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Frost-Bilanz Mainfranken: Bis zu 30 Prozent Einbußen beim Wein | BR24

© BR Fernsehen

Die Eisheiligen sorgen in Unterfranken nachts für Minustemperaturen. Nun beklagen Winzer und Obstbauern in Mainfranken Frostschäden.

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Frost-Bilanz Mainfranken: Bis zu 30 Prozent Einbußen beim Wein

Nach der ersten Eisheiligen-Nacht haben viele Winzer in Mainfranken mit Frostschäden zu kämpfen. Der Weinbauverband rechnet mit bis zu 30 Prozent Verlust. Besonders schlimm getroffen hat es die Mainschleife und den Raum Bad Kissingen.

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Es ist stockdunkel in der ersten Nacht der Eisheiligen, doch die Weinberge an der Mainschleife in Unterfranken sind hell erleuchtet: Einzelne Winzer haben dort spezielle Kerzen mit Paraffin in großen Eimern entzündet, zum Beispiel bei Mainstockheim im Landkreis Kitzingen. Die Lichter ziehen sich reihenweise durch die Weinberge. Durch die Wärme konnten die Winzer ihre Weinstöcke vor dem Frost schützen.

© Hermann Mengler

Mit Kerzen in Eimern haben Winzer ihre Weinstöcke vor dem Frost geschützt.

80 Prozent Ausfälle bei einzelnen Winzern

Doch viele Winzer hat der Frost hart getroffen, am Schlimmsten einige an der Mainschleife, im Steigerwald und im Landkreis Bad Kissingen. Dort sprechen die Winzer von 80 Prozent Ausfällen und mehr. Zu den coronavirus-bedingten Einbußen im Handel und der Gastronomie sei nun noch der Frost dazu gekommen.

Winzer Baldauf: "Das ist eine Katastrophe"

Das sei eine "Vollkatastrophe", berichtet Winzer Gerald Baldauf aus Ramsthal (Lkr. Bad Kissingen). "Das ist eine kräftige Watsche für uns Winzer und tut weh. Wir kümmern uns in Handarbeit um jede einzelne Rebe. Das ist eine Herzensangelegenheit. Jeder einzelne Stock ist wie ein Kind für uns – und dann kommt der Frost und rasiert in einer Nacht alles weg. Wir wissen noch nicht, ob die Weinstöcke überhaupt wieder Trauben tragen werden", so der Winzer.

Seine Weinberge seien die nördlichsten in Unterfranken und hätten in den vergangenen Jahren schon mehrmals Frost abbekommen. Einen solchen Schlag könne man verkraften, aber nicht mehrere, so Baldauf.

Nebel hat andere Weinberge gerettet

Andere Winzer hatten aber Glück. Im Maintal hätte sich dichter Nebel gebildet und der hätte die Weinberge vor Frost geschützt, so Arthur Steinmann vom Fränkischen Weinbauverband. Als Beispiel nennt er den Weinort Sommerhausen (Lkr. Würzburg), wo er selbst Winzer ist – oder auch den Raum Main-Spessart. Im Weinbau müsse man mit der Natur rechnen. Einzelne Winzer treffe es zwar schwer, die gesamte Weinregion werde die Verluste aber verkraften. Der Weinbauverband rechnet mit Einbußen von etwa 30 Prozent in Unterfranken.

Wahrscheinlich kein Frost in den nächsten Tagen

Steinmann vermutet, dass es in den kommenden Nächten keinen Frost mehr gibt. Auch die Wettervoraussagen melden Plusgrade. "Das Ausmaß der Schäden wird sich erst in den nächsten zwei Wochen zeigen", so Steinmann. Weil es sehr warm war in den vergangenen Wochen, sind die Triebe bereits weit entwickelt. Beim Riesling sind sie schon etwa 20 Zentimeter lang, beim Silvaner etwas kürzer. Viele von ihnen werden sich von dem Frost nicht mehr erholen.

Weinbaukerzen nur für kleine Flächen geeignet

Die Weinbaukerzen, die die Winzer an der Mainschleife angezündet haben, seien eine Möglichkeit, um die Weinstöcke zu schützen. Praktikabel sei das aber nur für kleinere Betriebe mit wenigen Flächen oder für Weine in Toplagen, so Steinmann. Bei größeren Flächen sei das finanziell und personell nicht möglich. Auf einen Hektar Weinberg braucht man etwa 400 solcher Kerzen, berichtet Winzer Gerald Baldauf.

Beheizbare Windräder und Frostruten als Möglichkeiten

Die Winzer müssten sich nun überlegen, wie sie in Zukunft mit dem Problem umgehen, betont Steinmann. Winzer in Amerika würden zum Beispiel Windräder in den Weinberg stellen, die man beheizen kann. Eine weitere Möglichkeit wäre, eine sogenannte Ersatzrute am Weinstock stehen zu lassen. Wenn andere Teile der Pflanze erfrieren, hätten die Winzer so noch Ersatz. In der Vergangenheit seien die Winzer in Unterfranken so vorgegangen. Er empfiehlt den Winzern außerdem eine Frost-Versicherung.

Äpfel glimpflich davon gekommen, Erdbeeren erfroren

Die Obstbauern in Unterfranken sind glimpflich davongekommen. Baumobst wie Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen haben den Frost gut verkraftet. Die Temperaturen seien nur knapp unter null gefallen und das nur für kurze Zeit, so Thomas Riehl vom Fränkischen Obstbauernverband. Getroffen hat es aber einige Obstbauern, die Erdbeeren anbauen. Die Pflanzen seien am Boden und damit direkt vom Frost betroffen. Zum Beispiel im Raum Kitzingen seien viele Erdbeerblüten erfroren – vor allem dort, wo die Bauern schon Stroh eingestreut haben. Durch das Stroh kann der Boden tagsüber keine Wärme aufnehmen und speichern.

An Ostern sind schon Äpfelblüten erfroren

Die unterfränkischen Obstbauern hätte es aber schon an Ostern getroffen. Zu der Zeit seien viele Apfelblüten erfroren, so Riehl. Bauer Felix Pfaff aus Schöllkrippen im Landkreis Aschaffenburg hat seine Erdbeeren in der Nacht abgedeckt und so vor Frost geschützt. "Ich denke, dass wir glimpflich davon gekommen sind. Bei uns ist die Blüte eigentlich schon vorbei", berichtet der Obstbauer.

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