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Friedenstreffen in Lindau: Dialog zwischen den Religionen | BR24

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"Religions for Peace" nennt sich die Versammlung, die erstmals in Deutschland stattfindet. Fast tausend Teilnehmer beraten ab heute in Lindau über die aktuellen Konfliktherde wie Myanmar, Nigeria oder Pakistan.

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Friedenstreffen in Lindau: Dialog zwischen den Religionen

Derzeit treffen sich 900 Vertreter von mindestens einem Dutzend Weltreligionen in Lindau bei der Konferenz von "Religions for Peace". Wie aber bringt man so viel religiöse Vielfalt unter einen Hut? Wie werden die Weichen für mehr Frieden gestellt?

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Die Veranstalter versuchen es in Zweiergrüppchen – eine Jüdin und eine Muslima treten auf die Bühne in Lindau und erzählen, was ihre Religion zum Frieden zu sagen hat. Ein Christ und die Vertreterin einer indigenen Religion aus Südamerika. Und so weiter. Das multireligiöse Gebet mündet in dem Versprechen, "dass man sich um eine gemeinsame Zukunft kümmern will". Das ist das Motto dieser 10. Weltversammlung der Nichtregierungsorganisation "Religions for Peace".

Schüren Religionen Gewalt oder tragen sie zum Frieden bei?

Dass Religionen nicht überall so harmonieren wie in diesen Tagen in Lindau, wird spätestens deutlich, als John Onaiyekan zu reden beginnt. Der Kardinal stammt aus Nigeria. Hier kommt es immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen. Hier treibt die Terrormiliz Boko Haram ihr Unwesen. Alles im Namen der Religion. Kardinal Onaiyekan setzt sich bei "Religions for Peace" für den Dialog der Religionen in Nigeria ein. "Wir sind fest davon überzeugt, dass Religion für den Frieden da ist und wir erlauben niemals, dass mit ihr Konflikte, Gewalt und Töten gerechtfertigt werden", sagt er.

"Wir erleben immer wieder, dass Religion sich als furchtbare, buchstäblich gnadenlose Macht erweisen kann", sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Eröffnungsrede in Lindau und nennt Nigeria als ein Beispiel für religiös motivierte Konflikte. Wenn Religion eine Quelle für Gewalt und Hass ist, so die Logik der deutschen Außenpolitik, dann ist sie auch ein Teil der Lösung. Religionen könnten "als wirkmächtige und belastbare Förderer des Friedens einen unverzichtbaren und unersetzbaren Dienst an den Menschen leisten". Religions for Peace habe dazu beigetragen, das wieder zu entdecken - "und zwar nicht nur in wohlformulierten Absichtserklärungen, sondern auch im praktischen Alltag, auf regionaler und lokaler Ebene."

Politische oder religiöse Konflikte - wer ist schuld?

Die Politik hat die Religion für sich entdeckt. Doch manchem geht das eine Spur zu weit. Aiman Mazyek vertritt den Zentralrat der Muslime in Deutschland beim Religionsgipfel in Lindau und fragt sich dort: "Welche Erwartungen haben wir als Religionsvertreter an die Politik?" Die Konflikte in der Welt seien in erster Linie politische Konflikte und keine religiösen Konflikte. Die Religionen könnten eine Rolle spielen, im Grunde seien aber sind es politische Konflikte.

Doch Gewalt im Namen der Religion sorgt regelmäßig für Schlagzeilen, wie etwa die Angriffe auf Kirchen in Sri Lanka oder das Massaker in einer Moschee in Neuseeland. In der öffentlichen Wahrnehmung wird Religion oft mit Konflikt und Gewalt assoziiert. Ein verzerrtes Bild, findet Rabbiner David Rosen, Co-Präsident von "Religions for Peace": Noch nie in der Geschichte der Menschheit habe es so viel Zusammenarbeit zwischen den Religionen gegeben wie heute. "Natürlich gibt es auch schlechte Sachen, man sieht sie ja. Aber die Wahrheit ist, dass das eine Winzigkeit ist im Vergleich zu dem, was es an Gutem gibt, das es aber nicht in die Zeitung oder ins Fernsehen schafft."

Dialoge hinter verschlossenen Türen und starke Schlussworte

David Rosen und die Veranstalter dieses Religionsgipfels wollen, dass von Lindau ein anderes Signal ausgeht. Man setzt auf kleine Friedensdialoge hinter verschlossenen Türen und auf eine starke Botschaft am Schluss. In der könnte zum Beispiel stehen, dass sich die Religionsvertreter in Lindau auf einen unbedingten Schutz heiliger Stätten verständigt haben – egal welcher Religion diese gehören.