BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Freiwillige Feuerwehren: Mehr Fehlalarme - mehr Frust | BR24

© BR

Viele Freiwillige Feuerwehren klagen über zu viele Einsatzstunden. Einige hören deshalb mit dem Ehrenamt auf. Ein Beispiel von Korbinian Bauer.

4
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Freiwillige Feuerwehren: Mehr Fehlalarme - mehr Frust

Durchschnittlich alle zwei Minuten rückt in Bayern die Feuerwehr aus. In den meisten Fällen bedeutet dies, dass Ehrenamtliche alles stehen und liegen lassen, um zu helfen. Das machen sie aber immer häufiger vergebens. Einigen wird das zu viel.

4
Per Mail sharen
Teilen

Wolfgang Kaupp ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Rosenheim. Vier Jahrzehnte lang ist er Einsätze gefahren. Für dieses Engagement wurden ihm unter anderem eine Urkunde und ein goldener Orden verliehen. Im vergangenen Jahr hat er seinen aktiven Dienst bei der Feuerwehr aufgegeben, obwohl er das mit 61 Jahren noch nicht hätte machen müssen. Ihm fehlte einfach die Motivation, weiterzumachen.

Viele Fahrten sind vergebens

Umgerechnet 19 Tage Vollzeitarbeit hat jeder einzelne Rosenheimer Feuerwehrler im Schnitt letztes Jahr in seine ehrenamtliche Tätigkeit gesteckt. Viel zu häufig auch in Fehlalarme, so Kaupp.

"Irgendwann kommt der Punkt, wo man sagt: Jetzt bin ich von zehn Alarmierungen siebenmal umsonst vorbeigefahren. Das baut sich dann auf, dass man sagt, jetzt ist es an der Zeit, dass ich den aktiven Dienst beende." Wolfgang Kaupp

Jedes fünfte Mal fuhren die Freiwilligen aus Rosenheim letztes Jahr auf einen Einsatz und stellten dann fest: falscher Alarm. Fehlalarmierungen haben aber nicht nur in Rosenheim zugenommen. In ganz Bayern rückten die Feuerwehren zuletzt mehr als 50 Prozent häufiger vergebens aus, als das noch 2007 der Fall war. Bei den Freiwilligen Feuerwehren hat sich diese Zahl sogar verdoppelt. Von knapp 8.000 Fällen im Jahr 2007 auf mehr als 15.000 zehn Jahre später.

Mehr Meldetechnik in Gebäuden bedeutet mehr Einsätze

Meistens lösen Gefahren- oder Brandmeldeanlagen einen falschen Alarm aus. Auch private Rauchmelder sind zunehmend verantwortlich dafür, dass Feuerwehren vergebens ausrücken. Ein hausgemachtes Problem, sagt Uwe Brandl, Präsident des deutschen Städte- und Gemeindebundes: "Wenn heute der Staat meint, dass er bei jedem größeren Bauvorhaben eine Brandmeldeanlage braucht, muss man sehen, dass Technik auch immer fehleranfällig ist."

Feuerwehr wird wegen Kleinigkeiten gerufen

Doch nicht nur Fehlalarme können für die Feuerwehrleute frustrierend sein. Wenn Bürger wegen jeder Kleinigkeit gleich die Feuerwehr anrufen, zehrt das an den Nerven der Helfer, sagt Jürgen Weiß vom Landesfeuerwehrverband Bayern: "Nehmen wir mal an, sie haben einen abgerissenen Waschmaschinenschlauch und ihr zwei Quadratmeter großes Bad ist zwei Zentimeter unter Wasser. Sie holen die Feuerwehr, damit ein Wassersauger das Wasser aufnimmt. Das wäre eine unnötige Arbeit für einen in der Regel ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden, der vom Arbeitsplatz weggeholt wird, um so eine Tätigkeit zu machen."

Weiß wünscht sich, dass man die 112 nur dann wählt, wenn es wirklich nötig ist. Denn die Helfer haben auch so schon genug zu tun.

Einsatzkräfte wünschen sich mehr Entlastung bei Verwaltung

273.000 Feuerwehreinsätze dokumentierte das Innenministerium zuletzt. 1994 waren es nur halb so viel. Inzwischen werden auch kleine Einsätze genau dokumentiert. Arbeit, bei der die ehrenamtlichen Feuerwehrler mancherorts gut die Unterstützung durch hauptberufliches Personal gebrauchen könnten, sagt Jürgen Weiß: "Wegen der Verwaltungsaufgaben geht kein Feuerwehrler zur Feuerwehr. Wir würden uns wünschen, dass die eine oder andere Gemeinde vielleicht den ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden in der Verwaltung besser unter die Arme greift."

Beim Feuerwehrverband ist man sich aber sicher: Die Versorgung der Bürger ist trotz hoher Belastung weiter gesichert. Dennoch warten große Herausforderungen auf die Freiwilligen Feuerwehren in Bayern. Der Verband schätzt, dass bis 2031 etwa 15 Prozent weniger Mitglieder bei der Feuerwehr sein werden.