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Friedberger Corona-Ausbruch: Versäumnisse des Gesundheitsamtes | BR24

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Krankenhaus Friedberg

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Friedberger Corona-Ausbruch: Versäumnisse des Gesundheitsamtes

Sieben Menschen sind nach BR-Recherchen gestorben, nachdem sie sich wohl im Friedberger Krankenhaus mit Corona infiziert haben. Nun steht auch das Gesundheitsamt in der Kritik. Die Leiterin reagierte erst Wochen nach den ersten Fällen.

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Von
  • Andreas Herz

Nosokomiale Infektion: Ein sperriger Begriff, der aber im Gesundheitswesen alle Alarmlampen aufleuchten lässt. Denn er besagt, dass sich Patienten oder Mitarbeiter in einem Krankenhaus zum Beispiel mit einem Virus infiziert haben. Das Krankenhaus wird dann zur Gefahrenzone, gerade in Corona-Zeiten.

Genau das ist in Friedberg offenbar passiert. Wohl schon im November gab es Fälle, in denen sich Patienten und Klinik-Personal im Krankenhaus mit Corona infizieren. Bei zwei oder mehr solcher nosokomialer Infektionen liegt laut RKI ein "Ausbruchsgeschehen" vor, das offiziell gemeldet werden muss.

Das Gesundheitsamt reagiert nicht

Im Fall des Friedberger Krankenhauses passiert das jedoch nicht. Die Leiterin des zuständigen Gesundheitsamtes, Dr. Kirsten Höper, entscheidet sich trotz der stetig steigenden Corona-Infektionen dagegen, ein solches "Ausbruchsgeschehen" offiziell zu melden.

Die von der Pflegedienstleitung geschilderten Maßnahmen "waren ausreichend und der Situation angemessen", schreibt Höper auf BR-Anfrage. Auch der Austausch mit dem Klinik-Geschäftsführer sei "überzeugend" gewesen, so die Amtsleiterin weiter. Es habe einen mit dem Gesundheitsamt abgestimmten Hygieneplan gegeben.

BR-Recherchen zeigen massive Mängel

BR-Recherchen zeigen jedoch, dass es im Krankenhaus massive Mängel gab. Corona-Fälle seien erst gar nicht dahingehend untersucht worden, ob sich die Betroffenen möglicherweise im Krankenhaus infiziert haben. Hinzu kommen Hygiene-Mängel und ein laxer Umgang des Personals mit den Hygiene-Vorschriften.

Welche Versäumnisse das Landesamt für Gesundheit der Klinik vorwirft, können Sie hier nachlesen.

Andere interne Dokumente, die dem BR exklusiv vorliegen, belegen zudem, dass erst am 12. Januar eine Dienstanweisung zum Umgang mit den Covid-Fällen am Friedberger Krankenhaus herausgegeben wurde. Das Landesamt für Gesundheit kritisierte diese Dienstanweisung als "sehr knapp gehalten" und merkte zahlreiche Ergänzungen an. Weder das Krankenhaus noch das Gesundheitsamt wollten sich dazu äußern.

Gesundheitsamtsleiterin schaltet sich in Ermittlungen ein

Im Dezember haben sich im Krankenhaus längst Patienten mehrerer Stationen und Abteilungen infiziert. "Als mehr Fälle auftraten, habe ich mich zunehmend in die Ermittlungen eingeschaltet", erklärt die Gesundheitsamtsleiterin Höper gegenüber dem BR. Doch noch immer meldet ihre Behörde kein offizielles "Ausbruchsgeschehen". Auch die Öffentlichkeit erfährt so nichts.

Meldung und Reihentestung im Januar

Erst am 18. Januar meldet Höper der Regierung von Schwaben offiziell ein "Ausbruchsgeschehen" im Krankenhaus Friedberg. Klinik-Geschäftsführer Dr. Hubert Mayer und Amtsleiterin Höper verabreden sich im Krankenhaus zu einer Begehung. Vorher sei es nicht nötig gewesen, sich vor Ort ein Bild zu machen, schreibt Höper.

Am 28. Januar beginnt eine Reihentestung aller Mitarbeitenden im Krankenhaus. Für zwei Stationen wird ein Aufnahmestopp verhängt. Das Gesundheitsamt meldet in der Folge rund 90 Corona-Fälle. Die Task Force des Landesamts für Gesundheit, die den Ausbruch untersucht, schreibt in dem internen Bericht von sieben Todesfällen.

Interessen-Verquickung bei der Aufklärung?

Die Task Force wurde von Höper hinzugezogen. Pikant: Aus dem Umfeld des Landesamts gibt es Hinweise, dass Höper die Leitung dieser Task Force übernehmen soll. Zumindest sei das bislang der Plan gewesen.

Höper würde also Chefin des Teams, das nun auch ihr Handeln in Friedberg kritisch untersuchen soll. Die Regierung von Schwaben erklärte auf BR-Nachfrage, zu Personalfragen keine Stellung zu nehmen. Fakt ist: Der interne Zwischenbericht der Task Force listet nur Versäumnisse des Krankenhauses auf.

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Eigentlich werden im Friedberger Krankenhaus keine Corona-Fälle behandelt. Doch BR-Recherchen zeigen, dass sieben Menschen gestorben sind, nachdem sie sich wohl in der Klinik infiziert haben. Das Landesamt für Gesundheit sieht massive Versäumnisse.