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Aktivistin nimmt Umweltminister in die Pflicht | BR24

© BR/Petr Jerabek

"Fridays for Future": Studentin Wüst gibt Minister Glauber Kontra

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Aktivistin nimmt Umweltminister in die Pflicht

Freundlich im Ton, klar in der Sache - beim ersten Treffen mit Bayerns Umweltminister Glauber macht "Fridays for Future"-Sprecherin Wüst klar: Die Jugend wird nicht ruhen, bis die Politik handelt. Heute wollen wieder Tausende auf die Straße gehen.

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Der Minister ist in Eile, müsste eigentlich schon längst wo anders sein. "Ich hab Druck", sagt Thorsten Glauber (Freie Wähler). Als dann Ramona Wüst vor ihm steht, lässt sich der bayerische Umweltminister aber nichts anmerken, lächelnd schüttelt er ihre Hand, nimmt sich Zeit. Die 25-Jährige ist politische Sprecherin der "Fridays for Future"-Proteste in München. Vor der neuen Runde der weltweiten Klimaschutzdemonstrationen von Schülern und Studenten ist Glauber erstmals persönlich mit einer Aktivistin zusammengetroffen - zum Streitgespräch für das B5-Thema des Tages.

Es ist für beide Seiten ein Vorgeschmack auf die beiden Jugend-Klimakonferenzen, zu denen Glauber für den 29. März in Erlangen und 5. April in München eingeladen hat. Beide nutzen das Treffen für eine klare Botschaft: Der Minister zeigt sich gesprächsbereit und verständnisvoll - die Aktivistin demonstriert Entschlossenheit, nicht lockerzulassen.

Zweifel der Klimaaktivistin an der Politik

Ramona Wüst tritt dem Minister freundlich, aber selbstbewusst entgegen - und wirft der Politik gleich einmal gravierende Versäumnisse vor. "In den letzten Jahren hat sich viel zu wenig getan", beklagt die 25-jährige, die in München Umweltingenieurwesen studiert. "Das zeigt sich auch vor allem daran, dass wir die Klimaschutzziele 2020 stark verfehlen werden. Und da muss natürlich nachgebessert werden."

Auch wenn sie dem bayerischen Umweltminister "ambitionierte Ziele" attestiert, so hat Wüst doch "große Zweifel" daran, dass die Politik die Belange der jungen Demonstranten wirklich ernst nimmt. Denn bisher sei noch nichts passiert.

Glauber lobt Engagement der Jugendlichen

Der Minister betont mehrfach seine Sympathie für die #FridaysForFuture-Proteste der Schüler und Studenten. "Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Jugendlichen auf die Straße gehen", versichert er. "Man wirft den Jugendlichen vor, dass sie nicht politisch genug engagiert sind. Jetzt sind sie politisch engagiert, jetzt bringen sie ihre Meinung jeden Freitag auf die Straße." Und wenn er daran denke, wie die 68er-Generation demonstriert habe - "da sind unsere Jugendlichen heute mehr als angenehm und friedlich".

Es sei für ihn daher eine Selbstverständlichkeit, den Aktivisten zuzuhören und ihre Wünsche und Vorschläge aufzunehmen. "Anders als manch anderer Politiker in Deutschland halte ich es für dringend geboten, dass wir uns zusammensetzen", sagt er auch mit Blick auf die geplanten Jugend-Klimakonferenzen.

Aktivistin erinnert Minister an den Koalitionsvertrag

Wüst begrüßt zwar die geplanten Gespräche, doch das reicht ihr nicht. Die 25-Jährige verlangt von Glauber zugleich auch mehr Tempo bei konkreten politischen Schritten. "Wir brauchen ein Klimaschutzgesetz in Bayern, das steht auch im Koalitionsvertrag", betont sie. "Wir setzen uns klar dafür ein, dass es eigentlich noch 2019 kommen muss, damit wir wirklich schnell etwas reduzieren können." Ohne einen Vorstoß der Politik werde es nicht gelingen, die Schadstoff-Emissionen schon im nächsten Jahr maßgeblich zu senken.

Glauber zu bayerischem Klimaschutzgesetz: "Entwurf liegt vor"

CSU und Freie Wähler hatten in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, ein bayerisches Klimaschutzgesetz zu schaffen. "Hier wollen wir konkrete CO2-Ziele verankern", heißt es in dem Papier. "Unser Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen in Bayern bis 2050 auf unter zwei Tonnen je Einwohner und Jahr zu reduzieren.".

Glauber versichert, er habe gleich nach Unterzeichnung des Koalitionsvertrags mit der Arbeit an dem Gesetz begonnen. Ein Entwurf liege schon vor, müsse nun aber noch mit anderen Ministerien abgestimmt werden.

"Wir haben sehr lange darauf gewartet, dass auf der Bundesebene etwas erstellt wird - denn Bundesrecht sticht Landesrecht." Leider bestehe auf Bundesebene aber noch keine Einigkeit. "Damit müssen wir in Bayern in den Prozess eintreten."

Auf eine konkrete Zeitangabe mag sich der Minister dabei aber nicht festlegen - obwohl ihn die Studentin konkret danach fragt.

Politik "sollte möglichst schnell etwas machen"

Wüst macht deutlich, dass sich die "Fridays for Future"-Demonstranten mit Ankündigungen und bloßen Versprechen nicht abspeisen lassen. "Erst wenn wirklich Dinge passieren und zwar spürbar, werden wir aufhören, zu demonstrieren", betont die Studentin. "Wenn die Politik will, dass wir wieder zur Schule oder in die Uni gehen, dann sollte sie möglichst schnell etwas machen."

Appell an Erwachsene

Von den Erwachsenen wünscht sie sich neben Lob für das Engagement der Schüler und Studenten auch konkrete Unterstützung für #FridaysForFuture. "Wir riskieren sehr viel, indem wir die Schule nicht besuchen oder das Lernen sein lassen und deshalb schlechtere Noten haben. Und deshalb müssen jetzt auch die Erwachsenen nachziehen."

Irgendwann muss Glauber dann doch schnell weiter - zu seinem nächsten Termin. Wüst zeigt sich nach ihrem ersten Gespräch mit einem Politiker insgesamt zufrieden. Was Glauber sage, klinge gut, konstatiert sie. Auf die Klimakonferenzen wollen sich die jungen Menschen dennoch akribisch vorbereiten - und den Minister dort mit konkreten Positionen konfrontieren.

© BR

Das B5-Streitgespräch in voller Länge - Glauber, Wüst und B5-Moderator Björn Dake