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© BR/Christian Wagner
Bildrechte: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose

Seit Monaten schwelt in Friedberg bei Augsburg ein Streit um einen Spielplatz. Die Anwohner klagen über Lärm. Aufgebrachte Eltern schimpfen über „Kinderhasser“. Die Lage ist so verfahren, dass der Bürgermeister an keine gütliche Einigung mehr glaubt.

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Friedberg: Zu viel Lärm? Ein Spielplatz spaltet eine Stadt

Seit Monaten schwelt in Friedberg bei Augsburg ein Streit um einen Spielplatz. Die Anwohner klagen über Lärm. Aufgebrachte Eltern schimpfen über "Kinderhasser". Die Lage ist so verfahren, dass der Bürgermeister an keine gütliche Einigung mehr glaubt.

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Von
  • Christian Wagner
  • Roswitha Polaschek

Es ist ein Kindertraum, der da entstanden ist, unterhalb vom Friedberger Schloss: Die Hauptattraktion ist ein acht Meter hoher Holzturm, hinunter kommt man durch die glänzende Rutschen-Röhre. Außerdem gibt es moderne Spielgeräte, Schaukeln und jede Menge Sand. Deshalb sind auf dem Spielplatz keineswegs nur Friedberger mit ihren Kindern.

Ein Paar sagt, es würde den ganzen Tag dort verbringen. Und dabei schauen die beiden auf die Wohnhäuser links und rechts. Ihnen ist bewusst, wo hier das Problem liegt. Der Spielplatz liegt sehr nah an den Häusern und er ist so beliebt, dass dort manchmal mehr als 100 Kinder spielen.

Spielplatz-Anwohner beschweren sich über massive Rücksichtslosigkeit

Einige Friedberger fragen dagegen argwöhnisch, warum der Spielplatz denn so von Interesse sei. Mit dem Reporter reden wollen sie nicht. Stattdessen schimpfen sie über Schilder und Transparente der Stadt. "Seid leise, nehmt Rücksicht" steht darauf. Klaus Gold ist einer der Anwohner. Seine Familie wohnt seit 17 Jahren neben dem Spielplatz, der im vergangenen Jahr aufgemotzt worden sei zu einem Abenteuerspielplatz, wie er klagt. Was er an Nebenwirkungen schildert, ist mal unappetitlich, mal nervenaufreibend: "Uns wird Schmutz auf das Grundstück geschmissen, Hundekot oder eben auch Dosen, die hineingeschmissen werden, Flaschen."

Eltern beschimpfen Spielplatz-Anwohner

Unerträglich sei es geworden, sagen auch andere Nachbarn. Einer, der anonym bleiben will, um seine Familie zu schützen, hat tagein tagaus unangenehme Begegnungen: "Wir sollen wegziehen. Was uns eigentlich einfällt, die Kinder hier anzufeinden. Und es wird an die Grundstücksgrenze uriniert, es werden Gegenstände über den Zaun geworfen. Es fehlt die Rücksichtnahme und der Respekt gegenüber den Anwohnern. Die eigenen Kinder können abends nicht mehr vor 20 Uhr ins Bett gehen."

Bürgermeister und Spielplatz-Anwohner sind komplett zerstritten

An den Bürgerbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung haben sich einige Anwohner gewandt, in der Hoffnung, er könne vermitteln. Denn der Friedberger Bürgermeister, Roland Eichmann von der SPD, rede ja nicht mehr mit ihnen. Eichmann sagt dazu: "Die Anwohner wollen alles auf einmal: Maßnahmen umsetzen, wieder reden, nochmal reden, dann die Bürgerbeauftragten einschalten, für was auch immer, und dann auch noch mit Anwaltschreiben drohen, dass man hier die Baugenehmigung beklagt."

Der Bürgermeister verteidigt den Spielplatz

Man habe doch Nachbesserungen beschlossen, sagt der Bürgermeister, eine Hecke soll Sichtschutz bieten, die Rutschen-Röhre bekommt eine ziemlich teure Schalldämmung. Dass der nun viel größere Spielplatz, dass das aufgeschüttete Hang-Areal eine Fehlplanung sein könnte, lässt der SPD-Politiker nicht gelten: "Das ist für uns ein attraktiver wohnortnaher Spielplatz, hier war der schon seit 40 Jahren mindestens, was wir wissen. Wir haben ihn halt sehr viel attraktiver gemacht. Und die Folge davon ist jetzt für die Anwohner sehr spürbar, das streite ich gar nicht ab. Aber das zu lösen, ist sehr schwierig."

Auf dem Spielplatz sind es dann die Eltern aus Neusäß oder Gersthofen, die meinen: Ihr in Friedberg müsst miteinander reden. Anders geht’s nicht.

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