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Freyung: "Bunte Schüler" gegen Fremdenhass | BR24

© BR/Katharina Häringer

Alkoholisierter Raser klaut Blitzgerät

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Freyung: "Bunte Schüler" gegen Fremdenhass

Für Offenheit und gegen Fremdenhass haben rund 1.600 Schüler aus Freyung ein Zeichen gesetzt: Sie haben ihre bunten Ordner und Hefte über ihre Köpfe gehalten. Freyungs Schulen sind tolerant - das soll die Botschaft sein.

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Es ist die letzte Schulstunde. Doch statt Latein, Deutsch oder Mathe steht in Freyung etwas ganz anderes auf dem Stundenplan: Einstehen für die Werte des Grundgesetzes, ein Zeichen für Toleranz und Offenheit und gegen Rassismus setzen.

Hunderte Schüler und Lehrer aus Mittelschule, Realschule und Gymnasium, selbst ein paar Grundschüler, die heute Wandertag hatten, gingen dazu ins Stadion. Und sie alle hielten ihre bunten Ordner, Hefte und Regenschirme über ihre Köpfe. Freyungs Schulen sind tolerant - das soll die Botschaft sein.

Zehn Minuten gegen Rassismus

Als vor wenigen Wochen eine AfD-Kundgebung samt Gegendemo in Freyung stattgefunden hatte, erinnerten sich einige Schüler an die "Wir sind bunt"-Aktion von damals und wollten sie jetzt wiederholen: anlässlich des Tags der Deutschen Einheit.

Hässliche Schmierereien an der Mauer

Ein großes buntes Bild ist entstanden und zeigt: An den Schulen in Freyung wird Toleranz und Vielfalt gelebt. Bereits vor dreieinhalb Jahren gab es so eine Aktion am Gymnasium in Freyung. Anlass waren damals rechte Schmierereien an den Wänden des Schulgebäudes. Aus konkretem Anlass, erinnert sich Rektorin Barbara Zethner und schaut auf den Pausenhof:

"Wir haben hier an der Natursteinmauer ganz hässliche Schmierereien gehabt, wie ´Ausländer raus`, ´Deutschland den Deutschen`. Was mich sehr mokiert hat, war, dass einige Rechtschreibfehler drin waren. Nicht mal so ordentlich. Dann hat die Schulgemeinschaft beschlossen, wir machen eine Aktion dagegen, wir distanzieren uns. Wir schreiben: das Gymnasium Freyung ist bunt." Barbara Zethner, Schulrektorin

Heute gibt es keinen Vorfall wie damals. Aber die Schüler sind seitdem für das Thema Fremdenfeindlichkeit sensibilisiert. Der Ton in unserer Gesellschaft wird immer rauer. Und auch Fremdenfeindlichkeit ist in einigen Kreisen fast schon salonfähig, finden Schüler aus Freyung und wollen klar zeigen: Wir sind tolerant und bunt.

Aktion "Wir sind bunt" groß aufziehen

Doch als einzelner für diese Werte einzustehen, ist gar nicht so einfach, finden die Jugendlichen. Da wird man schnell überhört oder nicht ernst genommen, sagt die 16 Jahre alte Lena:

"Nur als Gemeinschaft kann man heutzutage zeigen, wie wichtig das überhaupt ist." Lena, Schülerin

Ein paar Schüler entwickeln die Idee, die "Wir sind bunt"-Aktion diesmal groß aufzuziehen. Sie schreiben Politiker an, gewinnen den Landrat als Schirmherr und überzeugen Rektorin Barbara Zethner.

"Unsere Jugendlichen haben ihre eigene Meinung, ihren eigenen Willen. Ich finde das gut, dass sie eine Möglichkeit kriegen, ihre Meinung zu äußern. Deswegen unterstütze ich die Aktion." Barbara Zethner Schulrektorin

Schüler sind auf Kritik gefasst

Dass ihre Aktion nicht nur Lob ernten wird, ist den Schülern klar. Auf Kritik, vor allem im Netz, sind sie gefasst, sagen Maximilian und Lena: "aber durch das, dass wir so viele Schüler, Politiker, Schulleiter, es sind viele Leute, die dahinter stehen. Wir werden es überleben, weil wir wissen, wir verteidigen die richtigen Werte. Es wird in sozialen Medien eh viel kritisiert. Es ist nichts Neues für uns. Weil wir so viele sind, Es kann nicht den einzelnen Treffen, sondern eine Gemeinschaft, die zusammenhält."