenannte Gender Pay Gap. Die Bezüge sind zwar an sich gleich, der berechnete Unterschied entsteht aber zum Beispiel dadurch, dass Frauen in weniger gut bezahlten Fachbereichen arbeiten – und eher in Teilzeit. Mehr als jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit, bei Männern ist es dagegen nur jeder fünfte.

    Führungspositionen oft nicht in Teilzeit möglich

    Das erklärt auch, warum Frauen in Führungspositionen trotz des Anstiegs auf rund 45 Prozent noch unterrepräsentiert sind. Die meisten Führungsjobs würden nur in Vollzeit ausgeschrieben. Das mindert die Chance, dass eine Frau sich bewirbt. Diese Ungleichheit trifft dann auch Männer, die in Teilzeit arbeiten. "Wer in Vollzeit arbeitet, egal ob Mann oder Frau, hat eine gute Chance, Führungskraft zu werden. Wer in Teilzeit arbeitet, leider nicht", so die Nischer-Leibl vom Sozialministerium.

    Je höher die Führungsebene, desto mehr Väter – und weniger Mütter

    Praktisch überall im öffentlichen Dienst haben Frauen in Führungspositionen seltener Kinder als Männer. Je höher dabei die Chefetage, desto mehr Väter und gleichzeitig weniger Mütter gibt es. Ein Beispiel: die höheren Besoldungsgruppen von Beamten, etwa Abteilungs- oder Referatsleitung. Nur jede dritte Frau hat hier ein Kind – aber zwei von drei Männern sind Väter.

    "Frauen stoßen immer noch an die berühmte gläserne Decke, müssen sich immer noch zwischen Kind und Karriere entscheiden", kritisiert die grüne Landtagsabgeordnete Tessa Ganserer. Dass das auch 25 Jahre nach Einführung des bayerischen Gleichstellungsgesetzes noch so sei, sei eine "Bankrotterklärung für die Gleichstellungspolitik der bayerischen Staatsregierung".

    Großer Unterschied zwischen Schulwesen und Polizei

    Viele Lehrerinnen, wenig Polizistinnen: Es gibt je nach Bereich durchaus große Unterschiede bei den Geschlechterverhältnissen im öffentlichen Dienst. Im Schulbereich dominieren Frauen (72 Prozent), bei der Polizei Männer (75 Prozent). Deswegen geht der Bericht dazu über, diese großen Ausreißer an einigen Stellen gesondert anzugeben bzw. herauszurechnen, um Verzerrungen zu vermeiden.

    Kommt bald ein neues Gleichstellungsgesetz?

    In der bayerischen Verfassung ist Gleichstellung festgeschrieben: "Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."

    Seit 1996 gibt es das bayerische Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern (BayGlG), dessen Umsetzung der neue Bericht jetzt zum sechsten Mal untersucht. Zuletzt geändert wurde das Gesetz im Jahr 2006. Es gilt ausschließlich für Behörden des Freistaats. Kritik, zum Beispiel daran, dass es zu wenig Gleichstellungsbeauftragte gebe, obwohl diese vorgeschrieben sind, kam in der Vergangenheit beispielsweise vom DGB, aber auch von der Opposition im Landtag.

    Arif Taşdelen, Landtagsabgeordneter der SPD: "Wir fordern seit Jahren, das Gesetz zu überarbeiten, und haben bereits zwei konkrete Gesetzentwürfe vorgelegt. Das bisherige ist ein zahnloser Tiger, auf dessen Grundlage die Gleichberechtigung nur im Schneckentempo vorankommt!" Die SPD-Fraktion fordert die Anhebung des Frauenanteils auf 50 Prozent in allen Leitungsebenen. Die Forderung nach einem neuen Gesetz könnte diesmal tatsächlich Gehör finden: Im aktuellen Bericht zum Gesetz heißt es, dass die "Novellierung des BayGlG in Betracht gezogen und geprüft werden sollte". Ministerin Trautner betonte, dass die öffentliche Verwaltung ein Vorbild sein müsse.

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