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Freude in Vilseck über Kongress-Einigung zu Truppenabzug | BR24

© BR/Margit Ringer

Hoffnung für Vilseck, Grafenwöhr und Hohenfels: der US-Kongress will den Truppenabzug aus Deutschland stoppen. In Vilseck herrscht Freude über die Entscheidung, auch der bayerische Wirtschaftsminister Aiwanger zeigt sich erfreut.

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Freude in Vilseck über Kongress-Einigung zu Truppenabzug

Hoffnung für Vilseck, Grafenwöhr und Hohenfels: der US-Kongress will den Truppenabzug aus Deutschland stoppen. In Vilseck herrscht Freude über die Einigung, auch der bayerische Wirtschaftsminister Aiwanger zeigt sich erfreut.

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Von
  • Margit Ringer
  • Michael Buchner
  • BR24 Redaktion

In Vilseck im Landkreis Amberg-Sulzbach ist die Freude groß: Demokraten und Republikaner im US-Kongress haben sich in der Nacht darauf geeinigt, dass der geplante Teilabzug der US-Truppen aus Deutschland vorerst gestoppt wird.

Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl (Freie Wähler) sagte dem BR, das sei das größte Weihnachtsgeschenk für die Stadt Vilseck. Man habe natürlich gehofft und letztendlich gewünscht, dass nach der Wahl mit dem neuen Präsidenten ein Neubeginn der deutsch-amerikanischen Beziehungen stattfinden werde.

Abzug hätte enorme Folgen für Vilseck

Ein Grobkonzept aus dem Pentagon und von US-Präsident Donald Trump sieht vor, dass 4.500 Soldaten die Kleinstadt Vilseck verlassen sollen. Das hätte enorme Auswirkungen auf die ganze Region, vor allem wirtschaftlich. Insgesamt sind gut 13.000 US-Soldaten in der Oberpfalz stationiert. Im Gespräch war auch, dass weitere 1.000 Soldaten den Standort Grafenwöhr verlassen sollen.

Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist der größte Übungsplatz der US-Armee außerhalb der USA und auch der modernste, wie Kommunalpolitiker und US-Militärs immer wieder betonen. Er umfasst zwei Kasernen, nämlich in Grafenwöhr und in Vilseck. Ein Teilabzug würde die ganze Region betreffen, in erster Linie den Wohnungsmarkt, aber auch über 3.000 Arbeitsplätze von Deutschen auf dem Übungsplatz. Außerdem fehle dann ein großer Teil der Kaufkraft der Amerikaner. Zu den 4.500 Soldaten in Vilseck gehören nämlich zusätzlich 9.000 Familienangehörige. Insgesamt leben mehr als 40.000 Amerikaner in der Oberpfalz.

Aiwanger begrüßt Entscheidung des US-Kongresses

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat die Entscheidung des US-Kongresses ebenfalls begrüßt, den geplanten Truppenabzug aus Deutschland vorerst zu blockieren. Ein Stopp des Abzugs wäre eine "gute Nachricht für die Oberpfälzer Truppenübungsplatz-Region", so Aiwanger. Die US-Militärstützpunkte Vilseck, Hohenfels und Grafenwöhr generierten jedes Jahr eine zusätzliche Kaufkraft von rund 800 Millionen Euro für die Region. Die Entscheidung sei wichtig für den Erhalt der rund 3.300 zivilen Arbeitsplätze.

Man könne vorerst aufatmen, "trotzdem muss sich die gesamte Region künftig wirtschaftlich breiter aufstellen, um die einseitige Abhängigkeit von der Truppenstationierung zu verringern", erklärte der bayerische Wirtschaftsminister.

Deutschland weiter starker Nato-Partner

Militärisch mache der Teilabzug keinen Sinn, das habe der frühere Oberkommandierende der US-Armee in Europa, Ben Hodges, im Sommer gesagt, sagt Bürgermeister Schertl. Ähnliche Signale empfange er auch von den Generälen auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

Auch der Kongress hatte in der Nacht in seinem Gesetzentwurf für dem Verteidigungshaushalt 2021 geschrieben, dass Deutschland weiterhin ein starker Nato-Partner sei und die insgesamt 34.500 US-Soldaten in Deutschland als wichtige Abschreckung dienen würden für Aggressionen und Expansionsbestrebungen Russlands in Europa.

US-Armee investiert weiter in Truppenübungsplatz

Der Teilabzug war bislang ein Grobkonzept und eine politische Willensäußerung des US-Präsidenten Donald Trump. Der ehemalige Verteidigungsminister Marc Esper hatte es Ende Juli im Pentagon verkündet. Inzwischen gibt es einen neuen US-Verteidigungsminister, dessen Amtszeit aber im Januar enden wird, sobald der gewählte Präsident Joe Biden im Amt ist.

Die US-Soldaten üben in der Oberpfalz in großen multinationalen Trainings im Rahmen der Nato mit Soldaten aus über 20 Nato-Partnerländern. Außerdem investiert die US-Armee weiterhin zig Millionen Euro in den Ausbau des Truppenübungsplatzes, zum Beispiel in den Neubau einer Grundschule sowie in Wartungshallen für Fahrzeuge oder auch Neubauten und Sanierungen von Unterkunftsgebäuden.

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