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Freizeit im Corona-Lockdown: Tischtennisspielen draußen boomt | BR24

© picture alliance / Bildagentur-online/Blend Images | Blend Images/Alberto Guglielmi
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Eine Frau spielt draußen Tischtennis.

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    Freizeit im Corona-Lockdown: Tischtennisspielen draußen boomt

    Im Lockdown verbringen viele mehr Freizeit an der frischen Luft. Das belegt inzwischen eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie. Durch die Lust am Draußensein entdeckt mancher die ein oder andere Sportart neu: Tischtennis zum Beispiel.

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    Von
    • Antje Dechert

    Vieles geht gerade nicht – aber Tischtennisspielen an öffentlichen Platten, das geht in München sommers wie winters fast immer – auch in der Pandemie. Für den nötigen Hygieneabstand sorgt die 2,70 Meter lange Platte von selbst. Und sogar Doppel oder Rundlauf spielen geht.

    "Man vergisst die Probleme rund um Corona"

    Hört man sich bei den Freizeit-Ping-Pongern im Englischen Garten oder am Isarufer um, dann sind sie sich in einem Punkt einig: Im aktuellen Lockdown zieht es sie mehr denn je nach draußen. Für den 23-Jährigen Medizinstudenten Hamdi ist das Tischtennisspielen ein Ausgleich zum vielen Lernen alleine daheim.

    "Es ist eine gute Möglichkeit, draußen zu sein, sich zu bewegen und sich dabei – im Rahmen der Kontaktbeschränkungen – mit einem Freund zu treffen." Student Hamdi

    So sieht es auch die 14-jährige Schülerin Alba: "Man hat dann etwas, was man draußen machen kann und worauf man sich freuen kann." Der 70 Jahre alte Jolly spielt im Verein, kommt aber schon seit über zehn Jahren auch regelmäßig zum Tischtennisspielen an die Isar. "Ich spiele hier mit Menschen zwischen acht und 83. Für viele ist es eine gute Möglichkeit, die Probleme rund um Corona zu vergessen."

    Tischtennisverband hofft auf Belebung des Vereinssports

    Schon im letzten Sommer waren Tischtennisplatten – egal ob für den Garten oder drinnen - bei den entsprechenden Händlern ausverkauft. Florian Leidheiser vom Bayerischen Tischtennisverband wundert es nicht, dass Tischtennis in der Pandemie von vielen als Freizeitsport neu entdeckt wird.

    "In den Parks oder draußen, wo es möglich ist, wird sehr viel Tischtennis gespielt. Wir haben keine konkreten Zahlen, aber das ist schon sehr auffällig. Und wir würden uns freuen, wenn der ein oder andere dann, wenn es wieder möglich ist, den Weg in den Verein findet." Florian Leidheiser vom Bayerischen Tischtennisverband

    Denn bisher sei die Tischtennis-Welle noch nicht von draußen in die Vereine geschwappt, sagt Florian Leidheiser. Was wahrscheinlich auch damit zusammenhänge, dass der Amateursport im Verein seit November coronabedingt ruhen muss. "Im Moment trifft es vor allem auch die Kinder und Jugendlichen, die sowieso wenig Freizeitmöglichkeiten haben. Ihnen fehlt das Training, die Wettkämpfe und das Vereinsleben." Gerade erst hat der Bayerische Tischtennisverband auch die Saison für den Profispielbetrieb abgesagt.

    Menschen bewegen sich mehr draußen

    Weniger Vereins- und Wettkampfsport also, dafür aber mehr Bewegung an der frischen Luft: Unser Sport und Bewegungsverhalten habe sich in der Corona-Pandemie zweischneidig entwickelt, sagt Alexander Woll, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaften des Karlsruher Instituts für Technologie. Seit über 15 Jahren erforscht er im Rahmen der Motorik-Modul-Studie, kurz MoMo, die körperlich-sportlichen Aktivitäten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland.

    Für die Zeit des ersten Corona-Lockdowns waren die Forscher von ihren Ergebnissen überrascht: "Wir dachten, die Bewegungszeit breche total ein, aber das hat sich so nicht gezeigt", sagt Woll.

    "Natürlich wurde der Vereinssport auf null heruntergefahren, aber dafür haben wir mehr Alltagsaktivität festgestellt." Alexander Woll, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaften des Karlsruher Instituts für Technologie, zum ersten Lockdown

    Kinder und auch Erwachsene hätten sich deutlich mehr an der frischen Luft bewegt durch Spielen im Freien, Spazierengehen, Radfahren oder Joggen. Auch hätten Eltern vergleichsweise mehr Freizeit mit ihren Kindern draußen verbracht. So sei die Bewegungszeit von Kindern und Jugendlichen laut Woll im ersten Lockdown um 20 Minuten gestiegen.

    Langfristig mehr Bewegungsflächen schaffen

    Gestiegen sei auf der anderen Seite aber auch ganz massiv die Zeit, die sie vor dem Bildschirm verbringen – vor allem in den großen Städten. Das Plädoyer des Sportwissenschaftlers: Politik und Kommunen müssten für ausreichend Bewegungsräume und Grünflächen sorgen, die gerade in Ballungsgebieten wie München immer mehr verschwinden: "Da ist der Immobiliendruck sehr hoch und die Stadtplaner opfern mal schnell eine Grünfläche oder einen Sportplatz, um nachzuverdichten. Da wäre es ganz wichtig, dass die Politik auch langfristig darauf achtet, dass genügend Grünflächen als Bewegungsräume zur Verfügung stehen."

    Bewegung draußen, da sind sich Mediziner und Sportwissenschaftler einig, ist gut fürs Immunsystem und hilft in der Pandemie, Stress und die psychosozialen Folgen des Lockdowns abzumildern. Wenn also daheim mal wieder der Lagerkoller droht … dann nichts wie raus - oder einfach Rundlauf um den Küchentisch.

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