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Bischofsquartett des Domradios

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    Misstöne rund um Freisinger Bischofskonferenz

    Im Bischofsquartett gehören sie zu einer Gruppe. In der Realität aber wird der Dissens zwischen den Reformwilligen in der Freisinger Bischofskonferenz um Kardinal Reinhard Marx und seine Kollegen aus Regensburg und Passau größer. Eine Analyse.

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    Von
    • BR24Redaktion
    • Veronika Wawatschek

    So treu vereint wie im Kartenspiel des Kölner Domradios sind der Papst, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Passauer Oberhirte Stephan Oster in der Realität aber bei Weitem nicht.

    Ruf nach Reformen aus München und Würzburg

    Im Gegenteil: Beim Herbsttreffen der Freisinger Bischofskonferenz dürften die Spannungen zwischen Marx und seinen beiden bayerischen Widersachern wieder zu Tage treten. Denn auch wenn die Tagesordnung des Treffens nicht bekannt ist, die Differenzen wurden vorab mehr als deutlich: Kardinal Marx mahnte nicht zuletzt in Verbindung mit seinem Rücktrittsgesuch radikale Reformen und einen Neuanfang an. Er sieht die Kirche an einem Wendepunkt und sagt: "Manches dafür wird sterben müssen, manches wird aber auch neu auferstehen."

    Auch den Würzburger Bischof Franz Jung darf man ins Lager der Reformer zählen. Er verteidigte zuletzt im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk den Reformprozess in der deutschen Kirche gegen Kritik. Er sieht nicht die Gefahr eines deutschen Sonderwegs, der zur Spaltung der Kirche beitragen könnte. Denn "das sind auch in anderen Ländern Fragen, die jetzt aufgebrochen sind und die einer Behandlung bedürfen".

    Regensburg, Passau und Augsburg fürchten um die Tradition

    Konservative Player wie die Bischöfe Voderholzer und Oster, aber auch der Augsburger Bischof Bertram Maier sehen das anders. Sie gehen zunehmend auf Konfrontationskurs zu innerkirchlichen Reformbestrebungen, weil sie den Missbrauchsskandal auf andere Weise deuten oder weil sie ganz generell um den katholischen Kern fürchten – etwa wenn es um Zölibat, Sexualmoral und Mitbestimmung geht.

    So warnte Voderholzer kürzlich in einem Zeitungsinterview vor einer "Verbürgerlichung" des katholischen Priesteramts", wenn etwa über die Abschaffung des Zölibats diskutiert werde. Beim Reformprozess "Synodaler Weg" fürchtet er eine Instrumentalisierung der Missbrauchsdebatte. "Ich denke an bestimmte Kreise, die schon seit längerem eine Umstrukturierung der katholischen Kirche nach dem Modell evangelischer Kirchenverfassungen planen", so Voderholzer in der Neuen Zürcher Zeitung.

    Die Maßnahmen der katholischen Kirche im Kampf gegen sexuellen Missbrauch bewertet Voderholzer dagegen als vorbildlich. "Es gibt in Deutschland synodal organisierte kirchliche Gemeinschaften, die sich da wesentlich schwerer tun." Er stelle fest, "dass die von alten zölibatären Männern geleitete Kirche es bei der Prävention, der Aufklärung und Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs von allen Institutionen am weitesten gebracht hat". Die Fälle gingen seit der Jahrtausendwende rapide zurück. "Es gibt heute keinen massenhaften sexuellen Missbrauch in der Kirche", so Voderholzer.

    Regensburger Rückhalt für Woelki

    Kind dieses Geistes dürfte auch eine Rundmail sein, die an einen verdeckten Verteiler ging und dem Kölner Stadt-Anzeiger vorliegt. Darin suchte der theologische Referent des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer nach "Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf dem katholischen Weg", konkret also nach Unterstützung für den im Umgang mit dem Missbrauchsskandal viel kritisierten Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der seit dieser Woche eine "geistliche Auszeit" nimmt. Das Regensburger Unterstützer-Schreiben für den Kölner Kardinal mit offizieller Bistumsadresse und Signatur warne vor Versuchen der "Synodalen-Weg-Seite", die "Skandalisierung gegen Woelki zu befeuern", so berichtet es der Kölner Stadt-Anzeiger.

    Der Synodale Weg als Feindbild. Regensburgs Bischof Voderholzer legte beim Synodalen Weg einen Alternativtext vor, wonach der sexuelle Missbrauch in der Kirche "in keinem gesicherten Zusammenhang" stehe mit der katholischen Sexualmoral. Voderholzer und Oster demonstrierten bereits im Vorfeld Distanz zur Mehrheitsmeinung im Reformprozess. Oster fürchtet, dass die "Verteidiger der geltenden kirchlichen Lehre" kaum noch mit ihren Argumenten durchdringen.

    "Schreckgespenst" evangelische Kirche

    Aber auch der Augsburger Bischof Bertram Meier warnt bei der Reform der katholischen Kirche vor nationalen Sonderwegen. "Am deutschen Wesen wird die Weltkirche sicher nicht genesen", sagte er am Sonntag in Augsburg und rief zur Wachsamkeit auf. Der Reformdialog mache ihn nachdenklich und besorgt. "Wir alle dürfen nicht schlafen, um uns dann beim Erwachen verdutzt die Augen zu reiben, weil sich die katholische Kirche auf dem Synodalen Weg in eine de facto evangelische Landeskirche transformiert hat."

    Dass die Karten bei der Bayerischen Bischofskonferenz an diesem Donnerstag neu gemischt werden, ist eher unwahrscheinlich. Gut möglich aber, dass eine Neuauflage des Bischofsquartetts des Kölner Domradios mögliche neue Farbenspiele oder Schattierungen miteinbeziehen müsste.

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