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Fahrradfahrer in München

Bildrechte: pa/dpa Themendienst/Tobias Hase
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Freizeitradeln als Türöffner für den Alltagsradverkehr

Den Radanteil zu steigern ist erklärtes Ziel in Bayern. Doch was bringt die Verkehrswende voran und was können Gemeinden tun. Das haben Expertinnen und Experten beim Fachtag Radverkehr in München diskutiert. Ihr Tipp: vom Freizeitverkehr lernen.

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Anton RauchAnton RauchBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Der Radverkehr in Bayern bekommt derzeit einen Schub in vielen Städten. Doch es fehlt noch weit, bis das Ziel von 20 Prozent Anteil des Radverkehrs an allen Wegen erreicht ist, wie es der Freistaat bis 2025 als Ziel ausgerufen hat. In München hat die achte Fachtagung Radverkehr heute diskutiert, wie der Radverkehr in den Bayerischen Gemeinden nach vorne gebracht werden und wie der Alltagsverkehr vom Freizeitverkehr profitieren kann.

Andere Bedürfnisse für Alltagsradler - engmaschiges Netz

Vom Touristischen Verkehr für den Alltagsverkehr mit dem Rad lernen – heißt auch Geld ausgeben für gute Beschilderung etwa so Helmut Neuweg, der Radverkehrsbeauftragte und frühere Bürgermeister von Hilpoltstein Helmut Neuweg. Er vergleicht den fränkischen Wasser-Radweg - der schöne Ausblicke bietet, Steigungen hat - mit den Anforderungen, die Alltagsradler stellen, denen es vor allem darum geht, schnell von A nach B zu kommen – zur Arbeit, zur Ausbildung oder zum Einkaufen. Da muss es "brettel-eben" sein, sagt der Franke, "damit auch ein Kasten Bier nicht durchgeschüttelt wird".

"Alltagsradler erwarten kurze, engmaschige Radverkehrsnetze, während Freizeitradler abwechslungsreiche Wege abseits des motorisierten Verkehrs bevorzugen." Das hat auch eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ADFC ergeben.

Gute Ausschilderung wichtig und breite Radwege

Der Radweg von Hilpoltstein zum Rothsee wird verbreitert, die vorbereitenden Arbeiten dazu haben schon begonnen. Das Radwegenetz entlang von Bundes und Staatsstraßen in Bayern wächst um rund 100 Kilometer pro Jahr, sagt Amelie Ganselmeier vom Bayerischen Verkehrsministerium. Beim Radwegebau erstatte der Freistaat bis zu 80 Prozent der Kosten. Trotzdem gibt es noch nicht einmal an der Hälfte aller Staatstraßen auch einen Radweg.

Problem für neue Radwege ist oft der Grundstückserwerb

Die größte Herausforderung beim Radwegebau ist es laut Amelie Ganselmeier, die Eigentümer zum Abtreten der Grundstücke zu bewegen. Dennoch werden überall im Freistaat Fahrradabstellanlagen gebaut, es gibt Fahrradverleih-Projekte und große Beschilderungsaktionen. Der Fürther Landrat Matthias Dießl ist Vorsitzender des Arbeitskreises fahrradfreundlicher Kommunen, die den Fachtag Radverkehr veranstaltet hat. Er spricht von einem merkbaren Schub für Radinvestitionen in letzter Zeit. "Damit das Fahrrad genutzt wird, braucht es Sicherheit, gute Infrastruktur gute Radwege breite Radwege, um insgesamt ein gutes Klima zu schaffen, und das nimmt zu - die Kommunen nutzen ihre Möglichkeiten."

Oft hapert es bei den Gemeinden

Dießl räumt auch ein, dass viele Gemeinden in Bayern mit der Planung gar nicht nachkommen und es nicht schaffen die Radverkehrsfördermittel abzurufen. Eröffnet wurde die Fachtagung mit einem Video-Grußwort von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). "Das Fahrrad ist ein Verkehrsmittel mit Zukunft", betonte Bernreiter, denn "es ist gesund und schont unsere Umwelt. Und gerade auf kurzen und mittleren Strecken ist das Fahrrad oft das schnellste Verkehrsmittel."

Das Verkehrsministerium erstellt derzeit das Radverkehrsnetz Bayern, als "landesweites Netz für den Radverkehr". In einem Vortrag präsentierte das Verkehrsministerium den "Radroutenplaner Bayern" als Angebot für Alltags- und Freizeitradfahrende.

Radverkehrszuwachs vor allem in den Städten

Vor allem in den Städten steigen immer mehr Menschen aufs Rad – gerade an schönen Tagen wie diesen. Das Wetter spielt eine große Rolle. München etwa liegt mit rund 18 Prozent der täglichen Wege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden schon recht gut. Laut Mobilitätsreferat hat München verglichen mit anderen deutschen Großstädten den höchsten Radverkehrsanteil. Doch das wird schon schnell nach der Stadtgrenze schlechter.

Die Geschäftsführerin der "Nordallianz" die die Gemeinden zwischen der nördlichen Stadtgrenze von München und dem Flughafen umfasst, Anna-Laura Liebenstund, sagte BR24, dass es unerträglich sei, dass allein in dem kleinen Bereich 100.000 Pendler mit dem Auto unterwegs sind, währen die S-Bahn zum Teil überfüllt, aber insgesamt zu wenig attraktiv sei. Sie regte Marketing und Werbemaßnahmen an. So sei es zum Beispiel in den Niederlanden völlig selbstverständlich, dass Klappräder in der Bahn mitgenommen werden. Am Zielort angekommen werden die ausgepackt entfaltet und dann radeln auch Manager die letzten Kilometer. So etwas sei beim MVV noch ganz unüblich.

Fast zweimal so viele Fahrräder wie Autos in Bayern

Der Mobilitätsmanager der Stadt Lindau baut den Bodenseeradweg aus. Dort werden auch bestehende Radwege breiter gemacht und sollen einen besseren Standard bieten, so Jaime Valdez Valverde. Er konnte schildern, dass auch landwirtschaftliche Wege von Freizeitradlern und Touristen gerne benutzt werden.

Eine Erkenntnis der Fachtagung im Münchner Künstlerhaus war, dass für aktuelle Baumaßnahmen eigentlich genug Geld da ist. Vernetzung ist nötig zwischen Gemeinden. Der Vortrag des Anwalts Simon Kase ging um die verschiedenen rechtlichen Möglichkeiten zum Beispiel die Gründung eines Zweckverbandes.

Es kommt bei allen Maßnahmen auf die Gegebenheiten an. So mache zum Beispiel ein Fahrrad-Leihsystem wie Call a Bike oder MVG-Rad in einer Stadt Sinn, aber nicht auf dem Land. Insgesamt viel positive Stimmung. Bernadette Felsch vom ADFC Bayern setzt einige Hoffnung darauf, dass viele Menschen, die in der Freizeit Radtouren machen, auch im Alltag aufs Rad setzen.

In Bayern gibt es derzeit laut Statistik etwa 13 Millionen Fahrräder – also fast doppelt so viele wie Autos.

Diskussion auf der Fachtagung Radverkehr im Münchner Künstlerhaus. Eingeladen hatte auch die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen.

Bildrechte: AGFK/Lukas Barth-Tuttas

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