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© Ralf Nahm
Bildrechte: Ralf Nahm

Umstrittene Holzwand: Auf der einen Seite die Bienenvölker, auf der anderen die Luftwaffe – und die hat wenig Lust auf fliegende Konkurrenz.

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Kaufbeuren: Bundeswehr kämpft gegen Bienen

Zwei Bienenvölker beherbergt ein Kaufbeurer Hobby-Imker bei sich im Garten. Direkt daneben: das Gelände der Bundeswehr. Die Luftwaffe dort ist nicht begeistert. Um ihre Soldaten vor den Bienen zu schützen, hat sie nun eine Holzwand aufgestellt.

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Von
  • Julia Ruhs

Seit Montag dieser Woche steht eine Holzwand vor Ralf Nahms Garten: Etwa zehn Meter lang und zwei Meter hoch ist diese. Für den Kaufbeurer ein Ärgernis, denn er hat die Wand dort nicht hingebaut. Das war die Bundeswehr – denn die hat direkt angrenzend an sein Grundstück ihr Kaufbeurer Militärgelände mit Flugplatz der Luftwaffe. Die Soldaten stören sich nämlich an einem lebendigen Detail: Zwei Bienenvölker, die Nahm bei sich auf dem Grundstück beherbergt – direkt am Maschendrahtzaun des Bundeswehrgeländes.

Bundeswehr: Bienen fliegen rüber aufs Militärgelände

Das Problem: Verlassen die Bienen ihren Bienenstock in Nahms Garten, flögen sie direkt aufs Gelände der Bundeswehr, so Presseoffizier Benjamin Dempfle vom Fliegerhorst Kaufbeuren. Und dort könnten sie zu einer Gefahr für die Flugplatz-Angehörigen werden. Die drehen hier unter anderem regelmäßig ihre Jogging-Runden.

Um sie zu schützen und, weil ein Umstellen des Bienenstocks für den Anwohner nicht infrage gekommen sei, gebe es nun die Holzwand. So würden die Bienen nicht mehr direkt auf die Soldaten zusteuern, sondern flögen über deren Köpfe hinweg.

Bienen sind friedlich – bisher keine gestochenen Soldaten

Gestochen wurde zwar noch keiner der Soldaten. Aber: "Wir wollen nicht warten, bis was passiert", verteidigt Presseoffizier Benjamin Dempfle den Bau der Holzwand. Es gebe bei ihnen auch Menschen mit Allergien. Und schließlich betrage der Abstand der Laufstrecke zu den Bienen nur wenige Meter, da könnte es schon sein, dass die Bienen beim Zusammentreffen mit den Soldaten "in den Verteidigungsmodus" gehen.

Außerdem dürfe nicht vergessen werden, dass das Gebiet ein Bundeswehrstützpunkt und damit militärischer Sicherheitsbereich ist – nicht nur ein normaler Sportplatz. Und: Die Bundeswehr habe die Holzwand ja nicht im Alleingang gebaut, sondern nach Rücksprache mit den zuständigen Stellen.

Imker klagt: "Zaunbau ohne Vorwarnung"

Hobby-Imker Ralf Nahm hält den Zaunbau für übertrieben. Zwar hatte er zuvor durch eine Nachbarin schon indirekt vom Zaun-Vorhaben der Bundeswehr erfahren und sich deshalb schon schriftlich an den Kommandeur gewandt. Über den Bau selbst informiert worden sei er aber trotzdem nicht, meint er.

"Ohne Vorankündigung oder andere klärende Gespräche rückte einfach ein Bautrupp an und baute die Wand dort hin. Unser Grundstück ist jetzt nach Osten hin zur Hälfte verbrettert", beschwert er sich. Eigentlich sei er der Bundeswehr recht wohlgesonnen. Dass aber gerade die Soldaten Angst vor seinen Bienen hätten, obwohl die doch sehr friedfertig seien, kann er nicht nachvollziehen.

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Sicherheit geht vor – deshalb wird die in Kaufbeuren auch am Maschendrahtzaun verteidigt.

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Die Sicherheit der Soldaten wird in Kaufbeuren auch am Maschendrahtzaun verteidigt.

Lösung: Statt Zaun doch lieber große Büsche?

Auch der Standortälteste Oberst Martin Langer vom Fliegerhorst Kaufbeuren hat sich nun eingeschaltet und wirbt in einer Stellungnahme bei Ralf Nahm und seiner Lebenspartnerin um Verständnis. Er begrüßt die Bienen aufgrund ihres ökologischen Nutzens. Jedoch bevorzuge ein Großteil der Bevölkerung immer noch einen ausreichend großen Abstand zu den Insekten.

Auch die Angehörigen des Fliegerhorstes seien "ganz normale Menschen" und reagierten bei einem Kontakt mit den Bienen während des Laufens eben verschreckter als ein Imker. Und: Auch die Bundeswehr hätte gerne frühzeitig erfahren, dass Nahm vorhat, nebenan zwei Bienenvölker zu installieren.

Bundeswehr an friedlicher Lösung statt Krieg gelegen

Doch vielleicht gehört das Bienen-Problem bald schon der Vergangenheit an. Denn beiden Seiten liegt etwas an einem guten nachbarschaftlichen Miteinander. Statt des Zaunes könnten einfach große Büsche gepflanzt werden, lautet zum Beispiel der Vorschlag von Oberst Langer in seiner Stellungnahme an die Anwohner.

Hier wäre auch Ralf Nahm nicht abgeneigt. "Der Zaun ist keine endgültige Lösung", räumt auch Presseoffizier Benjamin Dempfle ein. So sehr sich beide Seiten auch schwer täten, von der eigenen Position abzurücken – die Bundeswehr sei auf jeden Fall gesprächsbereit.

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