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Bildrechte: Allgäu Skyline Park

Auch die Freizeitparks des Landes bekommen die Corona-Pandemie zu spüren. Einige nutzten den Lockdown, um Investitionen zu tätigen. Doch klar ist: Viele stecken in der Krise. Obendrein sehen sie sich gegenüber Kinos und Zoos steuerlich benachteiligt.

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Freizeitparks in der Corona-Krise: Zwischen Euphorie und Pleite

Auch die Freizeitparks des Landes bekommen die Corona-Pandemie zu spüren. Einige nutzten den Lockdown, um Investitionen zu tätigen. Doch klar ist: Viele stecken in der Krise. Obendrein sehen sie sich gegenüber Kinos und Zoos steuerlich benachteiligt.

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  • Peter Allgaier
  • Johanna Kempter

Kopfüber in der Achterbahn oder eine Fahrt im gemächlichen Kinderkarussell: Eigentlich haben Freizeitparks jetzt Hochsaison. Aber die Corona-Pandemie trifft die Branche hart. Schließlich haben die Parks nur etwa sieben Monate im Jahr geöffnet. Wegen des Lockdowns von Mitte März bis Ende Mai brach bereits ein Teil des Umsatzes weg. Als die Parks dann wieder öffnen durften, konnte wegen der Hygieneregeln anfangs nur ein Besucher pro 20 Quadratmeter Fläche aufs Gelände.

Umsatzeinbußen wegen Lockdown

Auch wenn diese Vorgabe inzwischen gelockert wurde, dürften sich beim "Skyline Park" bei Bad Wörishofen im Unterallgäu die Umsatzeinbußen auf 15 bis 20 Prozent summieren, schätzt Inhaber Joachim Löwenthal. Er hatte vor über zwei Jahrzehnten den damaligen "Freizeitpark Kirchdorf" übernommen und zum größten Freizeitpark Bayerns ausgebaut.

Eröffnung des Kettenkarussells "Allgäuflieger" kurzfristig verschoben

Im Laufe der Jahre investierte Löwenthal immer wieder in neue Attraktionen. Auch jetzt, während der Corona-Krise: Am Freitag sollte im "Skyline Park" eigentlich das höchste Kettenkarussell der Welt eingeweiht werden. Fast 150 Meter hoch ist der "Allgäuflieger". 400 Tonnen Stahl sind verbaut. Von dort oben sehe man bei gutem Wetter sogar die Alpen, sagt Parkinhaber Löwenthal.

Doch die Eröffnung wurde kurzfristig verschoben. Auf seiner Facebook-Seite gibt der Park eine Verzögerung bei der Abnahme des Fahrgeschäfts an. Wann das Kettenkarussell fahrbereit sein wird, ist noch offen. Es solle sich aber nur um Tage handeln, heißt es in der Kurznachricht.

Wie schnell dann die Kosten für das Fahrgeschäft wieder eingespielt sein werden, ist offen. Die ausländischen Gäste, aber auch Schülergruppen fehlen im "Skyline Park". Inhaber Löwenthal hatte Soforthilfen sowie ein Darlehen der LfA-Förderbank beantragt, um weiter liquide zu bleiben und investieren zu können.

Forderung nach Steuererleichterungen

Helfen könnten dem Unternehmer aus dem Unterallgäu auch Steuererleichterungen, wie sie der "Verband Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen e.V." fordert. Geschäftsführer Jürgen Gevers sagte dem BR bei einem Besuch im "Legoland" im schwäbischen Günzburg, dass die Vergnügungsparks klar benachteiligt seien. Auf die Ticketpreise wird seinen Angaben zufolge der normale Mehrwertsteuersatz fällig. Er liegt bei 19 Prozent – beziehungsweise bei 16 Prozent wegen der Corona-Krise, bis zum Jahresende. Die Tickets für andere Freizeiteinrichtungen wie Zoos oder Kinos würden dagegen mit dem reduzierten Satz von sieben bzw. derzeit fünf Prozent besteuert, kritisiert Gevers.

Mit Maske im Vergnügungspark

Auch das "Freizeitland Geiselwind" nahe Würzburg hat mit der aktuellen Pandemie-Lage zu kämpfen. Pressesprecher Patrick Keaton sagte dem BR, es schmerze, dass viele Gäste aus Sorge um ihre Gesundheit wegblieben. Nach seinen Worten werden im Park regelmäßig Kontaktflächen desinfiziert, zudem gilt in allen überdachten Bereichen Maskenpflicht.

Neue Attraktionen im "Freizeitland Geiselwind"

Auch das "Freizeitland Geiselwind" hat zuletzt investiert. In der laufenden Saison wurden eine neue Themenwelt und eine große Schiffschaukel im Piraten-Stil eröffnet. Nur wenn ein Park immer wieder neue Attraktionen biete, bleibe er attraktiv für die Gäste, so Pressesprecher Keaton.

Existenzsorgen der Freizeitparks

Aber was, wenn die Gäste nicht kommen dürfen? Ein möglicher zweiter Lockdown im Herbst könnte viele Freizeitparks in Existenznot bringen. Die Politik dürfe die Betreiber nicht im Stich lassen, fordert Verbandsgeschäftsführer Gevers. Er betont, dass die Freizeitparks gerade in strukturschwachen Gegenden ein wichtiger Jobmotor seien. Deutschlandweit hängen dem Verband zufolge gut 150.000 Arbeitsplätze an den Parks und ihren Zulieferbetrieben.

Hoffen auf Kurzarbeiterregelung

"Skyline Park"-Inhaber Löwenthal wünscht sich deshalb, dass die Regierung die derzeitige Kurzarbeiterregelung auch über den Jahreswechsel hinaus verlängert. Denn im Winter nehme der Park nichts ein.

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