Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Frust und Gerüchte vor Audi-Betriebsversammlung | BR24

© BR

Audi vor der Betriebsversammlung

2
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Frust und Gerüchte vor Audi-Betriebsversammlung

Spannende Fragen sind vor der Betriebsversammlung bei Audi offen: Wird wegen der Auftragslage eine weitere Produktionsschicht in Ingolstadt gestrichen? Wird der Chef ausgetauscht? Heute erwarten die Mitarbeiter Antworten auf die Spekulationen.

2
Per Mail sharen
Teilen

Unter den rund 44.000 Beschäftigten von Audi sind vor der heutigen Betriebsversammlung in Ingolstadt viele Fragen offen. Zudem hinterlässt der Dieselskandal weiter Spuren: Es werden zu wenig Autos verkauft, das Werk ist nicht ausgelastet. Das drückt auf die Stimmung der Mitarbeiter.

Gerüchte kursieren

Lösungen für die vielen Probleme zeichnen sich nicht ab, dafür halten sich in Ingolstadt zwei Gerüchte: Beide sorgen für noch mehr Unsicherheit. Gerücht Nummer eins: im Januar soll eine weitere Nachtschicht in Ingolstadt wegfallen. Offiziell ist das "konkret kein Thema", meldet das Betriebsratsbüro. Doch in der Audi-Stadt reden alle darüber - Belegschaft, Gewerkschaftler, Politiker und auch die Menschen beim Bäcker.

Genauso stehen die Dinge bei Gerücht Nummer zwei: dem anstehenden Wechsel auf dem Chef-Posten. Wohl schon im Frühjahr soll Audi-CEO Bram Schot weichen müssen - für den BMW-Mann Markus Bernhard Duesmann. Ihn favorisiert VW-Chef Herbert Diess schon seit Langem. Im Aufsichtsrat war die Personalie noch nicht, aber selbst dort rechnet man fest damit.

Leere Bänder in der Audi-Produktionsstraße

Die Fragen, was dran ist an diesen Gerüchten, werden auf der Betriebsversammlung kommen. Und natürlich auch die Forderung, endlich konkret die Modelle zu benennen, die das Ingolstädter Werk wieder auslasten sollen. Derzeit, so Insider, laufen die Audi-Bänder zu mindestens 30 Prozent leer.

Die Belegschaft will auch wissen, wann denn endlich ein "Brot- und Butter-Auto" auf E-Basis kommt. Ein Auto also, das Masse macht und in hoher Stückzahl Käufer findet. Etwa ein elektrifizierter Nachfolger für den A4. Doch so ein E-Verkaufsschlager ist noch lange nicht in Sicht. In unternehmensnahen Kreisen rechnet man damit frühestens 2023, eher später.

Keine Lösungsvorschläge für Zukunftsthemen

Für Frust sorgt auch, dass Vorstand und Betriebsrat nun schon seit fast zwei Jahren über die großen Zukunftsthemen reden - Werks-Auslastung, neue Modelle und Technologien, Digitalisierung - Lösungen aber haben sie noch keine vorgelegt.

Immer weniger Audi-Mitarbeiter in Ingolstadt

Unauffällig sinkt derweil die Zahl der Beschäftigten am Standort, denn viele Stellen von Ruheständlern werden nicht mehr nachbesetzt. Bis 2023 wird Audi in Ingolstadt wohl nur noch rund 40.000 Menschen auf der Lohnliste stehen haben, analysieren Insider. Das wäre im Vergleich zum Höchststand ein Stellenabbau von 5.000 Stellen, erreicht ohne betriebsbedingte Kündigungen, nur durch die sogenannte demografische Lösung.

Ob und wie massiv der Stellenabbau nach 2023 weitergehen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Ein wichtiger Faktor dabei ist, ob sich der Standort in Ingolstadt entscheiden muss, ob er künftig nur noch Verbrenner oder nur noch E-Mobile produziert.

Der Betriebsrat und auch die Gewerkschaft IG Metall stemmen sich massiv gegen diese Hop-oder Top-Lösung, die derzeit in Wolfsburg präferiert wird. Die IG Metall setzt sich dafür ein, dass das Audi-Werk auf lange Sicht zweigleisig fahren kann und eben nicht alles auf eine Karte setzt. Doch auch diese Grundsatzfrage ist nach wie vor offen.

Bayerns IG Metall-Chef: Autobauer müssen sich in der Krise beweisen

Mit Blick auf die insgesamt etwas eingetrübten Konjunkturaussichten bei den bayerischen Autobauern nimmt Johann Horn, Chef der IG Metall Bayern, im Interview mit dem BR die Unternehmensleitungen in die Pflicht. Er spüre bei den Beschäftigten eine große Verunsicherung. Das Management müsse nach zehn Jahren Aufschwung und Sonnenschein nun zeigen, ob es auch eine Krise meistern könne. Bisher machten die Unternehmer aber einfach weiter wie bisher. Sie strichen lieber Stellen, schlössen Standorte oder verlagerten die Produktion, statt sich mit einstelligen Gewinnen zufrieden zu geben.

Johann Horn: "Morgengrauen einer neuen Epoche"

Horn warf den Unternehmen vor, viel zu spät auf die Entwicklungen reagiert zu haben. Jetzt müsse in dieser Umbruchsphase in neue Technologien und in die Beschäftigten investiert werden.

Der IG Metall-Chef Bayerns warnte, die Autobranche stehe am Morgengrauen einer neuen Epoche. Vor allem für Zulieferer könne es eng werden, insbesondere für diejenigen, die vor allem im Bereich der Diesel- und Benzinantriebe arbeiteten. Gleichzeitig gebe es neue Aufgaben und Produkte, die zu entwickeln seien. Für diese Übergangsphase forderte Horn eine Art „Transformations-Kurzarbeitergeld“, damit sich die Beschäftigten neu orientieren und qualifizieren könnten – und nicht einfach rausgeworfen würden.

© BR/Sebastian König-Beck

Gespräch mit Johann Horn, Chef der IG Metall Bayern, zur Lage in der Autoindustrie