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#FridaysForFuture-Demo von Schülern in München
© pa / dpa /Sachelle Babbar

Autoren

Katharina Häringer
BR24 Redaktion
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#FridaysForFuture-Demo von Schülern in München

Schon seit mehreren Wochen steht der Freitag bei vielen bayerischen Schülern im Zeichen des Klimaschutzes. Unter dem Hashtag #FridaysForFuture verabreden sie sich über Whatsapp-Gruppen zu Demos. Sie lassen den Unterricht Unterricht sein und gehen stattdessen auf die Straße, um für eine saubere und lebenswerte Zukunft zu protestieren. Dem Aufruf folgen immer mehr junge Menschen.

Große Resonanz in Ostbayern

In Regensburg demonstrierten rund 1.000 Teilnehmer. Sie machten sich auf dem Neupfarrplatz für die Energiewende, den Kohleausstieg, den Artenschutz und gegen Plastikmüll stark. Etwa 1.500 Schülerinnen und Schüler sind in Passau auf die Straße gegangen. Die Resonanz dort hat selbst die Organisatoren überrascht. Man habe höchstens mit 200 bis 300 gerechnet, hieß es.

In Landau an der Isar sprach die Polizei von 200 Demonstranten. Dort war auch der Bundestagsabgeordnete Florian Pronold (SPD) vor Ort. Er bedankte sich bei den Schülern und sagte es sei unheimlich wichtig, dass aus der Jugend heraus in die Politik das Signal kommt: Wir wollen Klimaschutz. Auch in Amberg und Cham protestierten heute junge Menschen für den Klimaschutz.

Garmisch-Partenkirchen: Demo nach Schulschluss

Den Schülern in Garmisch-Partenkirchen ist die Umwelt ebenfalls wichtig. Allerdings schwänzten sie dafür nicht, sondern 1.300 Jugendliche versammelten sich erst nach der sechsten Stunde zu einer Kundgebung auf dem Richard-Strauß-Platz.

"Wir lassen uns nicht vor den Karren der Münchner Freitags-Demonstration spannen", sagen die Schülersprecher des Werdenfels-Gymnasiums, Oliver Kühle und Sandro Thiele, sie haben gemeinsam mit der Schulleitung ein eigenes Protest-Konzept entwickelt. Auch Schulen in Ettal und Murnau machen mit bei der Demo nach Schulschluss.

Schulleiter verständnisvoll

Viele Schulleiter zeigen sich gegenüber den Schulschwänzern kulant. Vorausgesetzt, es geht den Schülern wirklich um Umweltschutz. Im Adalbert-Stifter-Gymnasium Passau gibt es eigene Entschuldigungsformulare. Bringen Schüler sie mit der Unterschrift der Eltern mit, dürfen sie nach der vierten Stunde die Schule verlassen und auf die Demo gehen, erzählt Schulleiter Guntram Kraus.

Mehrere Schülerdemos für Klimaschutz in Ostbayern

Mehrere Schülerdemos für Klimaschutz in Ostbayern

Am Auersperg-Gymnasium Passau-Freudenhain fragen Schüler ihren Rektor persönlich um Erlaubnis. Der lässt sie ziehen, wenn er echtes Engagement sieht. Zudem plädiert er für vertiefende Diskussionen im Unterricht. "Die Schüler müssen verstehen, was eine neue Klimapolitik für ihr Leben bedeutet: Zum Beispiel dass die Abifahrt dann nicht mit dem Flugzeug gemacht werden kann", so Christian Zitzl.

Keine Vorgaben durch Kultusminister Piazolo

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) will den Schulen weiterhin freie Hand lassen im Umgang mit den Klimademonstrationen von Schülern. Es sei "nicht der richtige Weg", hier eine einheitliche Linie vorzugeben, "weil die Verhältnisse vor Ort ja auch unterschiedlich sind", sagte Piazolo im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. "Gerade die Schulleiterinnen und Schulleiter, die da in der Verantwortung stehen und auch ein entsprechendes Ermessen haben, die kennen natürlich ihre Schüler, die kennen auch die Eltern vor Ort, und die wissen am besten, wie man damit umgeht."  Der Minister verwies auf "sehr gelungene Beispiele" und  "pädagogische Möglichkeiten, damit umzugehen". Auch Verweise zu erteilen, sei hierbei "eine Möglichkeit, selbstverständlich". 

Piazolo: Streiks auch außerhalb der Unterrichtszeit möglich

Eine Befreiung von der Schulpflicht für eine "politische Veranstaltung" während der Unterrichtszeit ist nach Piazolos Worten nicht möglich, auch nicht zentral durch das Kultusministerium: "Das würde ja bedeuten, dass wir dann bewerten: Was ist politisch gut, welche Demonstration ist gut, welche ist schlecht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das auch gewollt ist, dass wir hier eine entsprechende Bewertung über die Qualität von politischen Aktionen abgeben." Grundsätzlich freue es ihn, so Piazolo, "wenn Schülerinnen und Schüler sich mit Politik, mit politischen Themen auseinandersetzen". Aber er habe sich auch immer an die Schulpflicht erinnert und dann gesagt: "Man kann auch außerhalb der Unterrichtszeit streiken."  

Klima-Ikone Greta Thunberg aus Schweden

Die internationale Protestbewegung FridaysForFuture kommt aus Schweden und verbreitet sich seit mehreren Wochen auch in Deutschland. Die Ikone der Bewegung ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg. Sie schwänzt seit vergangenem August jeden Freitag und sitzt als Zeichen des Protests vor dem Reichstag in Stockholm.

Greta Thunberg ist auf der Klimakonferenz aufgetreten

Sie will erreichen, dass Schweden und auch andere Länder stärker gegen den CO2-Ausstoß vorgehen, und dass das Bekenntnis zum Klimaabkommen von Paris eingehalten wird.

Berühmt wurde die 16-Jährige durch ihre Auftritte bei der Klimakonferenz in Kattowitz und beim Weltwirtschaftsforum in Davos, wo sie Toppolitikern und Topmanagern einen zu lahmen Einsatz fürs Klima vorwarf.