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Freisinger Stolpersteine erinnern an ermordete Juden | BR24

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Stolpersteine in Freising werden geputzt

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Freisinger Stolpersteine erinnern an ermordete Juden

Am Tag der Reichspogromnacht wurden in vielen deutschen Städten sogenannte Stolpersteine symbolisch geputzt – so auch in Freising. Die Steine erinnern an Juden aus der eigenen Stadt. Sie sind meist vor den früheren Wohnungen in den Boden eingelassen.

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"Hier wohnte Sigfried Holzer, Jahrgang 1897, deportiert, ermordet in Ausschwitz." Geschichtsstudentin Julia Christof liest die Inschrift eines Stolpersteins in der Freisinger Innenstadt. Es ist einer von neun Steinen, der da vor ihr in den Boden eingesetzt ist. Im Haus der Familie Holzer haben zwei Brüder mit ihren Frauen und Kindern gewohnt und hatten dort ein damals beliebtes Stoffgeschäft. Zwei der Kinder gingen auch aufs Domgymnasium, für Julia Christof ist das besonders emotional:

""Ich fühl' mich denen irgendwie sehr, sehr nah, weil (…) die eben auch auf der Schule waren, wo ich war." Julia Christof, Geschichtsstudentin aus Freising

Besuch von Ausschwitz war Schlüsselerlebnis

Insgesamt gibt es 15 Stolpersteine in Freising – sie stehen für 15 Schicksale jüdischer Bürger, die in Freising gelebt haben. Teilweise sind die Steine dunkel angefärbt, verdreckt oder mit Kaugummis verklebt. Das will Julia Christof heute ändern und die Steine putzen. Eine Exkursion nach Ausschwitz war für sie das Schlüsselerlebnis:

"Das kann man gar nicht in Worte fassen, was man dort sieht und wie man sich dann dabei fühlt. Also, schuldig auch so ein bisschen und zumindest verantwortlich, dass man irgendwie was tun muss (…) auch gerade in dem aktuellen Rechtsdruck, den wir irgendwie erleben in Deutschland." Julia Christof, Geschichtsstudentin aus Freising

Stolpersteine lassen Passanten innehalten

Etwas tun müssen – das Gefühl hat auch Kati Jindrich, sie ist evangelische Jugendreferentin, gerade erst nach Freising gezogen und will Julia bei Ihrem Projekt unterstützen. Beide putzen heute symbolisch die Erinnerungssteine an die Juden aus ihrer Stadt.

Es geht ihnen um Aufmerksamkeit. Kati Jindrich ist es ganz besonders wichtig, dass die Steine auch im Alltag wieder präsent werden:

"Das ist unsere Geschichte und daran müssen wir uns erinnern. Das finde ich eben ganz, ganz wichtig, dass Erinnerung leben muss." Kati Jindrich, evangelische Jugendreferentin in Freising

Zusammen mit ihren Schülern hat die angehende Geschichtslehrerin Julia Christof ein Buch geschrieben: "Mit unbekanntem Ziel verreist? Freisinger Juden im Nationalsozialismus".