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Fridays for Rathaus: Klimaliste Erlangen will in den Stadtrat | BR24

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In Erlangen wollen die Aktivisten ins Rathaus. Sie haben die Klimaliste ins Leben gerufen, mit der sie als bundesweit erste Fridays-Gruppe in die Politik gehen wollen.

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Fridays for Rathaus: Klimaliste Erlangen will in den Stadtrat

Auch in Erlangen wird wieder fürs Klima demonstriert. Aber hier wollen die Aktivisten auch ins Rathaus. Sie haben die Klimaliste ins Leben gerufen, mit der sie als bundesweit erste Fridays-Gruppe in die Politik gehen wollen.

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Arbeitstreffen der Erlanger Klimaliste. Seit gut einer Stunde diskutieren zwei Dutzend Klimaaktivisten aller Altersgruppen über ihr Wahlprogramm. Die Teilnehmer machen bei Fridays for Future, Parents for Future, Ende Gelände und anderen Gruppen mit, die sich für ein besseres Klima einsetzen. Sie wollen aber nicht nur an den Freitagen demonstrieren. Sie wollen bei der Stadtratswahl im März ins Erlanger Rathaus einziehen. Was derzeit in Erlangen in Sachen Klimaschutz getan werde, reiche nicht aus, sagt Sebastian Hornschild.

"Wir brauchen deutlich konsequentere Klimaschutzmaßnahmen, auch für Erlangen. Wir müssen bis 2025 klimaneutral werden, und deswegen möchten wir ins Rathaus einziehen." Sebastian Hornschild, Klimaliste Erlangen

Die Erlanger Klimaliste will Vorreiter sein. Sie ist bundesweit wohl die erste Gruppe aus der Fridays for Future-Bewegung, die in die Kommunalpolitik einsteigen will. Ihre erste Forderung hat die Klimaliste schon mal gestellt. In einem offenen Brief fordert sie die Erlanger Stadträte auf, bereits heuer mindestens 20 Millionen Euro für den Klimaschutz im Haushalt einzuplanen, sagt Sebastian Hornschild.

"Wir sehen viele Defizite, viele Bereiche, wo wesentlich mehr passieren muss. Die Haushaltssituation ist durchaus gut. Und deswegen wollen wir Erlangen zur klimafreundlichsten Stadt Deutschlands machen." Sebastian Hornschild, Klimaliste Erlangen

Noch ist die Klimaliste ganz am Anfang, noch ist sie nicht zur Wahl zugelassen. Doch die gesetzlichen Hürden sind aus Sicht der Initiatoren zu schaffen. Sie benötigt 340 Unterstützer-Unterschriften, um die kommunale Wahlliste anzumelden.

Neue Liste mischt die Stadtpolitik auf

Allein schon mit der Ankündigung, bei der Wahl anzutreten, haben die Aktivisten die Stadtpolitik bereits kräftig aufgemischt. Konkurrenz ist die neue Liste vor allem für die Grünen. Susanne Lender-Cassens von der grünen Liste ist Bürgermeisterin in Erlangen. Bei der Wahl im März will sie Oberbürgermeisterin werden – und sagt, dass die eigentliche Klimaliste ja die Grünen seien.

"Tatsächlich haben wir unter den ersten zehn Kandidierenden für unsere Liste zwei aus der Fridays-for-future-Bewegung." Susanne Lender-Cassens, Grüne Liste, Bürgermeisterin Erlangen

In Erlangen bestimmen die Klimaproteste seit Monaten die Politik. Der Stadtrat hat sogar den Klimanotstand ausgerufen. Die Fridays-for-Future-Bewegung könnte zu einem ernst zu nehmenden Akteur in der Kommunalpolitik werden, sagt die Politologin Ursula Münch. Zumindest in Städten wie Erlangen.

"Natürlich gibt’s auch die Grünen, die ja bereits hier aktiv sind. Aber trotzdem, diese Fridays for Future sprechen vor allem jungen Leute an. Da ist eine Mobilisierung da." Prof. Ursula Münch, Direktorin Akademie für Politische Bildung

Von dieser Stimmung will die Klimaliste für ihren Wahlkampf profitieren. Schon jetzt sieht Karim Abu-Omar, der am Programm mitarbeitet, Auswirkungen auf die gesamte Politik im Erlanger Rathaus. Die etablierten Parteien würden nervös.

"Wir werden den ganzen Wahlkampf nur um das Themas Klima bestreiten. Und dann werden wir die anderen Parteien auf unseren Weg zwingen, nämlich über Klima und Klimaschutz zu reden." Karim Abu-Omar, Klimaliste Erlangen

Der Erlanger Physikprofessor Martin Hundhausen redet seit Jahren über Klimaschutz. Er ist nicht nur einer der Motoren hinter der Klimaliste. Er initiiert auch den Bau von Solaranlagen. Und macht sich dafür stark, dass die Stadt Erlangen dafür künftig mehr Fördergeld für Photovoltaik ausgibt. Mit zwei Millionen Euro könnte eine Leistung von etwa zehn Megawatt pro Jahr installiert werden.

"Das ist das, was wir für einen engagierten Ausbau der Photovoltaik brauchen." Prof. Martin Hundhausen, Klimaliste Erlangen

Denn das Ziel der Klimaliste ist nicht nur, dass sie in den Stadtrat kommt. Sie will, dass künftig 20 Prozent des in Erlangen verbrauchten Stroms aus Sonnenenergie erzeugt wird. Derzeit sind es nur drei Prozent.