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Führerschein: Jugendliche lassen sich mehr Zeit | BR24

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Erst fehlt das Personal und jetzt die Kundschaft. Die Münchner Fahrschulen haben zu kämpfen. Zum einen gibt es zu wenig Fahrlehrer und jetzt droht noch ein weiteres Problem: Das Interesse junger Leute an Auto und Führerschein nimmt ab.

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Führerschein: Jugendliche lassen sich mehr Zeit

Bundesweit machen immer weniger junge Menschen ihren Führerschein. In der Gruppe der 17- bis 24-Jährigen gibt es aktuell rund 600.000 Führerscheinbesitzer weniger als noch vor neun Jahren. In Bayern zeigt sich dabei ein Land-Stadt-Gefälle.

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Schorsch Meier betreibt eine Fahrschule im oberbayerischen Wolfratshausen. Über die Auslastung seines Betriebes kann er bisher nicht klagen. Hier, gut 35 Kilometer von der bayerischen Landeshauptstadt entfernt, wollen junge Leute immer noch am liebsten ein eigenes Auto oder wenigstens das der Eltern fahren.

"Es gibt schon Unterschiede, zum Beispiel, dass bei uns am Land etwas früher angefangen wird, das ist in der Stadt nicht ganz so. Aber hier im Speckgürtel von München ist es keine Frage: sechzehneinhalb oder siebzehn – dann geht’s ab zur Fahrschule."

Aber das ist nicht mehr überall so. Wie Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes zeigen, machen immer weniger junge Leute einen Führerschein: 2010 waren es noch fünf Millionen - Anfang 2019 nur noch 4,4 Millionen.

Junge Städter machen ihren Führerschein später

Vor allem in Großstädten mit vielen öffentlichen Verkehrsmitteln, Taxis oder Leihrädern macht sich der Trend bemerkbar. In Augsburg zum Beispiel betreibt Sabine Keinath eine Fahrschule mit fünf Filialen. Ihr fällt auf, dass die Führerscheinbewerber etwas später zu ihr kommen als noch vor ein paar Jahren: "Zu uns kommen junge Leute, aber der Trend bestätigt sich: Die Jungen werden älter. Sie kommen nicht mehr mit 16 oder mit 17 zu uns, sondern mit 18 oder noch später. Meistens dann, wenn aus beruflichen Gründen der Führerschein notwendig wird."

München: Anträge für begleitetes Fahren gehen zurück

Ein ähnliches Bild in München, dort gingen laut Kreisverwaltungsreferat die Anträge für begleitetes Fahren in den letzten fünf Jahren konsequent zurück. Der Traum vom eigenen Auto ist zumindest bei manchen jungen Leuten offenbar passé. Sie lassen sich mit dem Führerschein mehr Zeit als die Generationen vorher. Auf diesen Trend müssen die Fahrschulen reagieren, findet Sabine Keinath. Zum Beispiel mit Spezialisierung.

"Wenn jemand sagt, ich spezialisiere mich eher auf die älteren Menschen, wenn jemand sagt, ich spezialisiere mich eher auf die Behindertenausbildung, dann wird’s auch da weiterhin genügend Geschäft geben." Sabine Keinath, Fahrschulen-Betreiberin

Die Angebote der Fahrschulen könnten also in ein paar Jahren anders aussehen als heute, wenn die Zahl der jungen Führerscheinbewerber weiter abnimmt.

Nachfrage für Fahrschulen immer noch hoch genug

Momentan aber stellt diese Entwicklung für die Fahrschulen in Bayern noch keine wirtschaftliche Bedrohung dar, erklärt Schorsch Meier, der auch der stellvertretende Vorsitzende des bayerischen Fahrlehrerverbandes ist: "Wir müssen uns jetzt nicht auf ein Fahrschulsterben einstellen. Bayernweit betrachtet ist es so, dass die Fahrschulen sogar proppenvoll sind. Wegen des Fahrlehrermangels haben wir sogar mancherorts Probleme, die Nachfrage zu bedienen."

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Junge Städter machen ihren Führerschein später