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Freistaat gibt 21,3 Millionen Euro für Zeppelinfeld-Sanierung | BR24

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Politiker des Landes und der Stadt Nürnberg im Goldenen Saal.

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    Freistaat gibt 21,3 Millionen Euro für Zeppelinfeld-Sanierung

    Das Land Bayern beteiligt sich an der baulichen Sanierung des Zeppelinfeldes und der Steintribüne auf dem Reichsparteitags-Gelände in Nürnberg. Rund 21,3 Millionen Euro Unterstützung sagte der Ministerpräsident vor Ort für die Instandhaltung zu.

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    Der Freistaat wird sich an den Sanierungskosten der Zeppelintribüne und des Zeppelinfeldes beteiligen und ein Viertel der veranschlagten Kosten tragen. Diese sei über den Doppelhaushalt 2019/2020 abgesichert.

    Sanierungskosten in Höhe von über 85 Millionen Euro

    Mit der Zusage des Freistaates steht die komplette Finanzierung der Arbeiten, denn bereits im vergangenen Jahr hat der Bund 42,55 Millionen Euro zugesagt. 800.000 Euro sollen bereits in diesem Jahr fließen. Der Bund übernimmt damit die Hälfte der Instandsetzungskosten, der Freistaat und die Stadt Nürnberg jeweils 25 Prozent.

    "In Deutschland gibt es kaum mehr erhaltene Ensembles, was die NS-Zeit betrifft. Fast nirgendwo. In Nürnberg gibt es das. Wenn man im Dokumentationszentrum steht und Bilder sieht aus dem Reichsparteitag, dann ist dies etwas anderes, ob man das nur in schwarz-weiß sieht oder ob man es dann einige wenige Minuten später erleben kann." Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

    60 Prozent der Steine an den Fassaden und 80 Prozent der Natursteinblöcke an den Stufen der Zeppelintribüne sind nach Angaben der Stadt Nürnberg zerstört. Einzelne Decken im Gebäude müssen durch provisorische Holzkonstruktionen gestützt werden. Mit Zäunen werden Passanten vor herabfallenden Steinbrocken geschützt. Manche Bereiche der Tribüne sind aus Sicherheitsgründen nicht mehr betretbar.

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    Stufen an der Steintribüne auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

    Keine Rekonstruktion des Geländes

    Oberbürgermeister Ulrich Maly betonte noch einmal, dass es bei der Restaurierung nicht um eine Rekonstruierung gehe, sondern um eine langfristige Sicherung des Status quo.

    "Der Ort, an dem sich die schlimmste aller Diktaturen der Weltgeschichte selbst inszeniert hat, erzählt auch heute noch den neuen Generationen eine ziemlich dramatische Geschichte und die wollen wir erzählen." Ulrich Maly, Oberbürgermeister Nürnberg

    Die Sanierung insgesamt soll acht Jahre dauern. Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich bestätigte, dass mit der Zusage der Förderung des Landes nun mit den ersten Ausschreibungen begonnen werden könne.

    Zeppelintribüne und Zeppelinfeld sind die einzigen fertiggestellten, in der NS-Zeit genutzten und noch erhaltenen baulichen Hinterlassenschaften auf dem ehemaligen Reichsparteitags-Gelände.

    Sanierungskonzept steht

    Bereits 2004 war man sich im Stadtrat einig, dass das Gelände weder dem Verfall preisgegeben noch wiederhergestellt werden soll. 2016 wurde dann ein Sanierungskonzept verabschiedet. Drei große Arbeitsprojekte sind nun geplant.

    Begonnen werden soll mit der Instandhaltung im inneren Bereich, mit dem "Goldenen Saal“ und den darüber liegenden Gängen. "Es wurde damals weder schön noch gut gebaut. Es wurde schnell gebaut“, so der Nürnberger Baureferent Daniel Ulrich.

    Die Steintribüne sei eigentlich ein Ziegelbau, verkleidet mit 14 Zentimeter dicken Natursteinen. Die lösen sich nun überall. In einem zweiten Arbeitsprojekt sollen die Treppenanlagen im vorderen Teil saniert werden, danach kommen die Erdwälle mit den Türmen an die Reihe. Dort ist das Problem, dass damals nur Erde aufgeschüttet, aber nicht verdichtet wurde, so dass sich das Gelände im Laufe der Jahre langsam abgesenkt hat. Die Treppen in diesem Bereich sollen als "grüne Stufen“ erhalten bleiben.

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    Die Steintribüne in Nürnberg.

    Instandhaltung kostet Millionen

    Die enormen Kosten von 85 Millionen Euro sind auf die riesige Fläche zurückzuführen, für die die Sanierung anstehe. Bereits in den letzten Monaten wurden Vorwegmaßnahmen in Höhe von drei Millionen Euro durchgeführt.

    Sichern – erhalten – öffnen

    Die Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Julia Lehner, sprach von einem konzeptionellem Dreiklang, der aus einer baulichen Sicherung, der Öffnung und damit Entmystifizierung verschlossener Bereiche sowie historisch-didaktischen Informationsangeboten bestehe.

    Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

    Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg wird ebenfalls um eine Bibliothek und ein Archiv erweitert werden, denn mittlerweile hat das Museum Tausende Bücher über die Nazizeit geschenkt bekommen. Ein weiterer Grund für den Ausbau, der über 15 Millionen Euro kosten wird, ist, dass das Dokuzentrum ursprünglich bei seiner Eröffnung im Jahr 2001 für rund 100.000 Besucher im Jahr vorgesehen war – mittlerweile kommen aber fast dreimal so viele. Deshalb ist auch die Erweiterung von Ausstellungsflächen um 2.000 Quadratmeter geplant. Begonnen werden soll mit den Bauarbeiten bereits im Herbst diesen Jahres.