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Freiwillige Feuerwehr in Bayern sucht dringend Nachwuchs | BR24

© dpa / picture-alliance

Damit die Freiwillige Feuerwehr andere retten kann, braucht sie auch Einsatzkräfte.

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    Freiwillige Feuerwehr in Bayern sucht dringend Nachwuchs

    Wer kommt, wenn's in Bayern brennt? Meist ist es die Freiwillige Feuerwehr. Und die sucht dringend Nachwuchs. Freiwillige Helfer zu finden und sie vor allem auch auszubilden, ist für die Feuerwehr heuer besonders schwer.

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    Bei schlimmen Verkehrsunfällen oder wenn es brennt, dann rückt in 98 Prozent der Fälle die Freiwillige Feuerwehr aus. Die Mitglieder stehen nachts auf oder verlassen tagsüber ihren Arbeitsplatz, stellen sich stundenlang in die Kälte oder in den Regen, schneiden Menschen aus Autowracks, retten Kinder aus brennenden Wohnungen oder befreien auf Baustellen eingeklemmte Bauarbeiter.

    Damit die Freiwillige Feuerwehr andere retten kann, braucht sie aber auch regelmäßig neue Mitglieder. Gemeinsam mit dem Bayerischen Innenminister startet sie deshalb heute die Kampagne "Helfen ist Trumpf".

    Herrmann: 670 Einsätze pro Tag

    Der Bayerische Innenminister betont, die Freiwillige Feuerwehr sei "eine wesentliche Säule der Bayerischen Sicherheitsarchitektur". Im vergangenen Jahr seien die Bayerischen Feuerwehren rund 670 Mal am Tag zur Hilfe gerufen worden.

    "Rein rechnerisch entspricht dies in etwa einem Einsatz alle zwei bis zweieinhalb Minuten", so Herrmann. So viele Einsätze, nämlich 240.000 pro Jahr in Bayern, zeigen, wie wichtig die Freiwillige Feuerwehr ist, sagt auch der Vorsitzende des Bayerischen Landesfeuerwehrverbandes Johann Eitzenberger.

    Corona macht es auch der Feuerwehr schwer

    Vor allem bei Einsätzen, bei denen es im schlimmsten Fall um Leben und Tod geht, muss es schnell gehen. Jeder Handgriff muss sitzen, die Kommunikation auch nonverbal funktionieren.

    Deshalb werden die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr gut geschult, durchlaufen Ausbildungen, spezialisieren sich, haben regelmäßige Übungslehrgänge. Doch Corona macht es den Feuerwehrlern nicht einfach, erzählt Eitzenberger: "Die Corona-Pandemie hat uns von Anfang an stark getroffen, weil wir zunächst den gesamten Übungs- und Ausbildungsbetrieb einstellen mussten."

    Keine Ausbildungen in den ersten Corona-Monaten

    So konnten in den vergangenen Monaten weder Atemschutzgeräteträger noch Maschinisten ausgebildet werden - zwei wesentliche Einsatzbereiche der Feuerwehr. Denn: ohne Atemschutzgerät kein Brandeinsatz, ohne Maschinist keine Brandbekämpfung.

    Maschinisten steuern das Einsatzfahrzeug und kennen sich mit Pumpen, Motoren und Wasserdrücken aus. Sie sorgen dafür, dass es am Einsatzort Löschwasser gibt. Wer hingegen Menschen aus einer brennenden Wohnung rettet, kann das nur mit einer Schutzausrüstung und einem Atemschutzgerät tun. Und wer mit einer so komplexen Ausrüstung in einen Einsatz geht, muss topfit und ausgebildet sein, sagt der Kreisbrandrat von Freising Manfred Danner.

    "Mit sechzig Jahren scheidet ein Atemschutzgeräte-Träger altersbedingt aus. Wenn wir keine regelmäßige Ausbildung machen, brechen die Älteren weg und die Jüngeren kommen nicht nach. Außerdem geht die Routine verloren, wie man das Gerät aufsetzt oder wie man sich gegenseitig das Gerät anschließt." Manfred Danner, Kreisbrandrat Freising

    Derzeitige Ausbildung "logistischer Kraftakt"

    Die 315.000 aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr trainieren zwar inzwischen wieder mit Atemschutzgeräten, aber unter Auflagen: Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und alles muss ständig desinfiziert werden. Es sei ein logistischer Kraftakt, Termine und Räume zu planen und Ausbilder einzuteilen, erklärt Kreisbrandrat Danner. Die Ausbilder seien teils überlastet, sagt er.

    Stephan Steinberger ist Feuerwehr-Ausbilder. Normalerweise übt er an einem Abend mit sechzehn Teilnehmern, jetzt geht das nur mehr mit acht: "Es ist viel mehr Aufwand, speziell für die Aufsichtspersonen - allein schon, weil wir das doppelte an Terminen brauchen."

    Auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnt: "Die Feuerwehren gehören zur kritischen Infrastruktur, ein coronabedingter Ausfall einer Feuerwehr muss unbedingt vermieden werden". Gleichzeitig betont er, dass die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren durch die Beschränkungen nicht gefährdet sind.

    Freiwillige Feuerwehr: "Ganz viel Motivation und Herzblut"

    Die rund 7.500 Feuerwehren in Bayern leben vom Miteinander und der Motivation ihrer Mitglieder. Deshalb dürfe auch das Soziale unter den Kameraden nicht zu kurz kommen, sagt Landesfeuerwehr-Vorsitzender Johann Eitzenberger.

    "Die Feuerwehren sind eine gewachsene Bürgerinitiative, seit über 150 Jahren hat man sich organisiert. Da ist das soziale Miteinander ganz wichtig. Darum ist es schon eine Belastung, dass der Feuerwehrdienst, so wie wir ihn über Jahrzehnte gewohnt waren, nicht stattfinden kann." Johann Eitzenberger, Vorsitzender Bayerischer Landesfeuerwehrverband

    Eine gute Kameradschaft sei auch deshalb so wichtig, weil man sich im Einsatz aufeinander verlassen muss. Wenn die Motivation in der Mannschaft nicht mehr stimmt, könne es sein, dass man nachts nur noch mit der Hälfte der Leute dasteht, sagt der Kommandant von Anzing, Tobias Bönte. "Keiner von uns kriegt Geld dafür, dass er sich nachts um drei auf die Autobahn in den Regen stellt, das ist ganz viel Motivation und Herzblut."

    Jede Feuerwehr braucht mindestens 27 Mitglieder

    Aus diesem Grund gibt es beispielsweise auch keine Feuerwehrdienststelle unter 27 Mitgliedern. In einer Löschgruppe sind die Positionen genau verteilt, mit neun Mitgliedern könne man in der Regel einen "kleineren Löschangriff" durchführen, erklärt Eitzenberger. "Deshalb muss jede Feuerwehr eine dreifache Besetzung nachweisen, also 27 Mitglieder zählen."

    Doch regelmäßig scheiden Mitglieder altersbedingt aus oder ziehen weg. Die Freiwillige Feuerwehr ist deshalb existenziell auf Nachwuchs angewiesen, das fange schon bei den Kindern an. Auch das Bayerische Innenministerium weiß um den gesellschaftlichen und demographischen Wandel und bezuschusst deshalb den Landesfeuerwehrverband jährlich mit 275.000 Euro für Kampagnen zur Nachwuchsgewinnung.

    Mit der Kampagne "Helfen ist Trumpf" hofft die Feuerwehr nun, noch mehr auf die ehrenamtliche Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr aufmerksam zu machen und damit auch neue Mitglieder zu gewinnen.

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